Sahra Wagenknecht: „Reichtum ohne Gier“ – nur wer arbeitet , darf auch reich werden.

Die inzwischen mit Lafontaine/SPD verheiratete und promovierte Volkswirtin Dr.rer.pol „magna cum laude“ (geb.1969/Jena DDR/Vater verschollener Iraner), Journalistin, EU-Abgeordnete und stv. Vorsitzende der „Linken“ Deutschlands (aus der PDS – Partei Demokratischer Sozialismus und einer SPD-Abspaltung hervorgegangen) hat ein Buch herausgebrach: „Reichtum ohne Gier“.

Frontalangriffsvideo Wagenknecht gegen Merkel und den neoliberalen Scherbenhaufen Europas.....7min. sehensert!!

http://www.huffingtonpost.de/2016/03/11/boseste-abrechnung-kanzle_n_9435826.html?ncid=fcbklnkdehpmg00000002

Sahra Wagenknecht hat sich den Blick von außen auf unser System und ihre Unabhängigkeit bewahrt. Das gelingt nur wenigen. Wagenknecht gehört zu der kleinen Gruppe von Parlamentariern von max. 10%, die sich ihrem Gewissen auch dann verpflichtet fühlen, wenn dies Nachteile mit sich bringt. Sie ist eine Leseratte und bewundert Goethe als großen Geist. Diese Unbeugsamkeit zeichnete sie schon in der DDR aus, als sie beim Wehrunterricht als Protest die Nahrungsaufnahme verweigerte, nicht studieren durfte und sich mit Nachhilfestunden über Wasser hielt. Akte ähnlichen zivilen Ungehorsams sind weder von Angela Merkel noch von Joachim Gauck bekannt.

Die überwiegende Mehrheit der Ökonomen traut sich an fundamentale gesellschaftliche Problemstellungen gar nicht mehr heran, sie rechnen lieber komplizierte Partialmodelle mit komplexen Gleichungen. Zudem fehlt vielen Ökonomen das historische und ideengeschichtliche Wissen.

„Reichtum ohne Gier“ kreist um ähnliche Themen wie Freiheit statt Kapitalismus und analysiert vor allem vier davon tiefer:

1. der Abstieg der Mittelschicht, die neuen Klassengesellschaft und die leistungsfreien Einkommen der Reichen,

2. die Verdrängung der Markt- durch eine Macht- und Beutewirtschaft,

3. unser Finanzsystem und

4. unsere Eigentumsordnung.

Mit den neuen Superreichen hat sich eine Klasse mit leistungslosen Einkommen gebildet, die oftmals auch über dem Recht stehen, weil sie sich international hinter Stiftungen verstecken und selber kaum in Erscheinung treten.

Die Mittelschicht schrumpft rapide. Ökonomische Sicherheit für ein menschenwürdiges Leben haben auch in Deutschland immer weniger. Erschreckend, wie unsere derzeitige Wirtschaftsordnung vor allem die Reichen zu Lasten der Mittelschicht schützt. "Die Oberschicht sitzt im Penthouse, hat die Fahrstühle außer Betrieb gesetzt und die Leitern hochgezogen. Der Rest kann froh sein, wenn er wenigstens auf seiner Etage bleiben darf."

In "Räuberbarone und Tycoons - Macht statt Wettbewerb" analysiert Wagenknecht einen Trend, den ich selber gerne mit den Worten "von der Markt- zur Machtwirtschaft" umschreibe. Viele Bereiche des Wirtschaftslebens sind mittlerweile von mächtigen Oligopolen beherrscht, die ihre eigenen Interessen massiv verteidigen und den Wettbewerb soweit wie möglich ausschalten. Die Oligopole nutzen ihre Marktmacht auch, um Innovationen zu verhindern und die Qualität zu senken. So wird eine Vielzahl vom Patenten heute vor allem deswegen angemeldet, um potentiellen Konkurrenten das Leben schwer zu machen, nicht etwa, um neue Produkte und Verfahren auf den Markt zu bringen.

Intensiv befasst sich Wagenknecht mit unserem heutigen, innovationsfeindlichen und oberschichtenfreundlichen Banken- und Finanzsystem. Sie vergleicht die heutige Vermögens-und Machtverteilung mit Ludwig XV und seinen rauschenden Festen mit Madame Pompadour. Auch im 21.Jahrhundert konzentriere sich das Vermögen auf die reichsten 1% bis 10%, welche neben Agrarland und Immobilien heute vor allem Industriealagen und die Digitalökonomie in der Hand haben. Das Eigentum an diesen Ressourcen wird jedoch nach dem Erbschaftsprinzip wie zu Zeiten der Bluterbfolge von einer zur nächsten Generation weitergegeben, bleibt also in der Familie. Seine Erträge und Renditen werden oft auch steuerfrei eingestreift.

All dies ermöglicht einen Lebensstil, der aus normalem Arbeits-und Leistungseinkommen völlig unerschwinglich wäre. Nicht alle sind jedoch Renditejäger, es gibt auch vorbildliche Unternehmer, die sich für das Unternehmen und die Mitarbeiter einsetzen. Sie fordert eine Überwindung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Meint damit jedoch nicht eine Rückkehr zum Sozialismus nach DDR-Muster. Sie kritisierte das repressive DDR-System. Die DDR sei kein demokratischer Staat gewesen, jedoch sei auch im heutigen kapitalistischen System keine echte Demokratie möglich. Für Wagenknecht ist der Sozialismus auf Basis des Grundgesetzes möglich. Es stecken auch sehr liberale Elemente in ihren Vorschläge drinnen. Sie stand bei der Gedenkfeier an die Holocaust Opfer auf, nicht jedoch am Ende der Peres-Rede, weil sich Peres für einen Irankrieg aussprach.

