Dreh und Angelpunkt jeder sozialistischen Argumentation ist die Frage „Aber wäre es nicht schön, wenn“ gefolgt von irgendetwas das eine breite Mehrheit befürworten würde.

So etwa „nie wieder Krieg“ „Nie wieder Hunger“ „Nie wieder Not“ „Nie wieder Krankheit“ „Wohlstand für alle“ und so weiter.

Jede Gegenargumentation gegen sozialistische Ideen werden ebenfalls auf dieses Dogma zurückgeführt: „Wie kann man nur gegen (zB.) Gerechtigkeit und für (zB.)Armut sein?

Hierbei wird schlicht davon ausgegangen dass die eigenen Vorschläge zwangsläufig und zweifelsohne zu der erwarteten Situation führen. Ist etwa die Gegenseite gegen die Verstaatlichung der Industrie, dann ist diese Gegenseite automatisch gegen gerechte Verteilung, denn Verstaatlichung würde zu gerechter Verteilung führen, so der Sozialist. Die Option dass das was man tut nicht zu dem führt was man bezwecken will, wird verworfen.

Hieraus ist auch abzuleiten warum für den Sozialisten „echter Sozialismus“ noch nie probiert wurde. Echter Sozialismus würde zu den Dingen führen die der Sozialist haben möchte. Wenn etwas nicht zu diesen Resultaten führt dann ist das kein „echter Sozialismus“ sondern etwas anderes. Üblicherweise wird argumentiert dass der Begriff einfach nur „benutzt“ wurde um einfältige Menschen dazu zu bringen sich hinter das System zu stellen, tatsächlich handelt es sich aber bei diesen Systemen von Anfang an um einen Betrug.

Weder Lenin noch Mao waren, dieser Logik nach, Sozialisten die sozialistische Ideen schätzen und umsetzen wollten sondern sie waren immer nur Blender.

Sehr im Gegensatz zum rezenten Sozialisten der puren Herzens das sozialistische Utopia einführen würde, wenn man ihm nur die Chance geben würde. Der Sozialist ist der festen Überzeugung, dass wäre er an der Stelle von Lenin, Mao, Stalin, Ngouabi oder Castro gestanden, er den Marxismus perfekt umgesetzt hätte.

Die Welt hätte dann gesehen dass der Kommunismus eine wunderbare Sache wäre, die funktionieren kann wenn die Führung es nur wirklich will und reinen Herzens wäre.

Kern dieser Vorstellung ist die Idee dass der Wille Berge versetzt und alles umsetzbar ist wenn man es nur will, sprich alle Dinge die in der Welt schlecht existieren nur weil irgendjemand sie haben möchte. Würde etwa niemand mehr wollen dass auf der Welt Menschen verhungern, würden keine Menschen mehr verhungern müssen. Ergo: gibt es diese bösen Leute und die müssen weg.

Das Problem ist aber dass die Welt nicht so funktioniert.

Wenn ich postuliere dass es gut für alle wäre wenn ich aus einem A4 Blatt Papier ein Auto schaffen würde, das ohne Kraftstoff bis zu 4 Personen transportieren könnte, wäre das eine feine Sache für die Menschheit und gute 98% würden so ein Projekt gut finden.

Selbst wenn ich die Automobilhersteller an Bord bekomme und die Zahl auf 100% erhöhen würde ändert das nichts an dem Umstand dass man aus einem A4 Papier eben kein Auto herstellen kann, ganz abgesehen von dem Umstand dass es ohne irgendeinen Energieinput nicht bewegen würde selbst wenn ich es schaffen würde es zu bauen.

Egal wie gut die Idee klingt, egal wie viele Menschen die Umsetzung gut finden würden und egal wie viele Gesetze wir zu dem Thema erlassen, egal wie viele Förderungen man in die Richtung investiert und egal wie viele Menschen man in „Autobau aus einem A4 Blatt“ ausbildet, es wird nichts daran ändern dass die Sache nicht umsetzbar ist.

Jedenfalls im Moment.

In dem Moment indem es möglich ist dieses Ding zu bauen, wird es gebaut, weil es eine Nachfrage noch sowas vermutlich geben wird. Ohne einen Durchbruch in nichteuklidischer Geometrie wird das aber nicht gehen und zu sagen „na dann müssen wir eben nicht euklidische Geometrie erfinden“ ist in etwa so wie die zeitgeistige Forderung nach vollständiger Automatisierung von absolut allem: nicht so einfach wie es klingt.

Es ist nicht so dass man als Kritiker des A4 Autos nicht gern so ein Ding haben möchte. Es geht darum aufzuzeigen warum es nicht umsetzbar ist und dass es idiotisch ist die real existierenden und tatsächlich funktionierenden Transportmittel zu verwerfen nur weil man diese Alternative als überlegen betrachtet.

Gäbe es das Ding, wäre es überlegen.

Das steht außer Frage, genau wie es außer Frage steht dass eine Welt in der „jeder macht was er kann und nur nimmt was er braucht“ ein Utopia darstellen würde. Keiner bestreitet das.

Fakt ist dass der Mensch aber so nicht ist. Er verhält sich so nicht und absolut keine Methode das zu ändern jemals funktioniert hat. Wir sind eben keine Arbeiterameisen.

Das Problem warum es so unendlich schwierig ist mit Sozialisten zu debattieren ist zum einen deren völlige Unfähigkeit zu verstehen dass ihr Plan nicht aufgehen könnte und niemals aufging.

Gepaart mit der Fähigkeit der Gegenseite sehr wohl zuzugestehen dass die eigenen Methoden zwar funktionieren aber nicht perfekt sind, lässt das hypothetische Utopia noch mehr erstrahlen: denn dieses perfekte Utopia stellt eben eine Verbesserung gegenüber einer imperfekten jetzt-gerade-existierenden Welt dar. Die Umsetzung ist für den Sozialisten nur eine Frage des wollens.

In dem Moment in dem der Sozialist einsieht dass man ein Ziel verfehlen kann, dass nicht jeder Plan aufgeht und manche Dinge existieren die keiner mag, ist meistens der Moment eines düsteren Erwachens. An diesem Tag endet die jugendliche selbstgefällige Überheblichkeit und es dämmert die Erkenntnis dass die Welt eben nicht perfekt ist, nie perfekt war und niemals perfekt sein wird.

Nicht weil wir das nicht wollen, sondern weil uns die Natur eben ständig einen Strich durch die Rechnung macht.

Wer sagt die Natur könne überwunden werden ist ein Lügner.

Sich von der Utopie des Sozialismus zu lösen ist für viele einer der letzten Schritte aus der Jugend hinein ins Erwachsenwerden. Einen Schritt den viele bis an ihr Lebensende, zum Teil in hohem Alter, niemals vollzogen haben und die ihn hinter sich gelassen haben haben das nicht mit einem Lächeln getan.

https://wol.jw.org/ https://wol.jw.org/kek/wol/d/r157/lp-gk/202016450

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