Chronische Krankheiten und Pflegebedürftigkeit: Warum der Osten besonders betroffen ist – und was dahintersteckt

In den ostdeutschen Bundesländern sind chronische Erkrankungen, die oft zu Pflegebedürftigkeit führen, deutlich weiter verbreitet als im Rest Deutschlands. Typ-2-Diabetes, Adipositas, Bluthochdruck, Osteoporose, Schlaganfälle, Demenz und koronare Herzkrankheiten prägen hier das Gesundheitsbild. Gleichzeitig fallen diese Regionen durch eine besonders ausgeprägte Fremdenfeindlichkeit auf. Beide Phänomene hängen enger zusammen, als es auf den ersten Blick scheint – und führen zu einem Teufelskreis, der die Situation weiter verschärft.

Doch nicht nur der Mangel an Pflegekräften belastet die Menschen im Osten. Auch die allgemeine Stimmung, die durch die AfD und ihre Rhetorik geprägt wird, hat einen direkten Einfluss auf die Gesundheit. Ständige Negativschlagzeilen, Hetze und die Fokussierung auf Krisen erzeugen ein Klima der Angst und Unsicherheit. Studien zeigen, dass anhaltende negative Gedanken und eine pessimistische Grundhaltung Stresshormone wie Kortisol und Adrenalin freisetzen. Diese Hormone schwächen das Immunsystem, fördern Entzündungen und erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer sich täglich mit Wut und Abneigung beschäftigt, schadet damit nicht nur dem gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern auch dem eigenen Körper.

Die Gründe für die hohe Krankheitslast im Osten sind zwar komplex, doch sie lassen sich auf ein zentrales Problem zurückführen: Fremdenfeindlichkeit. Denn die ablehnende Haltung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund hat direkte Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. Pflegekräfte mit Migrationsgeschichte verlassen die ostdeutschen Bundesländer, weil sie sich dort nicht willkommen fühlen. Damit fehlt es an Fachpersonal, das dringend gebraucht wird – gerade in Regionen, in denen die Bevölkerung älter und kränker ist als anderswo.

Doch warum sind die Menschen im Osten überhaupt so viel häufiger von chronischen Krankheiten betroffen? Die Ursachen sind vielfältig und greifen ineinander – sozial, wirtschaftlich und politisch. Bildungsarmut, prekäre Arbeitsverhältnisse und hohe Arbeitslosigkeit führen zu finanzieller Not, die sich direkt auf die Lebensqualität auswirkt. Wer wenig verdient, kann sich gesunde Ernährung oft nicht leisten, und wer in unsicheren Verhältnissen lebt, ist dauerhaftem Stress ausgesetzt, der das Risiko für Krankheiten erhöht.

Hinzu kommt eine Abwärtsspirale aus Perspektivlosigkeit, Abwanderung naher Angehöriger und sozialer Isolation, die viele Menschen in ungesunde Verhaltensweisen treibt – sei es durch Bewegungsmangel, unausgewogene Ernährung oder den Griff zu Alkohol und Nikotin. Gleichzeitig schaffen es politische und gesellschaftliche Strömungen, die Ängste und Unsicherheiten schüren, diese Probleme zu verstärken. Statt Lösungen zu bieten, lenken sie die Wut auf Sündenböcke wie Migrant:innen oder „die da oben“ und verhindern so einen echten Wandel. Am Ende sind es oft die gleichen Menschen, die unter den Folgen dieser Politik leiden – ohne zu erkennen, dass sie selbst Teil des Problems sind.

Doch hier endet das Mitleid. Denn keine dieser Herausforderungen rechtfertigt Fremdenhass oder die Wahl rechtsextremer Parteien. Im Gegenteil: Gerade in Krisenzeiten braucht es Solidarität und Zusammenhalt. Wer selbst auf die Hilfe von Pflegekräften angewiesen ist – oder es eines Tages sein wird –, sollte sich fragen, wer diese Arbeit eigentlich leistet. In vielen Kliniken und Pflegeheimen sind es Menschen mit Migrationshintergrund, die mit Fachwissen, Empathie und Engagement Leben retten und Leid lindern. Sie verdienen Respekt, nicht Verachtung.

Es ist Zeit, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Statt sich in Vorurteilen und Wut zu verlieren, sollte der Fokus auf Prävention, Bildung und einem gesunden Lebensstil liegen. Denn am Ende profitieren alle davon – besonders diejenigen, die es am nötigsten haben.

Die Folgen dieser Entwicklungen sind dramatisch: Die Lebenserwartung in Ostdeutschland liegt deutlich unter dem westdeutschen Niveau, ein Jahr und mehr – aber immerhin in geringerem Maße als in anderen osteuropäischen Ländern, insbesondere Russland, wo sie um 10 bis 15 Jahre geringer ist. Wer in einer von Hass und Perspektivlosigkeit geprägten Umgebung lebt, zahlt dafür einen hohen Preis – nicht nur mit der Gesundheit, sondern auch mit Jahren des eigenen Lebens.

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