„Freiheit statt Kapitalismus“ war ihr erstes Buch, worin sie einen Schuldenschnitt im Zuge der Eurokrise vorschlug und die Finanzmärkte zu regulieren. Wie sie sich das mit dem Schuldenschnitt vorstellt, verstehe ich persönlich nicht. Für Spareinlagen und Lebensversicherungen solle der Staat bis zu 1 Mio. bürgen.

Starke Interessensgegensätze sieht Wagenknecht jedoch zwischen Unternehmern und Kapitalgebern. Der Kapitalgeber hat als Eigentümer des Unternehmens unmittelbar Einfluss im Unternehmen und kassiert die Renditen, haftet jedoch nicht für Risken des Unternehmens, oder maximal bis zum Kapitaleinsatz. Familienunternehmen sind im Schwinden, über 70% der DAX-Unternehmen gehören irgendwelchen Fonds, also institutionellen Anlegern. Einer der Großinvestoren an fast jedem DAX-Unternehmen beteiligt ist „Blackrock“, ein Vermögensverwalter mit 6000 Hochleistungsrechnern und gefinkeltem Datenanalysesystem. Das sind die neuen entpersönlichten Eigentümerstrukturen.

Unternehmen sind jedoch keine Sache, ein Auto, das man jederzeit nach Laune wieder verkaufen kann, sondern lebende Organisationen, die dank der Leistung vieler Menschen im Unternehmen wachsen und von deren Fortbestand hängt auch das Schicksal dieser Menschen mit ihren Familien und oft sogar ganzer Regionen ab. Sie dürfen daher nicht nur der Laune eines Eigentümers ausgesetzt werden, umsomehr sie oft auch öffentliche Förderungen in Anspruch nehmen.

Wagenknecht fodert:

Eine produktive und gerechte Wirtschaftsordnung muss die Freiheit unternehmerischer Initiativen sicherstellen und die neufeudalen Konsequenzen verhindern, wo Vermögen an die Erben ohne Leistung übergeht und die nach Lust und Laune das Unternehmen dirigieren. Die vererbte Kontrolle über ein Unternehmen.

Der moderne Kapitalismus setzt Eigentum absolut. Er begründet vor allem Rechte. Davon ist im Grundgesetz nichts zu lesen - im Gegenteil: Eigentum hatte dort ausdrücklich eine Sozialbindung, das heißt, es darf gegen Entschädigung per Gesetz enteignet werden und es dürfen dem Eigentum soziale Pflichten auferlegt werden.

Ein besonderes Problem ist bei Kapitalgesellschaft die Trennung von Haftung und Eigentum. So entstehen in der Oberschicht nicht nur leistungs- sondern auch haftungsfreie Einkommen.

"Maß und Mitte" - Begriffe, zu denen unsere Zeit jeden Bezug verloren zu haben scheint, spielen im Buch Wagenknechts wieder eine Rolle. Einerseits wie aus der Zeit gefallen und andererseits aktueller und dringender denn je. Noch reden wir von "Sozialer Marktwirtschaft". Ein menschenwürdiges Leben und die Eindämmung der Macht der Konzerne waren zwei Grundpfeiler dieses Konzepts. Tatsache ist, dass sich unsere Wirtschaftsordnung immer weiter von einer fairen, innovativen und wettbewerbsorientierten Wirtschaft, wie sie Ludwig Erhard vorschwebte, entfernt hat.

Pay-Pal-Gründer uns Silicon-Valley Milliardär Peter Thiel wird im Buch mit folgender Äußerung zitiert: "Tatsächlich ist Kapitalismus das Gegenteil von Wettbewerb. Kapitalismus basiert auf der Akkumulation von Kapital"

Im Klartext, es sollten fähige Unternehmerspersönlichkeiten und Gründer mit ihren tragfähigen Ideen unabhängiger von den Erben entscheiden können und nicht ausschließlich die Erbeneliten als privilegierte Gruppe.

Wagenknecht schlägt 4 Gesellschaftsgrundtypentypen vor:

1) Personengesellschaft:

Die gibt es bereits heute und sind meist von Inhabern mit eigenem Geld aufgebaut worden und jeder haftet voll für die Unternehmensschulden. Wer damit Erfolg hat und das Risiko trägt, soll damit auch vermögend werden. Jedoch ohne öffentliche Zuschüsse.

2) Mitarbeitergesellschaft (Konzerne, Kapitalgesellschaften gehören da hinein)

In diesem Moment, wo der Unternehmer Subventionen in Anspruch nimmt, muss das Unternehmen in eine Mitarbeitergesellschaft umgewandelt werden. Damit gehört das Unternehmen den Mitarbeitern und individuelle Vererbungsrechte oder Verkaufsrechte erlöschen. Gewählte Vertreter aus ihren Reihen bestimmen die Unternehmensgeschicke. Heuschreckenfonds, Private Equityfonds oder institutionellen Anlegern, die nur kurzfristige Kasse machen wollen , ansonsten kein Gestaltungsinteresse am Unternehmen haben, soll das Handwerk gelegt werden. Nachhaltigkeit statt kurze Renditejagd soll sichergestellt werden. Feudalstrukturen durch leistungslose Erben sollen abgeschafft werden. Nur Leistung soll belohnt werden und nicht mehr der, der vom Beruf nur Erbe ist.

3) Öffentliche Gesellschaft:

Wohnen, Bildung, Gesundheit, Wasser- und Energieversorgung, Banken und Schlüsselindustrien sollen durch die öffentliche Hand getragen werden, um „das Diktat der Rendite und der Aktienkurse“ zu überwinden

4) Gemeinwohlgesellschaften

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