Jan Fleischhauer hat als Journalist einiges geleistet: Erst bezeichnete er sich als links und ließ sich vom Spiegel bezahlen, dann bezeichnete er sich als rechts und ließ sich vom Focus bezahlen. Zwischendurch schrieb er ein Buch darüber, wie es zu diesem Wechsel kam, und sitzt seitdem im Fernseh‘ und gibt den überlegen schmunzelnden konservativen Onkel, der sich für die Torheiten der Jugend (worunter alle unter 60 zu verstehen sind) nur Spott übrig hat. In seiner Kolumne vom 18.7.26 setzt er sich mit der Nachricht auseinander, die starke Hitze in Deutschland habe weit über 5000 Menschen das Leben gekostet. Fleischhauer reagiert mit Flapsigkeit: „Der Hitzetod kommt auch zu dir“ titelt er und zitiert dabei die spöttisch-brutalen Verse „Warte, warte nur ein Weilchen / dann kommt Haarmann auch zu Dir“ aus den 1920er Jahren. Auch vor absurd klingenden Vergleichen scheut er nicht zurück: „Die Hitzetoten sind die Eisbären des Sommers“ und alle Klimawandelerzählungen eh für die Katz, denn Eisbären gibt es ja immer noch, oder? Und was sind das überhaupt für Leute, die da sterben? Skandal! Erst „im Kleingedruckten“ bekomme man zu lesen, „dass es vor allem sehr alte und sehr kranke Menschen trifft. Statt im Alter von 85 Jahren und fünf Monaten sterben sie mit 85 Jahren und zwei Monaten“ und sollen sich also bitte nicht so anstellen, wenn es ihnen an den Kragen geht. In der Ignoranz gegenüber dem, was Wissenschaftler als Klimakatastrophe bezeichnen, geht also nicht nur das Bewusstsein für die anstehenden gewaltigen Veränderungen flöten, sondern auch jeder Rest Humanität. So erinnert Fleischhauers Rat, wie man den Hitzetod vermeiden könne, an Marie Antoinettes Empfehlung, gegen den Mangel an Brot doch Kuchen zu essen: Eine Klimaanlage sei „das probateste Mittel (…), ich habe vor vier Jahren eine (…) installiert.“ Die Kosten für diese Installation beginnen bei 5000 € und sind wohl nur für die wenigsten der von Altersarmut Betroffenen zu stemmen. Aber es geht Fleischhauer auch weniger um die Lösung eines Problems als vielmehr um Ideologie: „Was, wenn die Leute den Eindruck bekommen, man käme auch mit längeren Hitzeperioden zurecht? Dann könnten sie ja auf die Idee kommen, dass man sich auch mit dem Klimawandel arrangieren könnte.“ Dass man sich mit dem Klimawandel, dessen Existenz Fleischhauer hier nonchalant bestätigt, längst arrangieren muss, und dass dieses „Arrangement“ Menschen das Leben kostet, spielt im verbohrten Denken desjenigen, der an den Bequemlichkeiten des fossilen Zeitalters so lange wie möglich festhalten möchte, keine Rolle.
Auch die Reaktion auf die Nachricht, es seien allein im Juni 99 Menschen beim Baden ertrunken, ist ebenso nassforsch wie zynisch: „Zu Hause droht der Wärmekollaps, draußen der Hitzschlag und im Wasser der Badetod.“ Dass dieser die Folge einer rigorosen Sparpolitik sein könnte, die das Geld aus den öffentlichen Kassen in die Taschen derjenigen lenkte, die sich einen Fleischhauer als Sprachrohr leisten, dass also das Verschwinden der öffentlichen Bäder und die Kürzungen im schulischen Schwimmunterricht den Tod dieser Menschen begünstigt haben könnten, fällt ihm nicht ein. Immerhin hat er nicht den Bau eines Swimmingpools im Garten als das „probateste Mittel“ gegen den Tod im Badesee empfohlen.