Jeder Fußballverein, der auf sich hält, hat seine eigene Vereinshymne. Jeder Fan kennt sie und singt sie bei gegebenem Anlaß mit.

Die Hymne des SSC Neapel ist einigermaßen merkwürdig. Hier wird sie gesungen vom Hl. Diego Armando Maradona.

Kritische Anmerkungen zur musikalischen Performance von Señor Maradona können hier im Blog gefahrlos abgeladen werden, in Neapel sollte man bei dergleichen vorsichtig sein. Den Stadtheiligen, San Gennaro, kann man schon mal beschimpfen (vor allem wenn das Blutwunder mal wieder nicht funktioniert), Maradona aber ist absolut sakrosankt. Zurecht.

Was Maradona hier zu singen versucht, ist "O surdato nnamurato" (il soldato innamorato hieße das auf Italienisch), das Lied vom verliebten Soldaten. Es handelt von einem Soldaten im Ersten Weltkrieg, der fern der Heimat an die zurückgelassene Geliebte schreibt, die er womöglich niemals wiedersehen wird. Ein todtrauriges Lied also. Und so was als Hymne eines Fußballvereins? Ist der Neapolitaner verrückt?

Gewiß ist er das. In Neapel klingen selbst schwarzgallige Lieder der Sehnsucht lebenspraller als deutsche Karnevalsgesänge.

Das dachte ich zumindest geraume Zeit. Bis ich dann per Zufall auf diese Aufnahme stieß, wiederum von Massimo Ranieri, aber ungefähr dreißig Jahre später aufgenommen. Hier singt er das Lied so, wie man es eigentlich singen müßte.

So, Leute, ich muß jetzt aufhören. Mich hat der Napoli-Blues voll erwischt, das Heimweh schnürt mir das Herz zu und macht mir die Augen feucht und blind.

Das Gedicht "Lamento per il sud" (Klage um den Süden) stammt von Salvatore Quasimodo, dem Literaturnobelpreisträger von 1959. Quasimodo war Sizilianer, den es beruflich nach dem italienischen Norden, nach Mailand, verschlagen hatte. In dem Gedicht beklagt er die verlorene Heimat, die vergessene Insel des Südens, die auch in seinem Herzen abgestorben ist und doch weiterbrennt in ihm. Die wiederkehrende Zeile "Più nessuno mi porterà nel sud" (Niemand bringt mich mehr zurück in den Süden) kannst du auf zweierlei Art lesen:

- Ach, niemals mehr kehr ich dorthin zurück, säufts

- Keine zehn Pferde bringen mich in dieses verdammte Land zurück

Klage um den Süden

Der rote Mond, der Wind, deine Farbe

einer Frau aus dem Norden, die weite Schneefläche...

Mein Herz ist von nun an auf diesem Grasland,

in diesen von Nebelwolken verhangenen Wassern.

Ich habe das Meer vergessen, das melancholische

Muschelhorn, das Siziliens Hirten blasen,

den Singsang der Karren die Straßen entlang,

wo der Johannisbrotbaum zittert im Rauch der Stoppeln,

ich habe den Zug der Kraniche und Reiher

in der Luft der grünen Hochebenen vergessen

wegen der Äcker und Flüsse der Lombardei.

Aber der Mensch beweint, wo auch immer, das Schicksal seiner Heimat.

Niemand bringt mich mehr zurück in den Süden.

Oh, der Süden ist es müde, Tote an den

Ufern der Malariasümpfe entlang zu schleppen,

müde der Einsamkeit, müde der Ketten,

müde der Flüche

aller möglicher Rassen,

die Todesschreie ausstießen, die in ihren Brunnen widerhallten,

die das Blut ihres Herzens getrunken haben.

Deswegen kehren seine Kinder auf die Berge zurück,

pressen die Pferde unter den Sternentüchern,

und essen Akazienblüten am Rande der Straßen,

die wieder rot sind, immer noch rot, immer noch rot.

Niemand bringt mich mehr zurück in den Süden.

Und dieser winterschwere Abend

ist noch unser, und hier wiederhole ich dir

meinen absurden Kontrapunkt

von Süße und Wut,

eine Liebesklage ohne Liebe.

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