Sachsen‑Anhalt: Wo die Zukunft auf unbestimmte Zeit verschoben ist — Ein Landstrich im Dauer‑Wartemodus.
Es begab sich vor ungezählten Jahrtausenden, als die Hügel des heutigen Sachsen‑Anhalts noch nicht wussten, dass sie einmal von Menschen bewohnt würden, die sich vor Sternen fürchten. In jener Frühzeit erhob sich dort eine Kultur, die den Himmel kartierte, die Jahreszeiten maß und die Realität nicht als persönliche Beleidigung empfand. Die Himmelsscheibe von Nebra war ihr heiliges Instrument – ein kosmischer Kalender, ein astronomisches Archiv, ein Beweis dafür, dass man einst dachte, bevor man sprach.
Doch diese Epoche liegt so weit zurück, dass die heutigen Bewohner sie lieber verschweigen. Weltkulturerbe ist ihnen eine Art peinlicher Ahnenbrief: Man war einmal klüger, und das ist schwer zu ertragen. Schließlich stammt die Scheibe aus einer Zeit, in der es dort weder Sachsen noch Anhaltiner gab. Die späteren Stämme irrten damals noch durch Europa, auf der Suche nach einem Ort, an dem man sich niederlassen und die Sterne ignorieren konnte.
Pickelhaube der Erkenntnis: Ein Helm, den niemand tragen will
Dann kam die große Völkerwanderung, die alles durcheinanderbrachte. Die Himmelsscheibe überstand sie, doch sie veränderte sich – wie jedes Artefakt, das zu lange in der Nähe menschlicher Geschichte liegt. Man hat gar in 3D erweitert, als müsse man der Vergangenheit ein Update verpassen. Die berühmte Pickelhaube, die man dann als „Helm der Wissenschaft“ ausgab, obwohl sie in Wahrheit eher ein Symbol dafür ist, wie sich Wissenschaft mit Militärismus ein Wettrennen liefert.
Nach den letzten 80 Jahren, in denen man sich Zivilisation ein kurzes Stelldichein gabe und mal kurz an Oberfläche blitze, stellt man fest: Der Verstand hat sich offenbar bereits während der Völkerwanderung verabschiedet und nie wieder zurückgemeldet. Die Zukunft wird deshalb auf unbestimmte Zeit verschoben – wie ein Bauprojekt, das niemand genehmigen will.
Die zweite Welle des Faschismus und andere Naturkatastrophen — Historische Wetterlage: dauerhaft stürmisch.
So bleibt nur die Hoffnung, dass die zweite Welle des Faschismus und die fünfte Welle des Militarismus sich irgendwann wieder in die Höhlen des Kyffhäusers zurückziehen, wo sie gemeinsam mit Barbarossa, Fledermäusen und Tropfsteinen über die Frage nachdenken können, warum die Menschen einst den Himmel verstanden – und heute nicht einmal mehr die Gegenwart.