Ich kenne Trockenheit aus meiner Heimat. Es wird "interssant" hier.

Fahrrinnenvertiefung am Rhein: Liebe CDU, seid ihr überhaupt lernfähig?

Es ist nicht zu fassen. Da stehen wir vor ausgetrockneten Flussbetten, die Schifffahrt kollabiert, die Natur vertrocknet – und der Union fällt als Lösung wieder einmal nur die Brechstange ein. Die CDU fordert ernsthaft einen „Bau-Turbo“ zur weiteren Vertiefung der Fahrrinnen am Mittel- und Niederrhein. Haben wir aus den massiven Fehlern der Vergangenheit und den tödlichen Katastrophen eigentlich überhaupt nichts gelernt?

Schauen wir uns das historische Desaster im Süden Deutschlands an: Vor zweihundert Jahren wurde der Oberrhein radikal begradigt. Später zerschnitt man die Region mit riesigen Staustufen und baute künstliche Ausweichkanäle für die Wasserkraft. Man leitete das Wasser aus dem echten Flussbett in diese betonierten Kanalschlingen um, damit es glatt und ohne Reibung auf die Turbinen schießt. Doch ein Ausweichkanal kann kein neues Wasser herbeizaubern! Durch die künstliche Beschleunigung in diesen Rinnen rauscht das Wasser bei Regen in Rekordzeit davon, der Fluss zieht das Grundwasser wie eine Drainage ab. Wenn dann die Sommerdürre zuschlägt, fehlt der natürliche Puffer. Es gibt keine Auen und Schleifen mehr, die das Wasser als Schwamm in der Region halten. Obwohl die Kanäle im Süden durch die Schleusen optisch voll wirken, fehlt dem Fluss die Masse und die Fließgeschwindigkeit – und am Ende bricht die Stromproduktion dieser Kraftwerke mangels Durchfluss massiv ein.

Dasselbe Systemversagen beschert uns die zweite extreme Fratze des Klimawandels: das verheerende Hochwasser. Weil dem Rhein und seinen Zuflüssen durch die Begradigungen und Kanäle jeglicher Raum zum Ausweichen genommen wurde, treffen die Hochwasserwellen heute viel schneller und ungebremster aufeinander als früher. Wie mörderisch diese Kombination aus betonierten Flüssen und Extremwetter ist, hat uns die unbegreifliche Flutkatastrophe im Ahrtal in Rheinland-Pfalz gezeigt. Weil die Nebenflüsse in den engen, verbauten Tälern keinen Platz mehr hatten, schwollen sie innerhalb von Stunden zu reißenden Todesströmen an, zerstörten ganze Dörfer wie Schuld und rissen über 130 Menschen in den Tod. Die künstlich beschleunigten Wassermassen schießen aus diesen Katastrophengebieten direkt weiter in den Rhein und gefährden die Städte flussabwärts im Norden

Und was ist die Antwort der CDU auf diese dramatischen Krisen? Noch mehr Bagger, noch tiefere Rinnen.

Und was ist die Antwort der CDU auf diese dramatischen Krisen? Noch mehr Bagger, noch tiefere Rinnen.

Jeder Hydrologe schlägt bei diesen Plänen die Hände über dem Kopf zusammen. Eine Vertiefung der Fahrrinne erzeugt keinen einzigen Tropfen neues Wasser für die Dürre, sondern schafft im Gegenteil eine noch steilere Rutschbahn, auf der das Wasser bei Starkregen noch schneller und unkontrollierter abfließt. Es ist der paranoide Versuch, ein durch Technik verursachtes Problem mit noch mehr zerstörerischer Technik zu lösen. Man wiederholt exakt dieselben Fehler wie vor 200 Jahren!

Das bittere Paradoxon: Während der Norden heute dank massiver Investitionen in Windkraft energetisch unabhängiger wird und durch großflächige Renaturierungen dem Fluss wieder Raum zurückgibt, hat die CDU im Süden den Windkraftausbau mit bürokratischen Blockaden wie der 10H-Regel jahrelang komplett blockiert. Man hat sich blind auf die Wasserkraft an den Ausweichkanälen verlassen. Jetzt, wo die Ströme im Sommer schwächeln und die Erzeugung einbricht, schaut der Süden in die Röhre und muss teure Netzeingriffe und Stromimporte bezahlen, weil der Windstrom von der Küste wegen blockierter Stromtrassen nicht durch die Leitungen passt.

Anstatt den Fluss weiter zu schänden und die Fehler von gestern zu wiederholen, müssen wir endlich umdenken: Das Wasser muss durch großflächige Renaturierung in der Fläche gehalten werden. Das schützt uns in der Dürre vor dem Trockenlaufen und rettet im Ernstfall Menschenleben vor dem nächsten Jahrhunderthochwasser. Die Schifffahrt muss sich durch neue, flachgehende Schiffstypen an den Fluss anpassen – nicht umgekehrt.

Liebe CDU, Naturgesetze lassen sich nicht durch einen politischen „Bau-Turbo“ aushebeln. Wer heute noch glaubt, dass tieferes Buddeln uns vor Hochwasserkatastrophen wie in Rheinland-Pfalz oder dem Austrocknen der Wirtschaft schützt, hat die Klimakrise, die Physik eines Flusses und eine moderne Energiepolitik schlicht nicht verstanden.

0
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
0 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

Noch keine Kommentare

Mehr von Qattara