Europas Zorn, Panik, Urangst: mongolische Reiterarmeen und Kompositbögen

Wir Europäer sind es ja gewohnt, zu denken, dass wir technologisch überlegen sind (oder dass die USA technolgoisch überlegen sind und wir Europäer daran teilhaben).

Aber das war historisch gesehen keineswegs so:

zum Beispiel die militärtechnologische Führerschaft im 11., 12., 13. Jahrhundert hatten nicht wir Europäer, sondern die Mongolen.

Die innovative neue Erfindung der Mongolen, die sie zur militärischen Weltspitze machte, und die Europäer zu ohnmächtigen Opfern, war erst einmal der Kompositbogen, ein Bogen, bei dem zwei Holzarten miteinander verbunden wurden, entweder verschnürt oder geleimt.

Diese Technologie schuf eine völlig neue Konstellation: kleine, handliche, extrem schussstarke Bögen, die man auch auf Pferde raufpacken und vom Pferd aus bedienen konnte.

Also in Summe hatten die Mongolen damit sehr schnelle Einheiten, die waffentechnologisch überlegen waren, die aus der Ferne mit Reichweitenvorteil töten konnten.

Die Kriegstechnik der Mongolen dabei war: schnell angreifen, schnell töten mit dem Reichweitenvorteil der Kompositbögen, schnell plündern, und schnell wieder verschwinden.

Die Europäer hatten dieser Kriegstechnik und dieser Waffentechnik genau gar nichts entgegenzusetzen, sie hatten kein Gegenmittel. Es war die schlimmste oder eine der schlimmsten militärtechnologischen Unterlegenheiten Europas in den letzten 4000 Jahren. Die Mongolen setzen den Europäern riesige Verluste zu, in hunderttausende- oder Millionenhöhe, bei gleichzeitig minimalen eigenen Verlusten. Bevor die Europäer die Verteidigung überhaupt aktivieren konnten, waren die Mongolenkrieger nach Tötungen nd Plünderungen schon wieder weg und unerreichbar. D.h. Verteidigung gegen die Mongolen und diese Kriegstaktik war mit den damaligen Waffen und Reaktionszeiten der Europäer praktisch unmöglich.

Die damalige krasse Unterlegenheit Europas schuf völlig neue Konstellationen: Ohnmachtsgefühle, Apathie, Hass, Panik, Urangst, Trauma (unter den Europäern!). Die Mongolen der damaligen Zeit konnten den Europäern als gottgleich erscheinen.

Und diese Ohnmachtsgefühle, diese Apathie, dieser Hass, diese Panik, diese Urangst, diese Traumata (unter uns Europäern)!) können auch eine Grundlage sein für Massenmord und Völkermord durch uns Europäer.

Die klassische Sichtweise und Kriegspropaganda unter uns ist ja, dass hinter Krieg, Massenmord und Völkermord immer irgendein Bösewicht stecken würde, und wenn dieser Bösewicht ausgeschaltet ist, dann würde der ewige Weltfrieden ausbrechen. Ist zwar nie passiert, das mit der Ausschaltung des allerletzten Bösewichts, aber in einer Welt der Oberflächlichkeit und des Tagesjournalismus, der historische Zusammenhänge oftmals ignoriert, kommt man scheinbar mit jeder Verfälschung und jeder Vereinfachung durch.

Die Möglichkeit, dass Massenmord und Völkermord durch Traumata, Angstzustände, Urängste entsteht, wurde in Wissenschaft und Journalismus zumeist ignoriert, verkauft sich vermutlich bei weitem nicht so gut wie der angeblich hassenswerte angebliche Bösewicht, der die Verkaufszahlen, Einschaltquoten und Klickzahlen von Medien und damit ihre Einnahmen in die Höhe treibt.

Vor allem: Traumata, Angstzustände und Urängste erzeugen oftmals eine große Zahl an Helfern, die man als "gutmenschlich" bezeichnen könnte, die die Traumata, Angstzustände und Urängste als das Problem sehen, aber nicht erkennen, dass daraus Massenmord oder Völkermord werden kann.

In der Populärkultur spielt diese vermutlich schlimmste militärische Niederlage der Europäer in den letzten 4000 Jahren auch eine Rolle:

Man kann die Figur des Khan (gespielt von Ricardo Montalban) in "Star Trek 2: der Zorn des Khan" auch sehen als Anspielung auf den mongolischen Herrscher Dschingis Khan und die damals weltbesten monglischen Reiterarmeen, die die Welt und auch und insbesondere Europa in Angst und Schrecken versetzten.

Wobei sowohl die Mongolenkrieger als auch die Mongolenherrscher eigentlich gar nicht zornig sein mussten: sie waren den Europäern militärisch weit überlegen, sie konnten töten und plündern, annähernd soviel sie wollen, bei minimalen Verlusten, ihre vermutlichen Emotionen gegenüber den Europäern waren viel eher Verachtung, weil die Europäer so verteidigungsunfähig waren, oder Freude, weil die Siege und Plünderungen alle so leicht waren.

Zorn und Hass und Panik und Urangst waren vermutlich einzig auf Seiten der Europäer, weil sie so machtlos und unterlegen waren, und weil die Mongolen ihre militärtechnologische Übermacht so ziemlich skrupellos ausgenutzt hatten.

