Angesichts der angespannten Weltlage zum Jahreswechsel eine Auflockerungsübung

Dem Wesen nach ist eine Erscheinung ja seit Jahrtausenden bekannt.

Da gerade unsere/meine engere Heimat (Südweststeiermark, Heimat des Schilchers, ein Rose`Wein) durch die Beschaffenheit der Landschaft und den Eigenheiten der hier Ansässigen für Erscheinungen prädestiniert erscheint, macht man sich als Bewohner ebendieser so seine Gedanken.

Die Sagen und Legenden unserer Gegend sind voll von Erscheinungen, auf jedem Berg und in jedem Graben war in der Vergangenheit ein "Mandl", eine "Weise Frau", ein "wilder Jager", das "wilde Gjoa" oder dergleichen tätig. Der Schilcher ist ja auf dem besten Weg, seinen Ruf als „Rabiatperle“ abzulegen und als lokale Wein-Spezialität in der EU anerkannt zu werden. An diesem (schlechten) Ruf waren die Weintrinker schuld, die nach dem Genuss und unter dem Einfluss des Schilchers Erscheinungen hatten, den Eindruck ungewöhnlicher körperlicher Stärke erkennen ließen und andere Leute (meistens keine Schilcher-Trinker!) anständig verdroschen haben.

Ich persönlich kenne einige Leute, die schon Erscheinungen hatten. Die Art und Weise dieser Sichtungen (zb. kleine Tiere, weiße Mäuse ect.) führten aber dazu, dass diese Leute in unserer Gegend als "Bsuuf" (Nordhochdeutsch: Besoffene) gelten. Zu Unrecht, wie ich glaube, denn wie und womit man zu Erscheinungen kommt, ist verschieden. Von den alten Propheten ist ja auch nicht überliefert, wie sie in den Zustand kamen, der dann schließlich zur Erscheinung führte, aus der die eine oder andere, richtige oder falsche Prophezeiung resultierte.

Eine Erscheinung zu haben, oder wenigstens mitzuerleben, wie andere eine haben, ist meiner Meinung nach nichts Besonderes. Die Berichte darüber häufen sich geradezu. Andererseits gibt es „Erscheinungen für jedermann“ sozusagen, wie Wettererscheinungen, Modeerscheinungen, Kunsterscheinungen, Medienerscheinungen, Neuerscheinungen, die kann sich jeder wie er will und Zeit dazu hat, zu Gemüte führen.

Aber selbst eine Erscheinung zu sein, das ist schon etwas! Viele der ganz wichtigen Menschen auf unserer Welt werden als eine solche bezeichnet, was sie auch dadurch unterstreichen, dass sie zu offiziellen Anlässen immer zu spät erscheinen. Das Warten auf eine Erscheinung macht eine solche ja erst zu einem besonderen Ereignis und viele Menschen sind ganz wild darauf.

Es gibt aber noch eine Steigerung! Offensichtlich gibt es unter uns Menschen solche, (wenn man den so genannten "Medien" glauben darf, und warum auch nicht?) die sind sogar eine Ausnahmeerscheinung. Als eine dieser wurde ja auch der "Herminator" Hermann Maier bezeichnet. Es ist so, dass ich den Hermann wirklich bewundert habe, ich kenne keinen einzigen Maurer, der besser Schi fahren kann. Oder konnte, ist jetzt ja auch schon wieder eine Weile her..Aber ob der Hermann noch immer Maurer ist, ist nicht sicher, vielleicht ist er wie die anderen "gelernten" ja eh´auch schon Investor. Als Autodidakt wird er sich ja wahrscheinlich nicht mehr bezeichnen?!

Es ist in allen Berufsgruppen so: Die "gelernten" sehen immer auf die "ungelernten" von oben hinab! Schließlich haben sie drei, vier oder fünf Jahre nach allen Regeln der Zunft ihren Beruf erlernt. Wenn jetzt aber einer dieser ungelernten Schwarzarbeiter daherkommt und den gelernten Facharbeitern zeigt, wo der Bartl den Most holt, sind sie alle (wie dieser) sauer. Weil das ist ungerecht!

Bei Autodidakt und sauer fällt mir mein Freund Max ein, der ein begnadeter Weinkenner ist. Als einfacher, ungelernter Mundschenk könnte ich ja vielleicht durchgehen, aber im Gegensatz zu mir, der ich Wein nur drinke, wenn und weil er mir einfach schmeckt, kann der Max jeden Schluck kommentieren. Nicht nur „trocken“ oder „lieblich“ sondern von der Blume in der Nase über die Restsüße auf der Zunge, dem langen Halt am Gaumen bis zum kurzen Abgang in den Schlund. Ganz zu schweigen vom „eindeutigen Johannisbeer“ oder dem „Hauch vom leichten Apferl“!

