auch hier: https://angenehmwiderwaertigzugleich.home.blog/2026/07/23/das-antideutschthum-in-der-musik/
Ein Sänger und ein Pianist wollen ein Chanson über Antifaschismus in Zeiten der Faschisierung vortragen, der Sender, der das ausstrahlen soll, möchte das lieber nicht. Man könnte, wenn man wollte – und welches der Hassmedien, die sich der Faschisierung verschrieben haben, wollte das nicht? - vielleicht und unter Umständen doch noch einen Hinweis aus dem Lied herauslesen, dass Gewalt in politischen Auseinandersetzungen eine Rolle spielen kann, aber der Sender (das ZDF) empfiehlt Antifaschisten, die, wie in Göttingen oder Stuttgart, von Jungnazis mit Messern angegriffen werden, doch lieber die andere Backe hinzuhalten, und untersagte nach einer sehr lang andauernden Exegese das Lied in einer Satiresendung vorzutragen. Wer mag, kann in diesem Verbot ein Zeichen von Feigheit eines steinreichen Mediums sehen, das sogar vor einem Schreihals wie Julian Reichelt und seinen Kampagnen Angst verspürt. Es sind halt triste Zeiten.
Wie trist sie in Wahrheit sind, macht der Kommentar von Peter Merg deutlich, der am 20.7. in der „jungen Welt“ erschien. Er bescheinigt dem Chanson „Keine Angst“ einen „hilflosen Antifaschismus“, da es „die Selbstabschaffung der liberalen Demokratie“ nicht aufhalten könne, wie ja überhaupt die Antifa gescheitert sei, da sie die AfD, die von derzeit 27% der Bevölkerung (glaubt man den Umfragen) Unterstützung erwarten darf, nicht aufhalten könne. Eine Idee – zum Beispiel die, dass der bürgerliche Staat zwar mies, seine faschistische Alternative aber noch weitaus mieser ist – wird aber nicht dadurch falsch, dass sie scheinbar gescheitert ist, wie überhaupt in der Idee des Antifaschismus die Möglichkeit, er könne scheitern, stets enthalten ist.
Sehr ausführlich befasst sich Mergs Text mit den beiden Künstlern und bescheinigt ihnen, sie seien „natürlich (…) für Antiimperialisten keine ‚echten‘ Linken.“ „Danger Dan“ habe „offenkundig (…) arg viel Jungle World gelesen“, gehöre also zu dem „zerfallenen Milieu“ der „Linksantideutschen“, dem die „Bekämpfung der rechtsreligiösen Hamas wichtiger“ sei „als die Schonung palästinensischer Zivilisten“. Abgesehen davon, ob „rechtsreligiös“ eher einen Pleonasmus oder einen Euphemismus darstellt, fragt man sich, ob die Leser der "jungen Welt" je vom 7. Oktober 2023 erfahren würden, wenn sie immer nur ihre Zeitung läsen. Auch Igor Levit verteidige „Israel selbst noch, wenn es gerade einen Krieg gegen den Iran“ beginne, vor allem aber könne man ihm „als Pianisten auch ohne antisemitische Untertöne eine etwas übermäßige Liebe zur technischen Perfektion vorwerfen.“ Ich habe mich gefragt, was Levits jüdische Herkunft mit seinem Klavierspiel zu tun haben könnte, bis ich in der Abhandlung „Das Judenthum in der Musik“ auf die Stelle stieß, in der Wagner am Beispiel von Felix Mendelssohn-Bartholdy Juden bescheinigte, diesen gelinge es trotz „reichster, specifischer Talentfülle“ kein „einziges Mal die tiefe, Herz und Seele ergreifende Wirkung auf uns hervorzubringen, welche wir von der Kunst erwarten“. Auch Levit mag also zwar technisch perfekt spielen, die „Tiefe“ aber, die den Arier auszeichnet, wenn er mal nicht in seiner Nase bohrt, sondern seine Seele erforscht, wird er nie empfinden. Merg geht noch einen Schritt weiter und äußert den Verdacht, „die Ästhetik seiner (Levits) Interpretationen“ korrespondiere „nicht zufällig mit seinem Verständnis des sauberen ‚Staatsbürgers‘“, sei also Ausdruck eines staatstragenden Opportunismus, welchen übrigens auch der Hausautor der AfD (Klonovsky) dem „Moralpianisten“ bescheinigte, nicht ohne ihn bei der Gelegenheit in die Nähe von Goebbels zu rücken.
Was ich aber von einer antiimperialistischen Linken halte, der zu einem jüdischen Pianisten nichts anderes einfällt als ein Rückgriff auf Wagners antisemitische Musikwissenschaft und die einem jüdischen Deutschen das Vertrauen in den bürgerlichen Staat als kriecherische Anbiederung übelnimmt, wäre, würde ich‘s äußern, weder im ZDF noch sonstwo zur Ausstrahlung geeignet.