Von POMMES LEIBOWITZ | Anhand einiger Beispiele der jüngeren Zeit möchte ich dokumentieren, wie sich Paranoia und Phobie vor einem imaginären Rechts einer Pandemie gleich der westlichen Welt bemächtigen. Konkrete Beispiele sagen mehr als Tausend Worte.

Alle diese Beispiele sind echt, auch wenn sie jedem normalen Menschen wie eine Satire erscheinen. Es wäre lustig, wenn es nicht so traurig wäre.

(c) Okolo Nolja - Twitter-Screenshot

Bei Twitter gab es wegen obigem Turnschuh einen Shitstorm gegen die Firma Puma. Einige User vermuteten eine absichtliche Ähnlichkeit mit Hitler, sahen gar einen Zusammenhang zur damaligen NSDAP-Mitgliedschaft des Firmengründers Rudolf Dassler.

Es gibt ja auch Leute, die überall rosa Mäuse sehen, aber sind die Mäuse daran schuld?

Quelle u. a. Blick.ch

Auch die Firma Adidas bekam die ganze Wut selbsternannter amerikanischer Rassismusjäger zu spüren, als sie einen Schuh mit zugegebener Maßen merkwürdigem Design herausbrachte:

Designschuhe von Adidas - Screenshot

In gewissen Kreisen - sicherlich nicht nur der Sado-Maso-Szene - werden Ketten und symbolische Fesseln als stylish gesehen. Man kann es aber auch einfach nur lustig finden. Einige US-Amerikaner, womöglich nicht mal Schwarze, sahen darin allerdings eine Verhöhnung der schwarzen Sklaven und starteten einen Shitstorm.

Adidas entschuldigte sich und zog das Produkt zurück.

Quelle u. a. Handelsblatt.com

Auch Firma Nike hat schon in die Kacke gegriffen:

Zum amerikanischen Nationalfeiertag brachte man einen weißen (!) Schuh mit der ursprünglichen US-Flagge (13 Sterne), die als Symbol der amerikanischen Unabhängigkeit gesehen wird, heraus.

Es gab allerdings auch noch die Sklaverei in den damaligen USA, weshalb - man muss da ein wenig konstruieren und zurechtlegen - diese Gründer-Flagge und der weiße Schuh angeblich weiße Vorherrschaft dokumentieren würden.

Nike-Schuhe zum Nationalfeiertag

Nach einem Shitstorm, der sich gewaschen hatte, u. a von farbigen Footballsspielern gehypt, zog Nike das Produkt zurück.

Quelle u. a. 20min.ch

Und auch Gucci hat sich einen "furchtbaren" Fauxpas erlaubt.

Man designte einen schwarzen (!) Pulli, dessen Kragen man über das Gesicht ziehen kann. Das geht natürlich gar nicht, das ist "Blackfacing"! Wobei sich dem geistig Normalen vermutlich nicht mal erschließt, was an Blackfacing bzw. der Kostümierung als Farbiger schlimm sein soll, man kann sich schließlich auch als Weißer, oder als Tier, oder als Außerirdischer kostümieren, ohne dass irgendwelche Verbände Amok laufen. Noch nie hat sich der Ärtzeverband über kostümierte Ärzte oder Schwestern beklagt. Hier zudem handelt es sich nur um einen modischen Gag, keine Kostümierung.

Auch hier also rotierte die selbstgerechte "rassistophobische Empörungswut" im Leerlauf bis die Kugellager durchglühen.

Gucci-Pullover - Screenshot

Quelle u. a. Krone.at

Die Zeichen des Bösen ...

sind überall. Man muss nur die Augen aufmachen. Nachfolgend ein paar Alltagsbeispiele, Stoff- und Teppichmuster, Gitter und Fensterrahmen, Verzierungen und Fußböden, in Geschäften, Hotels, öffentlichen Gebäuden, Museen und Kirchen. Sie alle waren geeignet, bei gewissen Leuten Empörung hervorzurufen.

Zeichen des Bösen

Überall verbergen sich Hakenkreuze. Wurden wir optisch unterwandert und permanent unterschwellig gehirngewaschen? Und nur unsere rechtsphobischen Erretter sehen die Wahrheit? Oder ist es nicht eher andersherum?

