Bitte schenkt mir keine Blumen zum Frauentag. (Ernsthaft).

In meiner Facebook-Timeline finde ich heute zum Internationalen Tag der Frau: Blumen. Rabatt auf eine Kosmetik-Behandlung. Eine Karte mit dem Text „Zum Frauentag: Schön, dass es dich gibt“ (mit Blumen). Eine Frauentags-Aktion: Waschen-Schneiden-Fönen um nur 20 Euro. Eine Einladung mit dem Text: „Der wichtigste Tag im Jahr ist der Tag der Frauen. An diesem Tag müssen Sie verwöhnt und begehrt werden. Das weiß auch unser Team. Aus diesem Grund erhalten alle Frauen ein kleines Geschenk zum Mitnehmen. Natürlich auch ein Gläschen Prosecco.“ Überhaupt scheint Schaumwein (neben Blumen) zum wichtigsten Bestandteil des Frauentags-Marketing geworden zu sein. Das “Glas Sekt“ ist fast so fixer Bestandteil wie die Blumen. Vielleicht soll es beim Vergessen helfen.

Denn das ist alles so falsch.

Schenkt einander Blumen, schlürft Sekt und lasst eure Haare fönen so viel ihr wollt – aber bitte macht das nicht unter dem Label „Internationaler Frauentag.“ Der Frauentag ist ein Tag politischen Kampfes. Als er 1911 er in Österreich und einigen weiteren Ländern zum ersten Mal gefeiert wurde, knüpfte man direkt an die Revolution von 1848 und die Gründung der Pariser Kommune an und wählte den 19. März als Datum. Später setzte sich der 8. März durch, der gleich zwei kämpferische Wurzeln hat: In St-Petersburg streikten 1917 an diesem Tag die Arbeiter-, Soldaten- und Bauernfrauen gemeinsam und lösten damit die Februarrevolution aus. In den USA leitete man das Datum später – aus Unbehagen über den kommunistischen Background – von einem anderen Arbeitskampf her: Dem Streik der Textilarbeiterinnen, der am 8. März 1857 gewaltsam niedergeschlagen wurde.

Die Forderungen waren gleiche Rechte – allen voran das Wahlrecht – und bessere Arbeitsbedingungen und Löhne. Und das bleiben sie auch heute. Während in Österreich Gleichberechtigung erreicht ist, bleiben die Lohnschere weit offen und die Macht überwiegend männlich besetzt. In vielen anderen Ländern wurde Gleichberechtigung nie erreicht und ist sogar im Rückschritt. Derzeit kämpfen derzeit von Mali über Nigeria und Syrien bis nach Indonesien islamistische Gruppen und Milizen mit unendlicher Grausamkeit für eine Gesellschaft, deren wichtigste Säule die Zurückdrängung der Frauen aus dem öffentlichen Leben ist. Und da rede ich noch gar nicht von den tödlichen Auswirkungen der Diskriminierung von Frauen: Genitalverstümmelung, Frauenhandel, Zwangsheiraten, sexuelle Gewalt bis hin zu massenhaften Morden. Themen, die viele Frauen hier in Österreich direkt betreffen – nicht zuletzt, weil Österreich ein bedeutendes Ziel- und Durchgangsland für Frauen- und Mädchenhandel ist.

Das sind Themen, die sich mit einem Gläschen Sekt für die Damen nicht lösen lassen. Ich freue mich wirklich fast immer über Blumen. Aber bitte nicht am 8. März.

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G. Szekatsch

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