Man muss schon sagen: Es gibt Menschen, die verlieren ihren Führerschein wegen „Geschwindigkeitsproblemen“ — ein herrlich diplomatischer Ausdruck für „Ich dachte, ich wäre Lewis Hamilton, aber die Polizei sah das anders.“

Offen gesagt: Ich war einfach zu schnell. So schnell, dass mein Auto wahrscheinlich schon eine eigene Flugnummer hatte.

Also stand ich da, führerscheinfrei, aber mit ungebrochener Leidenschaft für Geschwindigkeit und sportliches Autofahren. Und was macht man in so einer Situation? Richtig: Man kauft sich die Krone der französichen Inginieurskunst, einen Aixam.

Bild Wikipedia

Aber nicht irgendeinen Aixam — nein, ich habe mir die Sport‑Variante gegönnt. Ganze 6,8 PS. Ein Motor, der klingt, als würde er sich für seine Existenz entschuldigen. Und eine Endgeschwindigkeit, die theoretisch 45 km/h beträgt, praktisch aber davon abhängt, ob der Wind mithilft, die Straße bergab geht und ich vorher ein Stoßgebet gesprochen habe.

Und natürlich musste er französisch „Bleu de Course“, also Rennblau sein. Dieses Blau, das weiss, dieses Auto ist für Le Mans gemacht, aber in Wirklichkeit hauptsächlich dazu dient, dass man mich im Kreisverkehr besser sieht.

Natürlich habe ich das Ding sofort „getunt“. Neue Felgen, die aussehen, als hätten sie keine Angst vor Geschwindigkeit. Ein Sportauspuff, der klingt wie ein Staubsauger, der eine Büroklammer eingesaugt hat. Und ein Spoiler, der aerodynamisch ungefähr so viel bringt wie ein Regenschirm im Sturm — aber hey, er sieht schnell aus, und das ist die Hauptsache.

Auch das Interieur musste natürlich mithalten:

Ricardositze, die mich in Kurven festhalten, obwohl das Auto physikalisch gar nicht in der Lage ist, eine Kurve schnell genug zu fahren, um mich irgendwohin zu drücken. Rallye‑Anschnallgurte, damit ich bei 45 km/h nicht aus dem Sitz geschleudert werde. Und die Plüschwürfel am Rückspiegel — das internationale Symbol für Aixamfahrer die zeigen, „Ich bin bereit für ein Rennen, aber nur, wenn es bergab geht.“

Aber ich bin stolz, denn ich stehe neben meinem aufgerüsteten Aixam, streiche über die Motorhaube und sage Sätze wie:

„Jetzt geht er richtig ab.“ Was bedeutet: Ich kann jetzt Fußgänger überholen, wenn sie nicht gerade joggen oder Nordic Walking machen.

Und das Beste: Ich fühle mich wieder wie ein echter Autofahrer. Ich bin zurück im Game. Welches Game? Keine Ahnung. Vermutlich das große Rennen gegen die Müllabfuhr, die jeden Dienstag gewinnt — aber nur knapp.

Egal, denn ich bin wieder mobil. Ich kann wieder die Freiheit der Straße spüren. Ich bin wieder schnell — also, relativ. Und wenn ich mit 45 km/h durch die Ortschaft rolle, dann weiß ich: Ich bin der Supersportler unter den Führerscheinlosen. Der Ayrton Senna der Leichtkraftfahrzeuge. Der Michael Schumacher der Mopedklasse. Der Alain Prost der 6,8‑PS‑Fraktion.

Und manchmal, wenn die Sonne auf mein französisches Rennblau fällt, bilde ich mir ein, dass mein Aixam kurz so aussieht, als würde er gleich starten. Tut er aber nicht. Er hustet nur.

Vielleicht sollte ich mir doch ein Rennrad mit Elektromotor kaufen. Das wäre schneller. Und leiser. Und ich könnte endlich wieder jemanden überholen, der nicht gerade eine Gehhilfe benutzt.

In Gedenken an einen Michl – und an die guten alten Zeiten, in denen es hier noch um Humor, Geschichten und echte Diskussionen ging, statt um das ewige Schwarz‑Weiß‑Gerangel. Obwohl, so gut waren sie dann doch nicht...

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