Der Punkt ist: All die bösen Zeichen, Ziffern, Muster, Worte, Framings nach denen von wahnhaften Jägern des Bösen Ausschau gehalten wird, sind sehr einfache, alltägliche Muster, die immer und überall auftauchen.

Oder kurz: Wer nach dem vermeintlich Bösen sucht, der wird es auch finden.

Menschen haben Vorurteile, darauf basiert menschliches Denken. Sie verwenden Begriffe, Zeichen und Denkmuster, die irgendwann in der Geschichte auch mal missbräuchlich oder von tatsächlich bösen Menschen verwendet wurden oder die klischeehaft und vereinfachend sind. Das ist normal und menschlich. Es ist nicht DER im Irrtum, der sie verwendet, sondern DER, der in allem ein Zeichen des Bösen sieht (zu sehen glaubt).

Solchen Wahn gab es zuletzt in der Zeit der Hexenverfolgungen!

Überall suchte man nach Zeichen und Verhaltensmustern des Bösen. Hexenmale, Drudenfüße, Buchstaben- und Ziffernkombinationen, teuflische Abbildungen. Und Menschen mit anderen Meinungen und Verhaltensweisen. Alles, was in den eigenen Augen nicht "normal" und "richtig" war, war verdächtig und konnte schließlich auf dem Scheiterhaufen enden.

Es gibt eben auch eine Art Nazi-Numerologie,

böse magische Zeichen, Denk- und Verhaltensweisen, die der kundige Hexen- und Nazijäger überall zu erkennen vermag. Von normalen und unvermeidbaren Ziffern-Kombinationen wie 18, 88 über böse Zeichen wie Runen, Kreuze und Swastika bis hin zu "verdächtigen" Denk- und Verhaltensweisen und Formulierungen.

Alles muss aufgespürt, an den Pranger gestellt werden (auch der ein Relikt des Mittelalters) und mindestens zu Shitstorm (Lynchjustiz) und sozialer Ausgrenzung führen.

Parallelen zur kirchlichen Inquisition

Auch die Inquisition strebte ursprünglich die Umkehr und Rekonziliation der Beschuldigten an, was sich in der anfangs weniger häufigen Anwendung der Todesstrafe ausdrückte. Das Hauptaugenmerk der Inquisition war auch gar nicht auf Hexen, sondern primär auf Häretiker gerichtet, also auf Ungläubige, Andersdenkende, letztlich auf Meinungsabweichler.

Allerdings setzte schon in frühchristlichen Zeiten ein theologischer Diskurs ein, der sich für spätere Zeiten als außerordentlich verhängnisvoll erweisen sollte: Magie, Dämonologie und der Teufelspakt gerieten in den Vordergrund.

Übernommen wurde diese Denkweise im Hochmittelalter, unter anderem auch von Thomas von Aquin († 1274), der

"Die Existenz eines straff organisierten Dämonenstaates"

mit vielen verführten menschlichen Anhängern ersann, was im Vergleich zur Vorstellung zauberkundiger „Einzelkämpfer“ einen wesentlichen Quantensprung darstellte.

Auch im Rechtsradikalismus gibt es ja nach Mainstream-Sichtweise angeblich keine Einzeltäter, sondern quasi eine dämonische Weltverschwörung, die alles steuert.

Und ähnlich wie auch in der seinerzeit verbotenen Magie, suchen die modernen PC-Inquisitoren u. a. nach verbotenen Zeichen und Ziffernkombinationen. Nun ist es nicht mehr 666, sondern zB. 18 = Adolf Hitler, 88 = Heil Hitler, 124 = Ausländerbefreites Deutschland, 444 = Deutschland den Deutschen, 198 = Sieg Heil, 1919 = SS usw. usf.

Wie sich jeder denken kann, sind all diese Ziffern-Kombinationen und generell Denk- und Verhaltensmuster Teile des normalen Alltags. Es wird also NIE an Hexen (oder Nazis) mangeln, solange es fanatische Jäger gibt, die nichts besseres zu tun haben ...

Rechtspopulisten-Psycho

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