Eine Erinnerung an meine Theatertage.
1. Szene: Hades, Zeberus
Hades: Zerberus, hast Du nichts zu tun? Du musst doch die Unterwelt bewachen und was machst du?
Zerberus: Ich werde wohl noch ein bisschen auf meinen Ipod spielen dürfen. Für was hast Du eigentlich ein Handy, Hades ? Kannst du mich nicht vorher anrufen, wann du deinen Kontrollgang machst ?
Hades: Das würde dir so passen ! Und jetzt setz dich an deinen Platz und sieh zu, dass die Menschenmassen, die heutzutage zu mir in die Unterwelt wollen, gut untergebracht werden.
Zerberus: Keine Zeit ! Charon kommt heute um 15 Uhr mit seiner Jacht hier an und dann gibt es eine tolle Party. Er hat mir versprochen, er bringt ein paar rassige Pudeldamen mit ….
Hades: Was ist denn das für eine Arbeitsmoral. Zurück, du arbeitest deine Schicht ab, wie es im Arbeitsvertrag steht. Punkt und basta.
Zerberus: Hades, wenn du so grantig bist, gehe ich zur Gewerkschaft, das sage ich dir.
Hades: Weil ich gerade da bin. Kannst Du mir zeigen, wie ein Handy funktioniert.
Zerberus: Hihihi, Hades du musst es andersrum halten. Dann wählst du eine Nummer und sprichst hier hinein. Dann musst Du nicht mehr so brüllen, dass alle Berge wackeln.
2. Szene: Charon und Zerberus
Charon: Servus Zerberus ! Na, hast Du heute schon „Candy Crush“ auf deinem Ipod gespielt ?
Zerberus: Ja natürlich und ich hatte über 100.000 Punkte. Das geht ja prima, seit unser alter Flipper den Geist aufgegeben hat.
Charon: Geh Zerbi, tu mir einen Gefallen. Ich habe heute einen gewissen Orpheus an Bord. Der spielt die ganze Zeit Saxophon und Schlagzeug. Das halte ich nicht mehr aus, bitte bring in ganz schnell in ein ganz tiefes Loch, dass man ihn nicht mehr hören kann. Sein Gesang mit der Lyra war so wunderschön, aber jetzt....
Zerberus: Okay - wird gemacht, und hier noch ein paar Ohrstöpsel.
Charon: Vielen Dank und du kommst heute auf die Singleparty auf meinem Schiff.
Zerberus: Hast Du auch die vielen Pudeldamen mitgebracht, die du mir versprochen hast.
Charon: Oje, Dyonisos grölt auch schon wieder die Heimatliederaus der Höllenbar ! Na da können wir uns ja auf etwas gefasst machen, wenn sich noch Orpheus mit seiner Lärmtüte dazugesellt.
3.Szene: Hades und Orpheus
Orpheus: Sei mir gegrüßt, Höllenmeister! Ich bin es Orpheus, ein begnadeter Musiker.
Hades: Begnadeter Musiker? Warst du das auf der Jacht von Charon? Du hast ein Höllenspektakel gemacht, dass mir fast das Trommelfell geplatzt wäre.
Orpheus: Hades, bei allem Respekt, aber bist du nicht ein bisschen altmodisch? Ich bin ein begnadeter Musiker, du hast ja keine Ahnung wieviel Klicks ich auf Youtube habe.
Hades: Du bist auf Youtube? Na der Hölle sei Dank, dass du keine Konzerte gibst.
Orpheus: Das kommt schon noch. Mein Manager hat nichts getaugt.
Der ist immer im kleinen Beisel in seiner Straße rumgehangen und hat Whisky gesoffen. Whisky ! Nicht einmal Metaxa oder Ouzo, was für eine Schande !
Hades: War das schon alles, Orpheus?
Orpheus: Der Grund meines Erscheinens ist meine liebe Gattin. Ein Schlangenbiss hat sie zu dir geführt. Aber ich liebe sie so sehr, ich möchte mit ihr noch ein paar Jährchen auf der Erde verbringen. Vielleicht nicht gerade in Griechenland, aber auf den Malediven würde es mir schon gefallen.
Hades: Ich werde mir die Sache überlegen. Aber ja keine Gedudel hier in der Unterwelt, sonst siehst du Eurydike nie wieder, verstanden.
Orpheus: Wenn es denn sein muss!
4. Szene (am Olymp): Hera und Zeus
Hera: Sag einmal, was machst Du denn hier schon wieder am PC?! Solltest du nicht besser in der Überwachungszentrale sein und dafür sorgen, dass in der Unterwelt von Griechenland alles in Ordnung ist ?
