Hallo Niedertracht ­– Ein offener Brief an die Identitären

First things first: Euer Name ist doof. Identitäre? Was soll denn das bedeuten? Das klingt so bescheuert, dass es nicht einmal als Bandname für eine stumpfe Nazirock-Band taugt. Viel zu undeutsch! Nicht, dass mir das was ausmachen würde. Aber Ihr seid ja so versessen auf die rassische Reinheit. Und dann schafft Ihr es nicht einmal, Eurem Stechschritt-Kindergarten einen anständigen deutschen Namen zu geben? Übrigens: „First things first" heißt auf Deutsch so viel wie „Das wichtigste zuerst". Ich sag's nur dazu, weil Ihr Euch mit Fremdsprachen  ein bisschen schwer tut. Das weiß ich, seit ich Euer „englisches" Flugblatt gelesen habe, das Ihr vor dem Flüchtlingslager in Traiskirchen verteilt habt. Das war nämlich nicht nur inhaltlich, sondern auch orthographisch und grammatikalisch under every pig, um mal auf Eurem Sprachniveau zu bleiben.

Aber Shakespeare-Niveau darf man sich von einem Haufen junger Lebensverlierer wohl nicht erwarten. Da Euch der Name sicherlich kein Begriff ist, helfe ich Euch. William Shakespeare war ein englischer Dichter aus Stratford-upon-Avon. Vielleicht solltet Ihr mal was von ihm lesen. Aber Vorsicht: Im Unterschied zu Eurem Lieblingsautor, hat er mehr als ein Buch geschrieben. Und keines davon in Festungshaft.

Zurück zu Eurer armseligen Aktion. Aggressive Drohworte ins Deppen-Englisch übertragen, auf Schmierzetteln drucken und damit Flüchtlinge belästigen? Gratuliere zu so viel völkischer Niedertracht. Oder habt Ihr Euch nur dumm gestellt? Lautete eure strategische Überlegung etwa so: Wenn gebildete Flüchtlinge erst drauf kommen, wie bildungsfern die autochthone Bevölkerung in Österreich ist, werden sie vor Schreck sicher wieder abreisen.

Wie auch immer: Fest steht, dass in Euren Biografien wohl einiges schief gelaufen sein muss. Denn anders ist so viel intelligenzbefreite Bösartigkeit kaum zu erklären. Oder um eine deutschsprachige Band zu zitieren, die Ihr sicher nicht mögt: Was hat dich bloß so ruiniert?

Keine Angst, ich erwarte mir darauf keine Antwort. Weil es mir auch egal ist. Fest steht: Wer sein Weltbild aus Hass zimmert, ist ein armer Tropf. Der hat's mit sich selbst eh am schwersten. Und wie verloren Ihr seid, zeigt schon Eure Website. Im Hauptmenü gibt es tatsächlich den unfreiwillig komischen Punkt „Was passiert mit uns?" Schöner hätte ich Euer Problem auch nicht in Worte kleiden können.

Eigentlich sollte man Euch zurück in die Schule schicken. Oder zumindest in den Arm nehmen und trösten. Aber ganz ehrlich – mir ekelt vor Euch. Denn Ihr seid mir einfach zu identitär. Oder anders formuliert: Wer eine braune Version von Fähnlein Fieselschweif ins Leben ruft, um damit gegen die Allerschwächsten feige Stimmung zu machen, verdient kein Mitleid. Sondern nur Verachtung.

Meine könnt Ihr haben.

In Abscheu verbleibe ich,

Wolfgang Zechner

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franzjosef

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G. Szekatsch

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fischundfleisch

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