Alte Kader, neue Ämter: Das Oktoberfestattentat im Dunstkreis von Ulrich Siegmund

Der historische und personelle Bogen vom rechtsterroristischen Attentäter Gundolf Köhler bis hin zum heutigen Umfeld des Politikers Ulrich Siegmund offenbart eine tiefe und besorgniserregende Kontinuität im deutschen Rechtsextremismus. Gundolf Köhler, der 1980 das verheerende Oktoberfestattentat in München verübte, war im neonazistischen Milieu der Wiking-Jugend sozialisiert worden. Diese paramilitärisch ausgerichtete Organisation, die stark an die Strukturen der Hitlerjugend anknüpfte, wurde schließlich 1994 vom Bundesinnenministerium verboten.

Als direkte Nachfolgeorganisation etablierte sich kurz darauf die Heimattreue Deutsche Jugend, kurz HDJ. Sie übernahm das völkische Gedankengut, die Symbole sowie weite Teile des Personals der verbotenen Wiking-Jugend und führte die konspirative Jugendarbeit im Sinne des nationalsozialistischen Geistes fort, bis auch sie im Jahr 2009 verboten wurde.

Obwohl der AfD-Politiker Ulrich Siegmund selbst nicht Mitglied der HDJ war, zeigt ein Blick auf seinen engsten beruflichen und persönlichen Zirkel eine deutliche personelle Schnittmenge mit diesen verbotenen Strukturen. Recherchen belegen, dass hochrangige ehemalige Kader, darunter ein ehemaliger Bundesführer der HDJ, heute als enge Vertraute, Anwälte oder Referenten in seinem direkten parlamentarischen Umfeld agieren. Damit schließt sich über Jahrzehnte hinweg ein ideologischer und organisatorischer Kreis: Die Protagonisten und Nachfolger völkischer Jugendbünde wirken heute unmittelbar in der professionellen Politik mit, womit die historische Kette von den alten Kadern bis in moderne parlamentarische Netzwerke geschlossen bleibt.

In den Recherchen und Berichten (u. a. von Welt, Spiegel und Focus) über das enge Umfeld des AfD-Politikers Ulrich Siegmund werden konkret folgende Personen genannt, die eine Vergangenheit in der verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) haben und heute in seinem Dunstkreis oder seiner Fraktion agieren:

* Laurens Nothdurft: Er war ein ehemaliger ranghoher Funktionär (zweiter „Bundesführer“ bzw. Vorsitzender) der HDJ. Er ist als Jurist/Anwalt im direkten Umfeld von Siegmund aktiv (wird u. a. als Vertrauter genannt und war im Landtag präsent).

* Felix W. (Bruder von Laurens Nothdurft): War ebenfalls von 1999 bis 2004 Mitglied der HDJ. Er arbeitet als Referent für Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien und Kultur in Ulrich Siegmunds AfD-Landtagsfraktion.

* Patrick Harr: Wird ebenfalls in Berichten über den Kreis um Siegmund und frühere HDJ-Bezüge genannt; er ist als Pressesprecher der Landespartei und Fraktionsgeschäftsführer im Landtag tätig.

Ulrich Siegmund selbst hat diese Personalien und Vergangenheiten verteidigt und angegeben, die Betroffenen würden „hervorragende Arbeit“ leisten.

Die Verbindung schließt sich hier über die familiäre und organisatorische Kontinuität: Die Generation der Eltern war noch in der Wiking-Jugend aktiv, während die Söhne (wie die Nothdurft-Brüder) nahtlos in der HDJ-Führung standen und heute in der Politik agieren.

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