Zeus: Hera du störst. Ich muss das Mail noch fertigstellen.
Hera: Was für eine Mail ? Hast Du etwa auf Facebook wieder mit einer Frau angebandelt.
Zeus: Aber liebste Hera, wo denkst du hin!
Hera: Und was ist das? Du hast 230 Likes dieser üppigen Blondine aus Austrias next Topmodel geschickt. Du wirst es wohl nie lassen können. Ich weiß gar nicht, warum ich dir all die 4500 Jahr treu gewesen bin.
Zeus: Selber schuld, hihihi!
Hera: Eine Moral herrscht hier auf dem Olymp, das ist ja nicht auszuhalten. Abgesehen davon, verstehe ich nicht, was die jungen Dinger noch an dir finden.
Zeus: Geld macht die Musik (und den Sirtaki) und vor allem ein dickes Cabriolet.
Hera: Ja, ja, fahr nur wieder mit deinem Porsche und hinterher jammerst du wieder wochenlang über deinen Hexenschuss.
5. Szene: Hades und Athene
Hades: (brüllt in sein Handy, er kann noch immer nicht damit umgehen) Athene, hallo, hallo, hallo, kannst du mir helfen?
Bitte hilf mir, mein PC spinnt total.
Athene: Warum brüllst du den so? Kannst du noch immer nicht mit deinem Handy umgehen? Ich habe dich schon längst gehört. Was willst du denn?
Hades: Gott sei Dank bist du da. Du bist doch die Göttin der Weisheit, du kannst mir gewiss helfen. Schau einmal, mein PC sagt immer: Viele Busi, Trittleiter??
Athene: Hades, dein Englisch ist auch schon deutlich eingerostet: Das heißt: File is busy, try it later.
Hades: Ach so, und was soll ich jetzt machen?
Athene: Warten!
Hades: Du, Athene, du bist so schlau, kannst du mich noch bei einem anderen Problem unterstützen. Ich habe das Finanzamt am Hals.
Athene: Was, das kann es nicht geben, du hast ja bis jetzt noch immer deine Steuern rechtzeitig bezahlt.
Hades: Ja, das dachte ich auch. Ich habe dem Finanzamt ganz einfach meine Computerliste geschickt. Die haben mir dann einen ganz fürchterlichen Brief geschrieben. Da steht, dass ich ein Steuerbetrüger bin, wenn ich nur 67 Einwohner in der Unterwelt angebe.
Komisch ist das schon, denn Charon hat in den letzten Tagen gut 1000 Touristen angekarrt. Der letzte verrückte Trend in der Reisebranche: Alle wollen die Unterwelt sehen.
Athene: Das ist ja wirklich irre! So und jetzt sehe ich mir einmal den Belegungsplan der Hölle an. ….. Sehr schön, dass du mit Excel gearbeitet hast. Ich stelle fest, die Auslastung könnte höher sein.
Hades: Ja, das hat mir Zerberus beigebracht.
Athene: Dir ist nur ein klitzekleiner Fehler unterlaufen: Du hast die täglichen Zugänge nicht addiert sondern subtrahiert!
Hades: (kleinlaut) Mathe war schon immer mein Horrorfach in der Götterschule. Kein Vergleich zu meinen Lieblingsfächern: Tyrannei, Machtmissbrauch, Korruption, Betrug ….. da war ich so richtig gut.
Athene: Das färbt auf deine Buchhaltung ab! Ein Wunder, dass dir noch nicht die Staatsanwaltschaft auf die Schliche gekommen ist.
6. Szene: Odysseus und Eurydike
Eurydike: Da schau ich aber: Odysseus ! Was machst denn du hier? Hast du dich hier in die Unterwelt verirrt?
Odysseus: Das muss ich ja wohl! Sonst hätte ja Homer keinen Stoff für meine Irrfahrten gehabt.
Eurydike: Aber doch nicht hier in die Unterwelt. Davon hat Homer nichts geschrieben.
Odysseus: Hmm, bei den Sirenen war es auch viel schöner, die konnten so schön singen, wie AC/DC oder die Beatles, sogar die Lieder von Xavier Naidoo kannten sie.
Eurydike: Aber sag, mein lieber Odysseus, möchtest du nicht wieder heim zu deiner lieben Gattin, Penelope ?
