Ich war gerade einkaufen - soweit kein spektakuläres Ereignis. Doch was ich dann an der Kassa angetroffen habe, war dann doch schlicht Wahnsinn: Geordnet nach Kategorien (Bumm, Blitz, Bumm/Blitz), Größe (Knall, sehr lauter Knall, unmenschlich lauter Knall) und Preis lag ein Sortiment an Kleinkriegsfeuerwerkskörpern welche für einen durchschnittlichen kleinen low-intensity-Konflikt in einem Schwellenland wohl ausgereicht hätte. Hauptkaufargument für den durchschnittlichen österreichischen Privat-Sprengmeister ist wohl die Kombination aus Lautstärke und Sprengpotential(1,3 G - wow).

Am Parkplatz der Sicherheitscontainer mit weiteren Sprengmitteln für den Hausgebrauch - ich war schlicht und einfach fassungslos. Mir selbst geht die permanent ab dem 8. Dezember einsetzende Knallerei schon seit Jahren massiv auf den Geist - als Hundehalter umso mehr, weil ich vier Wochen vor Silvester und vier Wochen nach diesem denkwürdigen Ereignis brauche, um mein geliebtes Haustier wieder in den Normalzustand zu bringen.

Von den alljährlich passierenden Klein- oder Großkatastrophen im Umgang mit diesem Teufelszeug ganz zu schweigen: Finger, halbe/ganze Gliedmassen, Augen - wer heute noch glaubt, es handelt sich bei den gehandelten Artikeln um harmlose Spielereien, der möge endlich die Augen öffnen. Von den illegal ober oder unter den Verkaufstheken gehandelten Ost-Importen ganz zu schweigen.

Warum wir das brauchen ist die Frage - natürlich kann man sich auf Traditionen berufen. Natürlich kann man sagen, dass zu Ausgelassenheit auch Knallerei am Silvesterabend gehört. Wenn ich allerdings Jahr für Jahr die Szenen am Wiener Silvesterpfad im ORF sehe wird mir nur schlecht - kreuz und quer fliegende Raketen, ohrenbetäubender Lärm und 99,9% Be- oder Angetrunkene. Eine Mischung die das Desaster magisch anzieht.

Ganz abgesehen von den Sicherheitsbedenken und der Frage, warum wir es uns jedes Jahr wieder leisten Millionen an Euro in die Luft zu blasen: Haben wir heuer nicht schon genug Tragödien erlebt, genug Leid mitangesehen als das wir vielleicht am Ende des Jahres auf Mörderlärm verzichten könnten? Angesichts der Tatsache, dass es genug Menschen auf dieser Welt gibt, die sehr gerne auf die Knallerei in ihren Heimatländern verzichten würden - nur leider, dort ist halt Krieg und keine der beteiligten Parteien interessiert sich für die Wünsche der zurückgebliebenen Zivilisten.

Ich weiß, das Silvesterknallerei schon immer Teil unserer Silvestertraditionen war - doch vielleicht schaffen wir es im 21. Jahrhundert zumindestens einmal weniger als mehr zu Böllern. Stoppen wir die Aufrüstung der Verkaufsläden, geben wir den Händlern ein klares Signal - wir wollen keine kleinen Atombomben im Haushalt, nur weil sie hat so toll knallen und so schöne Lichteffekte machen. Wir bestimmen mit unserem Ausgaben, was der Handel uns anbietet - setzen wir ein Zeichen und stoppen wir den Wahnsinn.

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