Ösi-Präsi schützt Ösi-Literaten nicht vor Attacken des Diktatürks

Zuletzt hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan Handke als „rassistische Person“ bezeichnet und bei einer Veranstaltung in Ankara nachgelegt: „So einen Mörder auszuzeichnen heißt, mit der Gräueltat gemeinsame Sache zu machen.“

Wenn ein Bürger unseres Landes von einem miesen Diktator, der politische Gegner verfolgen lässt, diffamiert wird, wäre es wohl angebracht, dass sich unser Staatsoberhaupt schützend vor den attackierten Autor stellt.

Während sich Van der Bellen für abgelehnte Asylwerber gegen den eigenen Rechtsstaat einsetzt, sind ihm eigene Bürger, die von einem fremden rechtlosen Regime attackiert werden, offenbar egal.

Wäre hingegen die Nobelpreisgewinnerin Jelinek vom amerikanischen Präsidenten (zu Recht) als Kommunistin kritisiert worden, wäre Sir Van der Bellen hingegen garantiert zur Stelle gewesen, um galant ihre Ehre gegen den Schurken Trump zu verteidigen. Vermutlich hätte er uns wie bei seinem berühmten Kopftuchsager empfohlen, dass wir aus Solidarität alle rote Halstücher tragen sollten.

Handke hatte zum Balkankrieg eine Gegenposition zum Mainstream eingenommen, welcher damals die Serben als blutrünstige Schlächter verteufelte. Manchmal ist eine Sache so falsch, dass nicht einmal ihr Gegenteil richtig ist. Und so mag Handke im Eifer der Sache teilweise zu einer ebenfalls unangebrachten Idealisierung und Fetischisierung der Serben geneigt haben.

Die Serben waren im Balkankrieg bestimmt keine Heiligen und hatten nach dem Zerfall Jugoslawiens, der durch die vorschnelle Anerkennungspolitik Österreichs und Deutschlands begünstigt worden war, brutal um umstrittene Gebiete gekämpft, die sie als Teile Serbiens betrachteten.

Würde die Türkei zerfallen und die Kurden in Ost-Anatolien von Russland, Griechenland und Syrien als eigener Staat anerkannt werden, wie es Serbien z.B. mit den Kosovaren passiert war, würde Erdogan die abtrünnigen Kurden wohl mindestens so hart bekämpfen wie es Milosevic mit den Albanern getan hatte.

Erdogan marschierte sogar in sein Nachbarland ein, um die Freiheitsbestrebungen der Kurden bereits im Vorfeld zu unterdrücken. Seine Ziele setzt er mit ethnischen Säuberungen der überfallenen Gebiete um, wo er statt der syrischen Kurden turkmenische Jihadisten aus Zentralasien ansiedeln will.

Insgesamt war Handkes Gegenstimme zum Balkankrieg mehr als gerechtfertigt und Zeichen eines unangepassten Geistes, der nicht mit der Herde mitläuft. Erdogans unreflektierte und doppelmoralische Hetze gegen Handke bestätigt, wie richtig die Vergabe des Preises an Handke war.

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