Odysseus: Ja, schon, ich habe sie Jahre nicht mehr gesehen. Wie es ihr wohl ergangen ist. Ob sie wohl wieder geheiratet hat, weil sie vielleicht denkt, ich hätte Amerika entdeckt und ich käme nicht mehr zurück, aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Eurydike: Ja sag einmal Odysseus, hast Du denn kein Navi?
Odysseus: Doch, doch, ich hatte eines, als ich von Troja aufbrach. Allerdings habe ich es im Kampf mit dem Zyklopen als Waffe verwendet. Der Zyklop hat sich daran die Zähne ausgebissen, hihihi !
Eurydike: Sag, Odysseus, hast Du irgendwo auf deinen Reisen Orpheus gesehen. Ich vermisse ihn so sehr. Ich liebe meinen Mann und ich möchte unbedingt zu ihm zurück. Wir waren gerade dabei, eine Familie zu gründen, als mich diese blöde Schlange gebissen hat.
Odysseus: Bedaure! Seine elektrische Lyra ist ja nicht zu überhören, aber …
Eurydike: Odysseus! Lyra hat er in der Antike gespielt. Jetzt hat er ein Saxophon und ein Schlagzeug!
Odysseus: Jetzt wo du es sagst. Ja, ich habe auf dem Weg hierher so ein komisches Gekreische gehört. Kann es sein, dass er bereits hier in der Unterwelt ist und dich sucht?
Eurydike: Das wäre schön! Er sucht mich - wie sehr er mich doch liebt!
Odysseus: Ruf den Hermes an und schicke Orpheus eine Mail oder eine SMS. Er wird sie ihm in Windeseile überbringen. Wie ich ihn kenne, sitzt er zu dieser Zeit immer in der Höllenbar und wartet auf Aufträge.
7. Szene: In der Höllenbar
Eurydike, Hermes, Dionysos, Bacchus, Eros, Charon
Dionysos: (hält Bacchus an der Schulter - singt) Schnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort ….
Bacchus: Ceterum censeo alkolinem esse delendam: Es wird ein Hugo sein, und wir werd’n nimmer sein …..
Eros: Die Liebe, die Liebe ist eine Himmelsmacht ….
Barkeeper: Ruuuuuuuhe !! Hört doch endlich auf mit dem Gejohle!
Das ist ja nicht auszuhalten. Das hat man von einer griechisch-römischen Verbrüderung der Götter des Weines. Da steht die Welt nicht mehr lange.
Komm Eros, wirf doch eine Drachme, pardon, einen Euro, wenn du überhaupt einen hast, in die Musikbox!
Bacchus: Griechischer Wein ist so wie das Blut der Erde …. schenk nochmals ein, aber dalli dalli !
Eurydike: Guten Abend, allerseits ! Ich wusste gar nicht, dass es in der Hölle so lustig ist. Wie im wirklichen Leben, wie im Bermuda-Dreieck in Graz. Hallo, hallo, ist Hermes da ?
Hermes: Eurydike, meine Schöne, du siehst aber heute wieder schick aus, Donnerwetter. Was kann ich für dich tun, meine Teuerste?
Eurydike: Hermes, kannst du eine SMS an Orpheus schicken? Bin hier in der Höllenbar. Ild (ich liebe dich) - ly (love you) – hase (habe Sehnsucht) – komm bald – mfg – lol!
Hermes: Schon erledigt meine Guteste! Darf ich dich auf ein Glas Samos einladen, bis die Antwort kommt?
Eurydike: Ja sehr gerne. Hoffentlich schreibt Orpheus gleich zurück.
Hermes: (etwas atemlos ??) Die Antwort ist schon da, liebes Dickerl: bse (bin so einsam) - cu (see you) – asap (as soon as possible) – dein Orphi.
Charon: Mach schnell, Ouzo, ich brauche einen starken Drink !
Ouzo: Charon, was ist denn los mit dir, du bist ja ganz blass.
Charon: (trinkt einen kräftigen Schluck) Donnerwetter aber auch!
Jetzt gerade bei meiner letzten Überfahrt wäre ich beinahe mit Poseidon zusammengekracht.
Dyonisos: Hicks, was erzählst du da für Ammenmärchen? Hicks!
Wie willst du denn mit dem guten alten Doni zusammengekracht sein?
Charon: Dyonisos trinkt nicht so viel! Wenn du einmal nüchtern bist, schau auf Facebook. Poseidon hat dort sein neues U-Boot, die Yellow Submarine, gepostet. Ein toller Flitzer, sag ich dir!
