Diktatoren haben eine gemeinsame Strategie, um ihre Macht zu festigen und auszubauen: Sie handeln in kleinen, scheinbar harmlosen Schritten. Jeder Schritt für sich genommen erscheint oft verhandelbar oder sogar gerechtfertigt – doch im Rückblick zeigt sich, dass es sich um eine gezielte Taktik handelt, um Grenzen auszutesten und die internationale Gemeinschaft zu spalten. Wer nicht früh und entschlossen reagiert, riskiert, dass diese Schritte zu einem unkontrollierbaren Krieg oder einer globalen Krise eskalieren. Die Geschichte bietet dafür erschreckende Beispiele: Adolf Hitler, Wladimir Putin und – in einer anderen Form – auch Donald Trump zeigen, wie gefährlich diese Methode ist.
Hitlers schrittweise Eroberung: Österreich, Sudetenland, Tschechoslowakei, Polen
Adolf Hitler nutzte die 1930er-Jahre, um Deutschland aus der Isolation der Nachkriegszeit zu führen – doch sein wahres Ziel war die Expansion. Sein Vorgehen war kein Zufall, sondern eine kalkulierte Strategie. Zuerst annektierte er 1938 Österreich im sogenannten „Anschluss“. Die internationale Gemeinschaft protestierte, unternahm aber nichts. Dann folgte das Sudetenland, eine Region der Tschechoslowakei mit einer großen deutschsprachigen Bevölkerung. Auf der Münchner Konferenz 1938 gab Großbritannien unter Neville Chamberlain dem Druck nach und akzeptierte Hitlers Forderungen – in der Hoffnung, damit den Frieden zu sichern. Doch dieser „Appeasement“-Politik folgte nur ein Jahr später die vollständige Zerschlagung der Tschechoslowakei.
Hitlers Außenminister Joachim von Ribbentrop war ein zentraler Akteur in dieser Strategie. Er riet Hitler, die westlichen Mächte zu unterschätzen und ihre Schwäche auszunutzen. Ribbentrop glaubte, dass Frankreich und Großbritannien nicht bereit seien, für fremde Länder in den Krieg zu ziehen. Doch als Hitler 1939 Polen überfiel, war der Punkt erreicht, an dem die beiden Mächte keine andere Wahl mehr hatten. Die Reaktion kam: Frankreich und Großbritannien erklärten Deutschland den Krieg. Die Szene in Hitlers Berghof in Obersalzberg, als die Nachricht eintraf, ist legendär: Hitler soll blass geworden sein, während Ribbentrop vor Angst zitterte. Beide hatten die Konsequenzen ihrer Politik unterschätzt.
Am Ende führte Hitlers Gier nach Territorium zum Untergang des Dritten Reiches. Doch die Lehren daraus wurden nicht immer beachtet.
Putins moderne Expansion: Tschetschenien, Georgien, Ukraine und die Gefahr für Moldau und das Baltikum
Wladimir Putin verfolgt eine ähnliche Taktik wie Hitler – nur mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts. Sein Vorgehen begann nicht mit der Ukraine, sondern schon viel früher. 1999 nutzte er den Zweiten Tschetschenienkrieg, um seine Macht in Russland zu festigen. Dann folgte 2008 der Krieg gegen Georgien, bei dem Russland die abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien besetzte. Die internationale Reaktion blieb verhalten.
2014 annektierte Putin die Krim – ein klarer Bruch des Völkerrechts. Doch der Westen reagierte mit Sanktionen, nicht mit militärischer Gegenwehr. Als nächstes folgte die Destabilisierung der Ostukraine, wo prorussische Separatisten mit russischer Unterstützung den Donbas besetzten. Wieder gab es Verurteilungen, aber keine entscheidende Gegenwehr.
Doch 2022 überschritt Putin eine rote Linie: der großangelegte Angriff auf die Ukraine. Er hatte geglaubt, wie Hitler, dass der Westen zögern würde. Doch diesmal war die Reaktion anders. Die Ukraine leistete erbitterten Widerstand, und der Westen unterstützte sie mit Waffen und Sanktionen. Putins Kalkül ging nicht auf. Dennoch bleibt die Gefahr: Wird er nicht gestoppt, könnten Moldau, das Baltikum oder sogar Polen die nächsten Ziele sein.
Trumps imperialistische Träume: Venezuela, Iran, Grönland und die Parallelen zu Hitler und Putin
Donald Trump mag noch kein klassischer Diktator sein, doch seine Rhetorik und seine Politik zeigen ähnliche Muster: die Sehnsucht nach Expansion und die Verachtung für internationale Regeln. Während seiner Präsidentschaft sprach er offen über die Möglichkeit, Venezuela zu „befreien“ – ein Land, das unter Nicolás Maduro leidet, aber dessen Ressourcen die USA interessieren. Der Iran war ein weiteres Ziel, doch Trumps Politik blieb inkonsistent.
Doch Trumps wahre Träume gehen weiter. Berichten zufolge äußerte er Interesse an Grönland, Island und sogar Kanada. Die Idee, Territorien einfach zu „kaufen“ oder zu annektieren, erinnert an die Methoden vergangener Imperien. Zwar fehlt Trump (noch) die militärische Macht, um solche Pläne umzusetzen, doch seine Rhetorik zeigt, wie gefährlich ungebremster Machtanspruch ist.
Warum Appeasement immer scheitert
Die Geschichte lehrt: Diktatoren handeln nur so weit, wie man sie lässt. Die Münchner Konferenz 1938, die Ukraine-Verhandlungen seit 2014 oder die zögerliche Haltung gegenüber Trump zeigen, dass Nachgeben keine Lösung ist. Jeder kleine Schritt, den man ihnen zugesteht, wird als Schwäche interpretiert – und ermutigt zu weiteren Forderungen.
Hitler wurde erst gestoppt, als es fast zu spät war. Putin wurde in der Ukraine aufgehalten, doch der Krieg ist noch nicht vorbei. Trump könnte, sollte er weiter seine Macht festigen, ähnliche Pläne verfolgen. Die einzige wirksame Antwort auf solche Machtgelüste ist klare, entschlossene Gegenwehr – bevor es zu spät ist.
Die Lehren der Geschichte
Diktatoren handeln nie aus einer Position der Stärke, sondern aus einer der Gier. Sie testen Grenzen aus, und wenn sie auf Widerstand stoßen, ziehen sie sich zurück – oder eskalieren. Die Aufgabe der internationalen Gemeinschaft ist es, früh und konsequent zu handeln. Appeasement hat noch nie funktioniert. Es ist an der Zeit, diese Lektion endlich zu verinnerlichen.