Emergenz beschreibt Dinge die aus anderen „herauskommen“. Im Falle der Philosophie sind das oft fundamentale Überzeugungen die komplexere Dinge begründen und unumgänglich machen. Jemand der an Gott glaubt, glaubt nicht unabhängig von Gott an die Schöpfung der Welt durch besagte Gottheit, dieser Glaube kommt aus dem Glauben zu Gott.

Hört er auf an Gott zu glauben muss er nicht gesondert aufhören an die Schöpfung zu glauben. Verschwindet das Fundament, verschwindet was darauf errichtet ist.

Um Menschen zu verstehen muss man diese fundamentalen Überzeugungen verstehen und um sich selber zu verstehen muss man die eigenen fundamentalen Überzeugungen noch eine Spur besser verstehen.

Die fundamentale Überzeugung, dass alle Menschen harmonisch miteinander leben könnten, wenn sie nur alle am gleichen Strang ziehen würden, wirkt wie ein solides Fundament auf dem alle kollektivistischen Systeme basieren. Ich behaupte aber dass diese Überzeugung nicht das Fundament ist sondern selber emergent aus einer anderen, tiefer liegenden Überzeugung entsteht und diese Überzeugung ist, so vermute ich, dass die meisten Mitmenschen einem an Leder wollen.

Die Überzeugung dass die Welt und insbesondere unsere Mitmenschen, mit sehr wenigen Ausnahmen, gefährlich sind und man niemandem trauen kann, insbesondere Menschen die ein wenig zu viel Ambition und zu wenig Empathie und Moral in sich tragen, eine existenzielle Gefahr darstellen führt, im positivsten Fall, zu den oben beschriebenen Ideologien.

Die Idee dahinter ist: "Wenn man die Menschen führen würde und individuelle Ambitionen abtrainieren würde, denn dann würden die Ambitionierten ihre Energie nicht mehr nutzen um andere übers Ohr zu hauen sondern zum Wohle der Gruppe nutzen".

All das klingt vernünftig.

Und eventuell ist es richtig.

Es steht aber im Widerspruch zu meiner eigenen Kernüberzeugung.

Meine Überzeugung ist, dass um uns vor den Menschen in unserer Umgebung zu schützen andere Menschen aus unserer Gruppe mit Sonderrechten auszustatten, nicht funktionieren kann, solange wir nicht mit absoluter Sicherheit sagen können, dass diese Menschen nicht genau die gleichen Menschen sind vor denen sie uns beschützen sollen. Was nicht möglich ist.

Aus dieser Idee entstammt die Überzeugung, dass eine solch problematische Person im Kapitalismus versuchen werden ein CEO zu werden und in einem autoritären Regime ein Funktionär. Menschen die nach Macht streben, so meine Überzeugung, streben in jedem System nach Macht und in 90% der Fälle tun sie das nicht um ihre Macht zu nutzen um die Welt zu verbessern, sondern eher um die eigene Situation zu verbessern.

Aus dieser fundamentalen Idee entstammt auch die Überzeugung, dass es nicht möglich ist „die Richtigen“ über uns zu erheben, weil „die Falschen“ ausgezeichnete Blender sind. Praktisch alle autoritären Führer in der Geschichte waren solche „Falschen“ und werden es auch immer sein, weil sie über die Leichen der „Richtigen“ marschieren. Das ist nicht zu ändern, egal wie sehr man sich wünscht dass es ginge. Die "Falschen" sind einfach besser darin unfair zu spielen und wer unfair spielt, gewinnt eben, vor allem wenn die Zuseher nicht genau zusehen.

Um es einfacher auszudrücken: Der Kollektivist hat also eine fundamentale Angst vor seinen Mitmenschen, ich eine fundamentale Angst vor der Führung.

Wenn wir also als Gesellschaft die traurige Tendenz haben „die Falschen“ über uns zu erheben, bedeutet es dass wir diese selbstzerstörerische Tendenz minimieren können indem wir so wenigen Menschen wie nur irgendwie möglich Sonderrechte und Sonderstatus geben. Im Idealfall leben alle nach den gleichen Regeln, haben die gleiche Chance und im absoluten Utopia sogar die gleiche Ausgangsposition.

Manche werden ihre Chance nutzen, manche vergeuden und andere werden tatsächlich versuchen uns reinzulegen. Aber wenn der Bösewicht keine Sonderrechte haben, haben wir wenigstens eine Chance uns dagegen zu wehren.

Wenn ich auf der Straße entlanggehe sehe ich aber eben nicht eine Horde von Menschen die mich abschlachten würden wenn sie die Autorität nicht im Zaum halten würde. Ich sehe Menschen die versuchen ein gutes Leben zu leben, mit ein paar Psychopathen daruntergemischt und ich vermute diese Monster nicht im Zug neben mir sitzend, sondern auf der Rückbank eines dicken Autos das mit Steuergeld oder Subventionen bezahlt wurde.

Wie siehst du es, Freund?

Wie viele Menschen wollen dir ans Leder und wie viele sind gut?

Und tut dir dein Weltbild gut, oder macht es dich vorsichtiger, paranoider und ängstlicher als du sein müsstest?

Sind Menschen nicht eventuell besser als du glaubst und sind nicht eventuell die Führer und Autoritäten schlechter als sie sein sollten?

Ist es nicht eventuell Zeit das Fundament zu überdenken?

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