Ich gönne ihm das scharfe Geschoss. In seinem Alter, da hat man schon einmal ordentlich Rheuma, da geht das Schwimmen und Tauchen dann doch nicht mehr so gut. Neulich habe ich ihn sogar auf der Harley Davidson von Aiolos, gesehen.
Wie man von der Sonne spricht, so geht sie auf, wer kommt denn da?
Aiolos: Huiiiii, huiiiiiiii, huiii, da bin ich Mädels! Aphrodite, na wie wäre es mit einer kleinen Ausfahrt zu den Apfelgärten in der Steiermark. Ich fürchte, du hast schon lange keine so guten Äpfel mehr verteilt.
Aphrodite: Was für ein Angebot! Gerne, mein Adonis! Wir könnten dann noch in eine kleine verträumte Buschenschank fahren. Hier in der Höllenbar ist es laut, es stinkt nach Rauch und die Hälfte der Götter trinkt einen über den Durst.
Aoilos: Huiii, huiiiiiiii, huiiiiii, auf zur Buschenschank! Aber den Helm musst du aufsetzen, verstanden. Da helfen keine Ausreden, dass nichts passieren wird und dass er dir deine prächtigen Locken ruiniert.
8. Szene: Ende gut, alles gut
Hades, Eurydike, Orpheus
Orpheus: Hades, lieber, lieber, großzügiger Fürst der Finsternis, bitte entlasse meine allerliebste Gattin aus deinen Fängen. Ich liebe sie so sehr, ich kann ohne sie nicht leben. Wenn du sie zurück auf die Erde lässt, verspreche ich dir, dass ich mit meinem Saxophon eine Musikschule besuche. Kaum spiele ich was, geht es mir wie Troubadix in Gallien.
Eurydike: Ja, lieber Hades, bitte lass mich zurück zu meinem Mann.
Wir wollten doch gerade eine Familie gründen. Wir wünschen uns eine Fußballmannschaft voller Halbgötter und Nymphen.
Hades: Keinesfalls! Eurydike, schon alleine deine doch sehr gewagte Kleidung lässt vermuten, dass du keine gute und treue Ehefrau bist. Wahrscheinlich hat dich auch deswegen die Schlange gebissen, weil du dich nach anderen Männern umgesehen hast. Du musst noch eine Weile hierbleiben. Sagen wir in ein oder zwei Jahren kann Orpheus wiederkommen, wenn du meine Bewährungsauflagen erfüllt hast.
Orpheus: Das ist nicht fair! Das ist nicht gerecht, ich gehe in Berufung, das sage ich dir gleich! Ich kenne Dike gut, die Göttin des Rechts, sie wird mich vor dem Höchstgericht vertreten!
Hades: Mich kannst du mit Dike nicht beeindrucken. Sie hat schon einige ihrer Klienten hier in die Unterwelt gebracht.
Die Berufung: Sie spielt selbstverständlich am Olymp und der Göttervater himself ist der Richter, nebst zahlreichen Geschworenen
9. Szene: Die Berufung
Zeus, Dike, Orpheus und Eurydike
Zeus: Dike, was ist dein Begehr?
Dike: Hohes Gericht! Welche Ehre hier auftreten zu dürfen um hier aus deinem göttlichen Mund Gerechtigkeit zu erfahren.
Ihr, der Herr der Götterwelt und der ganzen Menschheit!
Zeus: Komm zur Sache Dike - oder wie man in Rom zu sagen pflegt: „In medias res“ - wenn ich bitten darf.
Dike: Hades hat Eurydike nicht aus der Unterwelt entlassen, was gegen zahllose Paragrafen deiner göttlichen Ordnung verstößt.
Zeus: Orpheus, was ist dein Begehren?
Orpheus: Ich liebe meine Frau und ich will sie wieder zurück auf Erden haben und dort mit ihr glücklich sein.
Zeus: Hört, hört, du liebst also nur die eine Frau?
Orpheus: Ja doch, edler Göttervater!
Zeus: Und wie steht es mit dir Eurydike? Liebst du diesen Mann, diesen Radaubruder, dessen Schlagzeug man hier bis in den Olymp hört.
Eurydike: Ja, mein Göttervater, ich liebe ihn, auch wenn es mir lieber wäre, er würde wieder auf seiner Lyra spielen und dazu singen.
Zeus: Götter können alles, besser gesagt vieles, aber gegen die wahre Liebe können auch sie nichts ausrichten.
Wenn ihr einander wirklich liebt, so geht zurück zur Erde und lebet hier noch ein langes, glückliches und zufriedenes Eheleben.