Das Monsato-Drama und die Bayer-Deppen.

Roundup ist das weltweit bekannteste Unkrautvernichtungsmittel – und gleichzeitig ein Paradebeispiel dafür, wie man mit einem einzigen Wirkstoff eine ganze Industrie in den Abgrund reißen kann. Glyphosat, der Hauptbestandteil, steht seit Jahren im Verdacht, Non‑Hodgkin‑Lymphome auszulösen. Die WHO‑Krebsforschungsagentur IARC hat das 2015 nicht etwa „angedeutet“, sondern klar ausgesprochen: Glyphosat ist „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“. Das ist in der wissenschaftlichen Einstufung die Stufe, bei der normalerweise Regierungen nervös werden, Behörden Alarm schlagen und Konzerne hektisch versuchen, ihre Produkte neu zu formulieren.

Doch nicht so in der EU und den USA. Dort reagierte man mit einem erstaunlich synchronen „Glyphosat ist sicher, alles gut, bitte weitergehen“. Warum? Weil ein Eingeständnis der Krebsgefahr nicht nur Monsanto, sondern ganze Agrarindustrien in Milliardenprozesse gestürzt hätte. Und Monsanto war zu diesem Zeitpunkt bereits ein juristischer Pulverfass‑Kandidat. Die EU und die USA hatten also ein gemeinsames Interesse: bloß keine Panik, bloß keine Anerkennung der WHO‑Warnung, bloß keine Entwertung eines globalen Agrarstandards.

Und dann kam Bayer. 2018 kaufte der deutsche Konzern Monsanto – ein Unternehmen, das in den USA bereits mit laufenden Glyphosat‑Klagen kämpfte. Man könnte sagen, Bayer habe sich Monsanto „andrehen lassen“, aber das wäre zu freundlich. Es war eher, als hätte jemand einem deutschen Manager eine tickende Zeitbombe mit der Aufschrift „Premium‑Synergien“ verkauft, und der Manager hätte begeistert unterschrieben, ohne zu merken, dass der Timer bereits lief. Kurz nach der Übernahme explodierten die Klagen, die Urteile, die Schadenssummen. Der Bayer‑Kurs stürzte ab, und die „strategische Meisterleistung“ wurde zum globalen Lehrbuchbeispiel für wirtschaftliche Selbstzerstörung.

Doch der wirklich brisante Teil kommt jetzt: Mit der Übernahme wanderte auch das finanzielle Risiko nach Deutschland. Und aufgrund des deutschen Aktienrechts können geschädigte Kläger Bayer direkt belangen – und wenn Bayer diese Last nicht überlebt, fällt die wirtschaftliche Folgewirkung auf den deutschen Staat zurück. Warum? Weil große Aktiengesellschaften in Deutschland systemrelevant sind: Sie sichern Arbeitsplätze, Zulieferketten, Exportvolumen. Wenn ein Konzern dieser Größe kollabiert, muss der Staat eingreifen – nicht aus Liebe, sondern aus ökonomischer Notwendigkeit. Das bedeutet: Ein amerikanischer Konzern mit amerikanischen Risiken wurde durch die Übernahme zu einem deutschen Problem, dessen juristische Altlasten nun indirekt deutsche Steuerzahler treffen könnten.

Roundup ist damit nicht nur ein gesundheitliches Risiko, sondern ein politisches und ökonomisches Symbol: Die WHO warnt, die Wissenschaft mahnt, doch die großen Industrien und Behörden halten die Schutzschirme über Monsanto – und nun über Bayer. Die „Bayer‑Deppen“ haben sich 2018 nicht nur Monsanto gekauft, sondern ein globales Krebs‑Verdachts‑Paket mit eingebauter Staatsrisiko‑Option.

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berridraun

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