Tragetuch oder Kinderwagen? Kinderwagen natürlich. Das ist die zivilisierte Lösung, Tragetücher sind für die Wilden.

Insekten essen? Das tun auch nur die Wilden!

Das Tragetuch ist zwar praktischer als der Kinderwagen, günstiger und deutlich besser für das Kind (sofern richtig angewandt) aber der Umstand dass man in einer Dokumentation eine barbusige Afroafrikanerin mit Tragetuch gesehen hat stößt den Zivilisierten natürlich ab.

Insekten essen? Also wirklich. Das tun die Bloßfüßigen in Australien, wir hier essen Kühe, Nein. Das tun auch nur Halbwilde! Protein aus der Fabrik! Das ist zivilisiert.

Es ist unbedeutend dass Insekten Zucht signifikant besser für die Umwelt wären und scheinbar auch noch gesünder sind.

Der Zivilisierte leht ab was der Wilde macht nicht weil sein Weg überlegen ist sondern weil er den Weg des Wilden für unterlegen hält. Man liest teure Zeitung, geht in Kurse die einem große Worte lehren. Der Inhalt muss nicht viel geistigen Lehrwert liefern, Hauptsache es wirkt zivilisiert.

Man kleidet sich zivilisiert und zeigt jedem dass man keiner der Wilden ist. Zu gutem Schluss muss man dann noch einen Lifestyle wählen der nicht wild ist. Man blickt also wieder nach unten, identifiziert die nächstgelegenen Wilden und tut das Gegenteil was dieser tut.

In unserem Fall sind die Wilden eben die Menschen die arbeiten gehen statt Genderstudies zu studieren. Man rümpft die Nase und fordert dass diese Leute endlich etwas mehr Verantwortung für die armen Menschen übernehmen die Kinderwägen zusammenbauen und in Proteinfabriken schuften, schließlich hätten wir alle eine Verantwortung anderen Menschen gegenüber, das beinhaltet natürlich nicht zuletzt Genderstudyabsolventen einen bequemen Beamtenjob zu verschaffen. Frei von Stress und toxischer Maskulinität (vulgo: „Arbeitsalltag“).

Das ist ja nur für die Wilden.

Die lokalen Wilden (vulgo: „Arbeiter“) sind darüber natürlich unglücklich und fordern das Wildeste überhaupt: dass jeder sich um seinen eigenen Mist kümmern möge.

Das aber ist was der nackte Afroafrikaner tut. Er kümmert sich um seine Familie und hilft nicht jedem dahergelaufenen, er hilft seinen Freunden und seiner Familie. Wer ihn schlecht behandelt, bekommt keine Hilfe. Damit zwingt er Menschen dazu sich so positiv wie nur irgendwie möglich zu verhalten oder wenigstens so wahrgenommen zu werden.

Fürchterlich. Unzivilisiert.

Der Ziviliserte möchte nicht so leben. Er möchte eine starke Führung haben die ihm nicht einmal sagt was er zu tun hat. Er begnügt sich damit dass die Führung einfach den Großteil seiner erwirtschafteten Ressourcen irgendwie zwischen Armen, Banken und Rüstungskonzernen verteilt.

Der Führer weiß schon was er tut.

Wem das hilft ist unerheblich, auch ob es für einen selber oder die nächste Generation nützlich ist ist völlig gleichgültig.

Wichtig ist es klar zu zeigen dass man nicht zu den Wilden gehört deren einziger Fokus auf der profanen, wilden unzivilisierten Realität liegt.

Nur dieses Gefühl von moralischer Überlegenheit macht den Zivilisierten am Ende des Tages glücklich.

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Schlauberger

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Zauberloewin

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