Fast unbeobachtet von der Öffentlichkeit, hat das Internationale Olympische Komitee letzte Woche eine revolutionäre Änderung in Bezug auf die Teilnahme von Transgender-Sportlern bei Sportwettkämpfen veröffentlicht.

Wenngleich es sich laut Dr Richard Budgett, dem medizinischen Direktor des IOC, lediglich um eine Empfehlung für internationale Sportverbände handelt, und nicht um verpflichtende Regulierungen.

Laut dieser Empfehlung bedarf es jetzt, im Gegensatz zu einer älteren aus dem Jahr 2003, keiner geschlechtsangleichenden Operation mehr, um im jeweils neuen zugestandenen Geschlecht an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen zu dürfen. Und während FzM-Tanssexuelle sofort und ohne Einschränkung an Männer-Wettkämpfen teilnehmen dürfen, gibt es für MzF gewisse Regeln: ein Athlet, der eine Transition zur Frau durchmacht, muss sich nachweislich einer Hormon-Therapie unterziehen. Das Testosteron-Level im Blut muss unter 10 Nanomol liegen, und zwar für einen Zeitraum von mindestens einem Jahr, bevor die Athletin bei Damenbewerben startberechtigt ist, sowie während der aktiven Zeit der Athletin. Dies ist durch fortwährende medizinische Kontrollen zu gewährleisten. Sollte der Testosteron-Wert die geforderte Marke von 10 Nanomol übersteigen, erfolgt eine 12monatige Sperre.

Die Geschlechts-Problematik ist in der Vergangenheit mit schöner Regelmäßigkeit aufgetaucht. Hauptsächlich in Form des sogenannten weiblichen Hyperandrogenismus, wenn also bei weiblichen Athleten typisch männliche Hormonwerte auftraten. Man erinnert sich diesbezüglich an den unschönen Fall der südafrikanischen Mittelstreckenläuferin Caster Semenya, die bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 in Berlin die Goldmedaille im 800m-Lauf gewann. Ihr männliches Erscheinungsbild und ihre Überlegenheit bei den Läufen ließen Zweifel an ihrem weiblichen Geschlecht aufkommen. Der internationale Leichtathletik-Verband, in den letzten Monaten durch Korruptionsfälle, ähnlich der FIFA, in die Schlagzeilen geraten, beugte sich der Öffentlichkeit und ordnete an, Semenya müsse sich einem Geschlechts-Test unterziehen. Obwohl das Testergebnis nicht veröffentlicht wurde, fanden sich in der Boulevard-Presse Gerüchte über angeblich fehlende Eierstöcke und innenliegende Hoden wieder. Semenya durfte aber weiterhin bei Damen-Wettkämpfen an den Start gehen.

Auch hier hat das IOC nun Empfehlungen ausgesprochen. Wird bei weiblichen Athleten nämlich Hyperandrogenismus festgestellt, sollten sie sich nicht mehr, wie in früheren Empfehlungen u.a. des Internationalen Leichtathletik Verbandes angeführt, einer Hormontherapie unterziehen, sondern, um die Grundsätze der Fairness im Sport zu unterstützen, ohne weiteres bei Männer-Wettkämpfen startberechtigt sein.

So weit, so gut. Ich denke, hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, denn ein wenig Unbehagen bleibt zurück. So geriet die iranische Damen-Fussball-Nationalmannschaft bereits 2014 in die Schlagzeilen, nachdem bekannt wurde, dass einige führende Spielerinnen der nationalen Frauen-Liga, sowie 4 Nationalteam-Spielerinnen Männer waren, die entweder kurz vor einer geschlechtsanpassenden OP standen, oder intersexuell (also ohne klare geschlechtliche Zuordnung) waren. Inzwischen sollen sogar acht Spielerinnen der Nationalmannschaft unter diese Kategorie fallen. Im Iran geht man ja, nach aussen hin, ziemlich liberal mit transsexuellen Personen um. Die Realität sieht bekanntlich anders aus. Ein schwules Paar erwartet nämlich die Todesstrafe, es sei denn, einer der beiden Männer ist bereit, eine Transition zur Frau über sich ergehen zu lassen. Um der Todesstrafe zu entrinnen, gehen viele natürlich lieber den Schritt der Umwandlung (in diesem Fall passt das Wort „Umwandlung“ auch tatsächlich). Das erklärt vielleicht auch das vermehrte Auftreten transsexueller Fussballer.

Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen die Veröffentlichung der IOC-Richtlinien auf die Sportwelt haben werden. Es kann nämlich durchaus sein, dass hier die Büchse der Pandora geöffnet wurde. Man muss beobachten, wie vor allem Länder, die für ihre Skrupellosigkeit zugunsten sportlicher Erfolge bekannt sind, damit umgehen werden. Ob nämlich plötzlich vermehrt transsexuelle Sportler auftauchen, die von ihren Ländern, mehr oder weniger, dazu gezwungen werden, diesen Schritt zu gehen. In der Hoffnung, sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Und wenn erstmals eine offen transsexuelle Sportlerin einen großen Titel gewinnt, wird in der Öffentlichkeit stets der schale Beigeschmack der Wettbewerbsverzerrung bleiben. So wie es beim „Stelzensprinter“ und inzwischen wegen Mordes verurteilten Südafrikaner Oscar Pistorius der Fall war.

Lasset die Spiele beginnen.

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fischundfleisch

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