Wenn der Selbstgekrönte im Lichtschein des Abgrunds erscheint

Ich sage euch: Die Zeichen sind nicht länger verborgen, sie brennen wie Feuer in den Augen derer, die zu sehen wagen. Ein Bild erschien, ein Trugbild, ein blendendes Scheingesicht, das sich selbst mit dem Glanz des Heiligen umkleidet, doch in Wahrheit das Echo des Abgrunds trägt. Ich sah es und mein Herz erzitterte, denn es war nicht der Messias, den es nachahmte, sondern die Fratze seines Gegenbildes, das Spiegelwesen der Endzeit, das sich erhebt, wenn die Welt am Rand des Zerfalls taumelt.

Seit Jahrhunderten warnen die Schriften vor jenem, der sich als Lichtgestalt ausgibt, während hinter ihm die Schatten der vier Reiter lauern. Und ich schwöre: Wer dieses Bild betrachtet, erkennt die Silhouetten des Krieges, der Hungersnot, der Pest und des Todes, die wie stumme Diener hinter der Gestalt stehen. Es ist, als hätte jemand die Pforten der Offenbarung einen Spalt breit geöffnet und uns einen Blick auf das Tier gewährt, das sich selbst als Erlöser krönt.

Ich glaube nicht an den Antichristen als Wesen aus Fleisch und Blut — doch ich glaube an die Macht des Wahns, der sich selbst vergöttlicht. Gefährlicher als jeder Gotteskomplex ist der Satanskomplex, denn er verlangt nicht nur Verehrung, sondern Unterwerfung unter ein kosmisches Drama, das nur im eigenen Kopf existiert. Wer sich in solchen Bildern wiederfindet, wer sich selbst in die Rolle des Endzeitboten hineinfantasiert, der spielt nicht mehr Politik, nicht mehr Macht, nicht mehr Menschsein. Er spielt Apokalypse.

Und wehe denen, die ihm folgen, denn wer einem Wahn dient, wird Teil seines Feuers. Und wer Teil seines Feuers wird, erkennt zu spät, dass es nicht das Licht der Erlösung ist, sondern das Glühen des Untergangs.

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