DeepThought_2026
Der Landtagswahlzirkus, der zuletzt in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin gastierte, hat seine Spielzeit für diese Saison beendet, seine Zelte abgebaut und sich in die Winterpause verzogen. Ein Großteil der bunten Plakate, die mit den grinsenden Konterfeis der Kandidaten und den nur allzu wohlbekannten saudummen Werbeslogans à la "WEIL ES UM DICH GEHT!" (SPD), "Weil sich was ändern muss." (FDP) oder, fast schon ein Klassiker, "Nie wieder ist jetzt!" (Die Linke) um die Stimmen der Wahlmichel buhlen, wird wohl wie üblich noch eine ganze Weile den öffentlichen Raum verschandeln und vielleicht den ein oder anderen verspäteten "Graffitikünstler" dazu verleiten, sein präferiertes Anschlagsopfer mit einer roten Clownnase oder auch einem schmucken Hitlerbärtchen aufzuhübschen. (Ich stelle gerade fest, daß der Begriff "Anschlagsopfer" eine gewisse Zweideutigkeit aufweist, die ich nicht beabsichtigt hatte, lasse es aber trotzdem einfach mal so stehen.) ...
Aber was soll's, irgendwann ist der ganze Firlefanz auch wieder verschwunden und wiederholt sich spätestens in der nächsten Spielzeit, die am 18. April kommenden Jahres im Saarland ihren Auftakt hat — sofern allerdings nicht noch zwischenzeitlich irgendetwas völlig Unvorhergesehenes passiert wie zum Beispiel der Fund einer vermeintlich russischen Billigdrohne neben einem Bierzelt auf dem Münchner Oktoberfest und die eventuell darauf folgende Ausrufung des von den einschlägigen Kriegstreibern schon seit langem herbeigesehnten "Spannungsfalls".
Denkbar wäre natürlich auch, daß den Russen irgendwann demnächst die Geduld ausgeht, und die Kriegspartei Deutschland "mit Nachdruck" daran erinnert werden könnte, was es überhaupt heißt, "Kriegspartei" (alleinstehend derzeit irgendwie auch ein doppeldeutiges Wort) zu sein. Wahlen wären dann vermutlich erstmal vom Tisch.
Apropos Partei: Vielleicht taucht auch ein anonymer Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Staatsstreich der AfD auf — was ein per einstweilger Verfügung im Eilverfahren verhängtes Parteiverbot sowie die sofortige Verhaftung des gesamten Parteivorstands nach sich ziehen könnte. Dies wiederum würde in der Folge Wahlen ohnehin obsolet machen, da es ja keine nennenswerte Opposition zur deutschen Brandmaurerblockpartei (DBP) mehr gäbe.
Aber nun mal im Ernst, solange keines der oben geschilderten Szenarien tatsächlich eintritt und Wahlen dann doch nicht so ohne weiteres ausgesetzt oder gar ganz abgeschafft werden können, wird die Mehrheit der deutschen Wahlmichel pünktlich zu Beginn der neuen Spielzeit wieder an die Urnen dackeln und zuverlässig dafür sorgen, daß es weiter geht wie bisher. Ein Weiter wie bisher, daß jedoch – zwar mit einer gewissen Verzögerung – letztendlich mit hoher Wahrscheinlichkeit eines der zuvor geschilderten Szenarien real werden lässt — inklusive der Abschaffung von Wahlen, versteht sich.
Irgendwie paradox, aber mit Blick auf die Geschichte und auf das Verhalten der deutschen Wählerschaft seit der Wiedereinführung "demokratischer" Wahlen, erscheint es mir durchaus realistisch, daß die Mehrheit – wie ich schon im Titel behaupte – solange zur Urne geht, bis Wahlen abgeschafft werden. Wieder einmal.