Eine hier namentlich nicht genannt sein gedurft habende Userin hat vor einiger Zeit in einem ebenfalls unzunennenden Blogbeitrag geschrieben: "Kriege, über den Bildschirm, schrecklich faszinierend. Der auf den Knopf drückt und die Rakaten startet, sitzt irgendwo in einem großen Büro, kann aber auch am Küchentisch sitzen, drückt auf einem Knopf und irgendwo explodiert ein ganzes Dorf!"

Seit es die ferngesteuerte Kriegführung gibt [1], gibt es diese Klage. Ferngesteuerte Kriegführung sei unfair und feige, heißt es. Unmenschlich sowieso. Man stelle sich nur die englischen Langbogenschützen bei Azincourt vor, Gemeine Männer zu Fuß allesamt, die mit ihren relativ weitrechenden Pfeilen einen Großteil des französischen Adels ausgelöscht haben; außerhalb der Reichweite der Lanzen und Schwerter der französischen Ritter. Der Drohnenpilot ist der Bogenschütze der heutigen Kriegführung.

Die Drohnenpilotin ist dabei noch viel feiger als der Bogenschütze. Der Bogenschütze ging immerhin noch das Risiko ein, daß ein Teil der angreifenden Ritter den Pfeilhagel überstand, durchkam und dann die ungepanzerten Bogenschützen niedermetzelte. Die Drohnenpilotin dagegen sitzt sicher und anonym in Ramstein. Niemand außerhalb der Air Base kennt Name und Anschrift der Warrior Queen am Joystick. Und auch innerhalb des Camps wissen nur ganz wenige, was sie während der Dienstzeit macht [2].

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Wer sollte ihr wehtun können oder auch nur wollen?

Drohnenpiloten sind feige oder sagen wir besser: risikominimierend. Deswegen - unter anderem deswegen - wird angestrebt, die Kriegführung mit Hilfe von Kampfdrohnen zu ächten. Mithilfe von Artillerie eine Stadt zu Klump zu hauen geht in Ordnung, desgleichen die Bombardierung einer Stadt vom Flugzeug aus. Dergleichen mit Kampfdrohnen zu erledigen soll dagegen verwerflich sein? Verwerflicher als das Erdrosseln oder die Tötung durch einen Scharfschützen? Wieviel Heldenmut mag es wohl erfordern, eine in die Luft ballernde afghanische Hochzeitsgesellschaft zu bombardieren? Okay, das war jetzt nicht sonderlich sachlich, es war polemisch.

Stell dir vor, du wärst - aus welchen Gründen immer - bei der Bundeswehr und du erhältst den Auftrag, das Rathaus im beschaulichen Städtchen Voitsberg in der Steiermark zu zerstören - aus welchen Gründen immer. Du könntest dir jetzt ein Sprengstoffpackerl um den Leib winden, als Tourist verkleidet das Rathaus betreten... und WUMM. Der Auftrag wäre damit zwar erfüllt, aber deine Überlebenschancen wären doch eher gering. Du leihst dir stattdessen einen Panzer von der Bundeswehr aus und fährst nach Voitsberg. Von einem Hügel aus kannst du dann bequem das Rathaus zu Klump schießen. Schon besser. Allerdings riskierst du, daß die Austriaken mißtrauisch werden, wenn sie einen unangemeldeten deutschen Panzer durch Österreich rumpeln sehen. Da du auf Zuruf naturgemäß nicht anhältst wird die tapfere ÖVA (Österreichische Volksbefreiungs-Armee) deinen Panzer grillen, wobei du höchstwahrscheinlich irreparablen Schaden nimmst.

Besser ist da schon ein Drüsenjäger, mit dem du schnell mal über das kleine Land hoppst und dann das Rathaus zermautschelst. Allerdings bleibt auch hier die - wenn auch geringe - Gefahr, daß dich die österreichische Flugabwehr erwischt und dich samt Drüsenjäger in die Einzelteile zerlegt. Wieviel netter, geräuschärmer und risikoloser ist dagegen der Angriff mittels einer Kampfdrohne.

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[1] Wer ganz korinthenkackerisch sein will (und wer will das nicht?), der muß die ferngesteuerte Kriegführung mit dem ersten Steinwurf auf einen Mitmenschen beginnen lassen.

[2] Amerikanische Wissenschaftler - wer sonst? - haben herausgefunden, daß Kriegsdrohnenpiloten so gut wie nie in ihrer Freizeit Ego-Shooter-Spiele spielen. Das ist immerhin schon was.

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