Die Behauptung des "Zorn des Khan" in Star Trek2 diente so gesehen eher der Verschleierung und der Geschichtsfälschung, Star Trek verfälscht die Geschichte, und unterstellt den Mongolen Zorn, um den europäischen Zorn zu vertuschen, zu verharmlosen, herunterzuspielen und zu relativieren.

Nun ist Star Trek nicht irgendein klitzekleines Werk der Populärkultur, sondern es ist das am weitesten verbreitete und wirkmächtigste Science-Fiction-Produkt oder Encrypted-Reality-Produkt. (Verschlüsselte -Realität-Produkt).

Diese europäische Urangst aus der damaligen Zeit dürfte auch heute noch in der Politik, auch im Ukrainekrieg, eine wesentliche Rolle spielen.

Die Einheiten im Rahmen der russischen Armee, die die Hauptverantwortung für das im Westen stark hochgespielte Massaker von Butscha am Anfang des Ukrainekrieges trugen, waren burjatische, also quasi-mongolische.

Ein veralteter Begriff für die Burjaten ist "Burjat-Mongolen". Die implizite Behauptung der West-Medien, Putin sei wegen Butscha ein Kriegsverbrecher, ist fraglich. Um Putin wegen Butscha als Kriegsverbrecher zu verurteilen, bräuchte es vermutlich den Nachweis einer lückenlosen Befehlskette von Putin zu dem Kommandanten der Burjaten-Einheit, die auf absichtliche Tötung von Zivilisten hinausläuft. Es ist äußerst zweifelhaft, ob eine solche existiert. Letztlich stellt sich auch die Frage, ob der Präzedenzfall, dass der Westen das Kosovo von Serbien militärisch (1999) und diplomatisch (2006/2008) abspaltete, auch eine Rechtfertigung oder einen mildernden Umstand für Putins Abspaltung von Krim oder Ostukraine darstellen könnte.

Sowohl Panslawismus als auch Panorthodoxie verbinden Serbien und Russland.

Ein Aspekt der westlichen Kriegspropaganda in Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg und Putin ist, dass nie erwähnt wird, dass Putin durch Krim-Abspaltung bzw. Ostukraine-Abspaltung ja auch die (vom Westen betriebene) Kosovo-Abspaltung, gleichsam legitimierte.

Sowohl Putin wie auch Xi-Jinping (der chinesische Präsident) passen einigermaßen ins Mongolenbild, also in diese uralte europäische Urangst und Panik in Bezug auf die damals militärisch weit überlegenen mongolischen Reiterarmeen.

Diesen europäischen Zorn über die skrupellose Art und Weise, wie die Mongolen damals ihre Überlegenheit ausnutzten, kann oder muss man auch als Erinnerung daran verstehen, wie die heutigen Netanjahu-Israelis ihre militärtechnologische Überlegenheit verwenden, um die Palästinenser zu massakrieren, und man kann es auch sehen als Gemeinsamkeit mit Hamas und dem Hamas-Zorn, bzw. die Hamas-Verzweiflung, die vermutlich eine Rolle gespielt hat bei dem seltsamen Oktober-2023-Anschlag.

Derartige (oft auch technologische) Assymmetrien und Ungleichgewichte verhindern oftmals Friedensprozesse und begünstigen Massaker und Völkermorde, während faire und gerechte Friedensschlüsse oftmals aus einem militärischen Gleichgewicht, aus einem militärischen Patt, und der damit zusammenhängenden Kriegsmüdigkeit entstehen. Technologische Überlegenheit der einen Seite kann diese Kriegsmüdigkeit einseitig verhindern, und Kriege, Massenmorde und Völkermorde verlängern bzw. verewigen.

Star Trek 2: der Zorn des Khan - westliche Geschichtsverfälschung und Kriegspropaganda oder nicht ? Unterhaltung oder kriegerischer Ernst ?

"Star Trek 2: der Zorn des Khan" stammt aus dem Jahr 1982, also einer Zeit, als der Kalte Krieg noch existierte. Dieser Film richtete sich weniger gegen Putin (der damals vielleicht unbedeutender Spion in der DDR war), sondern eher gegen Breshnjew, Andropow, Tschernenko, die aber allesamt auch eher Gerontokraten waren als alles andere.

Im Zuge der Verfilmung von "Star Trek 2: der Zorn des Khan" (WOK - Wrath of Khan) kam es zu einem heftigen Streit zwischen Star-Trek-Schöpfer Gene Roddenderry und dem Filmstudio. Der mögliche Hintergrund war, dass Gene Roddenderry den kriegerischen und hetzerischen Unterton dieses Films als Pazifist ablehnte, als einen Verstoß gegen die ursprünglich friedliche Botschaft von Star Trek.

Laut dem Kirk-Darsteller William Shatner wurde Roddenderry "kicked upstairs", also nach oben getreten, von einer leitenden Funktion in eine bedeutungslose Beraterfunktion verbannt. Vielleicht, weil er an der ursprünglichen pazifistischen Botschaft festhalten wollte, im Unterschied zum Studio.

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