Heimopfergesetz: Der Missbrauch geht weiter!

Was soll ich euch über mein Leben erzählen? Es war nicht einfach, meine Kindheit war das, was sich viele erst gar nicht vorstellen wollen. Ich war ein Heimkind. Eines dieser berüchtigten Heimkinder, die viel Gewalt erfahren haben - und deshalb als "schwer erziehbar" eingestuft wurden. Geboren kurz nach dem Krieg, danach zu Pflegeeltern abgeschoben, danach wieder ins Heim geschickt. Dreimal wurde mein Nachname gewechselt. Der Name meines Vaters wurde mir erst nach meiner Anfrage und Volljährigkeit (!) mitgeteilt. Zuerst wusste man angeblich nichts, dann doch wieder, dann war es aber ein ganz anderer, hieß es per Gericht.

Ich absolvierte 5 Klassen Hauptschule im Heim Hohe Warte in Österreich, mit Stempel "Sonderschule", ab dem 6 Lebensjahr hatten ich keinen Kontakt mehr zum anderen Geschlecht – dies mutet man heutzutage keinem Zootier mehr zu. Es war wahrlich eine miese Schulung fürs Leben!

Danach machte ich eine Lehre, die ich eigentlich gar nicht wollte, aber gut, so war das damals halt. Es war eine harte Zeit, was soll ich dazu schreiben? Soll ich euch von den vielen Schlägen und Misshandlungen berichten? Es ist nichts für schwache Nerven. In den - spärlich ausgehändigten - Jugendheimakten wurde ich gar des Mordversuchs am Halbbruder bezichtigt (jetzt per eidesstattlicher erklärung vom Halbbruder natürlich zurückgewiesen). Man tat dort alles, um uns Kinder zu erniedrigen und zu zerstören. Es waren Sadisten am Werk. Kinder sind wehrlos. Kinder, die alleine sind, ohne Eltern und Verwandtschaft, sind besonders wehrlos. Kinderschänder haben ein leichtes Spiel, an diese Kinder heranzukommen und sie nach Belieben zu quälen.

Die Jugendamtsakten wurden mir übrigens nur zu 10 % ausgehändigt – Rest verweigert – obwohl es doch ein Gesetz zur aushändigung gibt. Aber was kümmern den Staat schon die eigenen Gesetze? Nach dem Lehrabschluss/Lehrlingsheim wurde ich auf die Strasse gestellt - Untermietzimmer mit Gasseneingang bis zum Bundesheer. Ich war dann vier Jahre im Bundesheer und heiratete, ich ließ mich scheiden, heiratete wieder, wurde Vater, ließ mich neuerlich scheiden. Seit 40 Jahren bin ich nun in dritter Ehe. Ich bin glücklich, dann doch noch so eine verständnisvolle, wunderbare Frau gefunden zu haben. Meine Frau und ich haben dann ein Unternehmen übernommen und kamen gut über die Runden.

Ihr wollt wissen, ob ich meine Vergangenheit gut verarbeitet habe? Im Vergleich zu vielen anderen, die daran zerbrochen sind: JA! Mir wurde dabei auch von wahren Menschen - ausserhalb des staatlichen Machtapparats - geholfen. Wiedergutmachung oder doch keine? KEINE! Wiens Noch-Bürgermeister Michael Häupl startete einen "Wiedergutmachungsversuch nach Kinderheimfolter", zur Durchführung an den "Weissen Ring" delegiert. Und hier begann neuerlich die Folter der damals schwer misshandelten Kinder. Der "Weisse Ring" forderte von den ehemaligen Opfern: die 40 bis 60 Jahre zurückliegenden Heimqualen, Vergewaltigungen sollen ins Gedächtnis für ein "Clearing" zurückgeholt und brühwarm – meiner Meinung nach pervers – dem "Weissen Ring" zur Beurteilung vorgelegt werden - dass der dann 0 - 20.000 € zu oder nicht zuspricht. (schnell wieder von Wiens früherer Stadträtin Wehsely - die, die zu Siemens abgewanderte - abgedreht). Jedes dieser so genannten "Clearing"-Gespräche - zu dem jeder Anspruchsberechtigte vom "Weissen Ring" gezwungen worden ist, ist, wenn nicht vom Betroffenen selbst gefordert, Zwangsfolter mit vorsätzlicher schwerer Körperverletzung durch Retraumatisierung. Letztendlich: Keine Antwort auf diese Vorwürfe vom "Weissen Ring" - ist ja "nur" ein Verein - raffiniert ausgedacht vom Bürgermeister Häupl - dessen Radiointerview-Aussage "ich wusste seit 40 Jahren davon" sagt wohl genug über seinen Charakter aus - was tat er nur 40 Jahre lang ? 40 Jahre Rentenklau !

