Was eine Depression ist, weiß jeder. Viele haben auch schon eine durchgemacht. Doch ihren Gegenspieler, die Manie, dürften nur wenige in ihrem vollen Ausmaß kennen.

Meist tritt die Manie im Zuge der bipolaren Störung auf, die man früher manisch-depressive Krankheit nannte und ganz früher manisch-depressives Irresein. Die manischen und die depressiven Phasen wechseln einander ab.

Manchmal kann die Manie allein auftreten, ohne die anschließende Depression im Gepäck.

Der Manische ist ein Allround-Unterhalter. So glaubt er jedenfalls. Seine Phasen sind gekennzeichnet von Größenwahn und Realitätsverlust. Er redet dauernd, oft nur wirres Zeug, und braucht kaum Schlaf. Die Platte in seinem Gehirn dreht sich immerfort im Kreis.

Wiki schreibt:

Sozialverhalten:

In der Manie sind die Geselligkeit und die Gesprächigkeit stark erhöht. Patienten zeigen oft völlig unangepasstes, distanzloses Verhalten; beispielsweise werden fremde Leute einfach angesprochen und in Gespräche verwickelt, die weit jenseits gesellschaftlicher Konventionen liegen. Betroffene zeigen mangelnde Sensibilität für die Bedürfnisse und Gefühle der unmittelbaren Mitmenschen und neigen zu hemmungslosem und unkritischem Verhalten.

Andere können den Betroffenen nicht von diesen Verhaltensweisen abhalten, ein Maniker lässt sich kaum oder gar nicht bremsen oder belehren. Heftige Streitigkeiten mit lautstarken und schweren Beleidigungen gegenüber nahestehenden Personen sind dann meist die Folge.

Alle diese Handlungen können völlig persönlichkeitsfremd sein, was für Angehörige oder Freunde äußerst belastend sein kann. Häufig führt dies zum Zerbrechen enger, langjähriger – und für den Betroffenen sehr wichtiger – Bindungen, wodurch sich der Gesamtzustand des Betroffenen weiter signifikant verschlechtert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Manie

Zwei Fälle aus meinem Bekanntenkreis haben sich so dargestellt: Der eine Mann litt an der bipolaren Störung und hat sich in seinen manischen Phasen wie Gott gefühlt. Plötzlich war er reich, obwohl er kaum Geld hatte. Er gab Geld aus, das er nicht hatte. Ohne einen Schilling in der Tasche flog er nach Frankfurt und ließ sich vom Taxifahrer zum besten Hotel der Stadt fahren. Da er die Taxirechnung nicht bezahlen konnte, die Bankkarten waren längst gesperrt, rief der Taxifahrer die Polizei. Die Polizei brachte den Mann in die Psychiatrie. Dort brach er aus und lief in der Pyjamahose quer durch die Stadt zur Frankfurter Tageszeitung. In der Redaktion der Tageszeitung warf er sich in Pose und gab ein Interview: Er sei ein Millionär aus Wien und würde sich über die schlechte Behandlung in Frankfurt beim Wiener Bundespräsidenten beschweren.

Was für nicht Betroffene lustig klingen mag, ist für den Kranken eine Farce. In den gesunden Phasen muss er enorme finanzielle Schäden abarbeiten, was er oft nicht schafft.

Der andere Fall: Der einzige Sohn eines Klavierherstellers. Schwierig, manisch. Er hat der gut situierten Familie Peinlichkeiten und Schäden im horrenden Ausmaß beschert. Man musste ihn am Ende während der Schübe einsperren, weil er alle Klaviere des Vaters um ein Butterbrot verkauft hätte. Eines Tages zog der Sohn die Schuhe aus, stellte sie aufs Fenster und sprang aus dem 1. Stock auf die Straße hinunter. Er fühlte sich unverwundbar.

Er war nicht tot, aber schwer verletzt.

Die Familie machte mit ihrem einzigen Sohn die Hölle mit.

Wenn man die Manie rechtzeitig erkennt, kann man schwere psychotische Schäden noch abwenden.

Häufigste Symptome: Größenwahn, Realitätsverlust und maßlos übersteigerte Aktivitäten.

Es gibt auch eine leichte Form: Die Hypomanie.

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