Großbritannien hat gezeigt, dass ein Industrieland auch ohne Kohlestrom auskommen kann. Nachdem am 30. September 2024 mit dem Kraftwerk Ratcliffe-on-Soar das letzte Kohlekraftwerk des Landes abgeschaltet wurde, war 2025 das erste vollständige Kalenderjahr ohne Stromerzeugung aus Kohle.

Die Stromversorgung ist dabei keineswegs zusammengebrochen. Im Gegenteil: Erneuerbare Energien lieferten 2025 einen Rekordanteil von 44 Prozent des britischen Stroms. Windkraft, Solarenergie, Wasserkraft und Biomasse erzeugten zusammen mehr als 127 Terawattstunden Strom. Die Windenergie war mit 29,7 Prozent die wichtigste einzelne Stromquelle, Solarenergie steuerte weitere 6,5 Prozent bei.

Das bedeutet nicht, dass Großbritannien bereits komplett frei von fossilen Energieträgern ist. Kohle spielt zwar keine Rolle mehr, Erdgas deckte 2025 aber weiterhin 26,8 Prozent der Stromerzeugung und war damit die zweitgrößte Energiequelle. Der entscheidende Punkt ist jedoch: Die Erfahrung zeigt, dass eine moderne Volkswirtschaft nicht auf Kohlekraftwerke angewiesen ist, um ihre Stromversorgung aufrechtzuerhalten.

Wer behauptet, ohne Kohle würden die Lichter ausgehen, findet dafür in Großbritannien kaum noch Belege. Das Land hat sein letztes Kohlekraftwerk abgeschaltet und dennoch im ersten vollen Jahr danach eine stabile Stromversorgung aufrechterhalten. Die Debatte dreht sich dort längst nicht mehr um Kohle, sondern um die Frage, wie auch die verbliebenen Gaskraftwerke schrittweise ersetzt werden können.

(Die Zahlen beziehen sich auf Großbritannien, also England, Schottland und Wales, nicht auf das gesamte Vereinigte Königreich. Quelle: National Energy System Operator, Januar 2026.)

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