Da kann man als Ungelernter nur zustimmend bei jedem Schluck nicken und einfach akzeptieren, dass es eben nicht nur guten und schlechten Wein (und -Kenner!) gibt, sondern auch gravierende Unterschiede beim Trinken.

Nicht dass der Max jetzt wegen meiner unqualifizierten Wein-Bewertungen sauer ist oder von oben auf mich herab schaut, er bemüht sich geradezu, meine mangelnden Trinkerqualitäten zu übersehen, aber ich weiß, dass ich als Sommelier eine schlechte Erscheinung abgeben würde.

Manche Berufe werden aber oft falsch eingeschätzt. Zu meiner Schulzeit wurde einer mit nicht so guten Noten Maurer. Einer mit guten Noten wurde Mechaniker, oder so wie ich und der Max, Elektriker. Heutzutage verdienen die Maurer aber mehr als Mechaniker oder Elektriker, jedenfalls im Pfusch. (Dass ein Sommelier im Pfusch mehr verdienen würde, glaube ich aber eher nicht, da es zu viele begnadete selbständige Trinker oder eben auch diesbezügliche Heimwerker gibt.)

Es ist eben alles relativ! Der alte Einstein (der ja auch eine Zeiterscheinung war) hat schon recht gehabt mit seiner Relativitätstheorie. Nach dieser Theorie kommt es ja bekanntlich auf den jeweiligen Standort des Beobachters an, wie die Zeit abläuft.

Ich kann jedenfalls stundenlang jemanden beim Arbeiten beobachten und mir wird die Zeit nicht lang! Wenn ein Maurer und ein Elektriker schwarzarbeiten, muss offensichtlich die Zeit verschieden sein, denn der Maurer kriegt dafür mehr bezahlt. Wenn man diese Arbeit andererseits ganz offiziell über eine Firma erledigen lässt, erscheint die Zeit auf der Rechnung länger und ist auch noch viel teurer. Da soll man den richtigen Standpunkt finden!

Dabei haben Elektriker bekannterweise eher Erscheinungen oder zumindest Visionen als eben Maurer. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Menschheitsgeschichte, schon bei der Erschaffung der Welt hieß es: "Es werde Licht!". Nicht dass ich jetzt behaupten will, Gott wäre der erste Elektriker gewesen, nur weil ich Elektriker gelernt habe. Aber Elektriker haben die Welt bewegt, Walesa (Elektriker!) hat die Solidarnoc´ in Polen gegründet und ist dann Präsident geworden. Oder Edison! Wenn der nicht die Glühbirne erfunden hätte, müssten wir im Finstern oder mit der Kerze vor dem PC sitzen. Schon der Name allein kann manchmal ausreichen, um im Leben weiterzukommen, wenn er nur etwas mit Elektrizität zu tun hat, wie man an Megawati Sukarnoputri in Indonesien sehen kann. Die ist inzwischen auch eine wichtige Erscheinung (gewesen)

Auch in den alten Sprichwörtern kommen schon Elektriker vor. "Wo Licht ist, ist auch Schatten" beweist ja, dass man sich schon immer bei der Raumausstattung den Rat eines Elektrikers geholt hat. Auch dass man "das Licht nicht unter den Scheffel stellen" soll, kann ja nur als Verhaltensregel der frühen Elektriker gelten. Deshalb will ich aber nicht behaupten, dass Elektriker besser schreiben können als Maurer.

Beim Schreiben kommen einem aber auch die besten Gedanken. Es gibt indes Zeitgenossen, bei denen habe ich schon den Eindruck, dass sie schneller reden als denken können. So einer hört sich wahrscheinlich selber beim Reden zu und wundert sich über seine verschiedenen Meinungen. Sogar ein ehemaliger Staatskanzler soll gesagt haben: "Was schert mich mein Geschwätz von gestern!" Finde ich aber gut, schließlich hat jeder Mensch das Recht auf freie Meinungsänderung.

Mein Leitspruch lautet deshalb schon lange: "Was du vergisst, brauchst du dir nicht zu merken!" Man stelle sich einmal vor, jeder Mensch würde sich alles merken! Eine Katastrophe! Man müsste alles wissen, was man je gesehen, gehört oder sonst wie wahrgenommen hat, keine Ausrede mehr: "Ich habe es vergessen, ich weiß es nicht mehr!"

Meine Frau behauptet manchmal, ich sei vergesslich, ich käme vom Hundertsten ins Tausendste, aber man denkt sich eben so seinen Teil.

Na ja, es kommt schon vor, dass ich in den Keller gehe und dann über meine Nachdenklichkeit vergesse, was ich tun wollte. Dann mache ich aber etwas anderes oder warte eben auf eine Erscheinung.

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Tourix

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trognon de pomme

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