Wir haben aufgrund unserer schrecklichen Erlebnisse die selben Ansprüche wie Menschen mit bestimmten Behinderungen. Von den fast 100.000 Kindern, die im Heim waren und Schreckliches erlebten, haben nur wenige

Tausende eine finanzielle Wiedergutmachung bekommen. Ist das Gerechtigkeit? Jetzt also als (einstweilen) letztes Kapitel der Staatsdemütigungen: das "HOG" (Heimopfergesetz) - das bisherige Regressforderungsmöglichkeiten vereitelt und gleichzeitig 40 jahre Pensionsansprüche stiehlt ! Jede Invalidenpension gilt ab Unfalltag - den Heimkindern wird nach Folterverbrechen des Staates in den 40 bis 60 Jahre zurückliegenden Jugendjahren zuerst einmal 40 Jahre Sühnezahlung verweigert - erst nach erreichen des Pensionsalters 10,- € pro tag gewährt (oder oft genug auch nicht) - und wenn, dann nach neuerlicher Traumatisierungsfolter - wie beim "Weissen Ring". Zwischendurch: Anfragen an den "Weissen Ring", Volksanwaltschaft werden meist nicht beantwortet - nach dem prinzip von Oskar Helmer (im parlament betreff judenentschädigungen gesagt): "Ich wäre dafür, dass man die Sache in die Länge zieht" - das heisst: wir sollen eher ins Gras beißen als die "Heimopferrente" zu bekommen - was mehrheitlich auch getan wird.

Wir haben es jetzt - wie SPÖ-Politikerin Doris Bures im Parlament sagte, mit der "im Nachkriegsösterreich fortwährenden NS Ideologie" zu tun. Obwohl man weiß, dass wir Kinder Opfer der NS-Ideologie waren, wurde mit einem Federstrich an uns "40 Jahre Rentenklau" einstimmig beschlossen. Wie kann das sein? Dass der Volksanwalt solch ein Ungleichheitsgesetz nicht beeinsprucht, sondern exekutiert - lässt das Fass des Unrechts übergehen - und den Volksanwalt selbst in schlechtem Licht dastehen. 70 jahre staatliche und kirchliche Kinderheimverbrechen an 100.000 kindern (alles archivaufliegend) werden nicht geahndet - sondern mit 10,- € Heimopfer-Tagesrente an 60 jahre alt geworden sein müssende überlebende, die dazu fähig sind, sich nochmals traumatisieren zu lassen (nicht einmal 1.000 bis jetzt), schuldeingestehend gegeben.

billiger kann sich der staat nicht von seiner schuld freikaufen wollen - das ist das staatsverbrechen.

für haider's taten waren schnell mal 20 Mrd flüssig - für das grösste staatsverbrechen der 2.ten republik (zitat: hans weiss, tatort kinderheim) versucht man sich mit nichteinmal einem promille freizukaufen - und gleichzeitig die durchwegs staatsgetragenen verbrechen (MA 11, etc.) der weiteren nachahmung vorzusetzen : die unangemeldete Volksanwalt-Nachschau in Kinderheimen vor einem Monat bestätigte die weiterführung. Besonders betroffen macht mich die Tatsache, dass Donnerstag den 11.1. die Volksanwaltschaft zu einer Pressekonferenz bezüglich des Heimopfergesetzes einlädt. Und wir Opfer sind nicht eingeladen wurden. Wir staatlichen Heimopfer durften "aus der Presse" sprachfetzen der über unsere köpfe eingeleiteten massnahmen erfahren - und wissen nichteinmal ob sie den tatsachen entsprechen. Das ist ein Skandal. Bei den Holocaust-Opfern würde man sich solches Vorgehen nicht trauen. Der Missbrauch geht weiter und wird vom Land Österreich gedeckt - Doris Bures hat recht : "die im Nachkriegsösterreich nachwirkende NS-Ideologie".

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