Auszüge vom Bundesamt für Statistik Deutschland zur Migration Demografischer Wandel von 2012-2025/2026
Mitten im demografischen Wandel
19. Dezember 2025 - Der demografische Wandel ist in Deutschland längst angekommen. Die sinkende Zahl der Menschen im jüngeren Alter und die gleichzeitig steigende Zahl älterer Menschen verschieben den demografischen Rahmen in bisher nicht gekannter Art und Weise. Jede zweite Person in Deutschland ist heute älter als 45 und jede fünfte Person älter als 66 Jahre. Andererseits hat sich die Bevölkerung im letzten Jahrzehnt durch mehr Zuwanderung und Geburten etwas "verjüngt". So kamen seit 2010 stets mehr Menschen nach Deutschland als aus Deutschland wegzogen sind. Der Wanderungsüberschuss war besonders bei den Menschen im jüngeren und mittleren Alter deutlich. Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre sind die Geburtenzahlen gestiegen. Zwischen 2013 und 2022 kamen infolgedessen insgesamt 767 000 (+11,3%) Kinder mehr zur Welt als im Jahrzehnt zuvor. Trotz dieser Zunahme besteht weiterhin ein Geburtendefizit, der demografische Wandel wird durch diese Entwicklung nur leicht abgemildert.
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Abschnitt 1:
Alt und Jung in Deutschland – der demografische Wandel und die Folgen
12. Januar 2022 - 2022 soll das EU-Jahr der Jugend werden – dazu hat es die Europäische Union ausgerufen. Gleichzeitig werden Gesellschaften wie die unsere in Deutschland immer älter. Wie entwickelt sich die Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten? Wie wirkt sich der demografische Wandel aus? Und wie gehen junge Menschen damit um?
Erläuterung:
Abschnitt 2:
Großstadtregionen im Wandel
Die Mehrheit der Bevölkerung lebte 2022 in Großstadtregionen
29. Januar 2024 - Großstädte und ihr Umland stellen in Deutschland einen zentralen Lebensraum und ein beliebtes Ziel von pendelnden Beschäftigten und ihren Angehörigen dar. Im Jahr 2022 lebte mit 60 Millionen Personen die Mehrheit der Bevölkerung Deutschlands (71 %) in Großstädten und deren Umland. Das Betrachten von Großstadtregionen bietet einen Blick auf die Entwicklung von Großstädten zusammen mit ihrem Umland. Zusammenhänge und Wechselwirkungen sind so sichtbar.
Nach der Definition des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) sind Zentren von Großstadtregionen Großstädte mit mehr als 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern, in die mehr Berufstätige ein- als auspendeln. Ihr Umland wird je nach Anzahl der Pendlerinnen und Pendler in ein Ergänzungsgebiet zum Zentrum sowie einen engeren und einen weiteren Verflechtungsbereich unterteilt. Dabei stellt das Ergänzungsgebiet zudem selbst ein wichtiges Pendelziel dar.
Im Jahr 2022 gab es insgesamt 50 Großstadtregionen in Deutschland. Davon hatten 16 Großstadtregionen mehr als eine Million Einwohnerinnen und Einwohner. In 19 Großstadtregionen lebten weniger als 500 000 Personen. Die größte Großstadtregion war der Großraum Berlin/Potsdam mit 5,3 Millionen Personen. Die kleinste Großstadtregion war Salzgitter in Niedersachsen mit 156 000 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Nur 40 % aller Einwohnerinnen und Einwohner der Großstadtregionen lebten 2022 direkt in den Zentren. Dagegen lebten 60 % im Umland: davon 29 % im Ergänzungsgebiet zum Zentrum, 41 % im engeren und 31 % im weiteren Verflechtungsbereich.
Bevölkerungszuwachs in den Großstadtregionen verlangsamt sich
Die Bevölkerungszahl ist in den Großstadtregionen in den letzten Jahren überproportional angestiegen. Im Jahr 2022 lebten 3,3 Millionen Menschen mehr in diesen Regionen als noch 2012 (+ 5,8 %). Im restlichen Deutschland wuchs die Bevölkerung im gleichen Zeitraum nur um 2,2 % an. Am stärksten ist die Bevölkerung dabei in den Zentren gestiegen (+ 7,4 %), gefolgt von den engeren Verflechtungsbereichen und den Ergänzungsgebieten (+ 5,4 %). Die weiteren Verflechtungsbereiche sind mit + 3,6 % weniger stark gewachsen.
Diese Entwicklung verlief allerdings nicht kontinuierlich: Das Wachstum der Großstadtregionen hat sich im Betrachtungszeitraum bis 2019 verlangsamt und ist in den Jahren 2020 (+ 0,0 %) und 2021 (+ 0,1 %) nahezu stagniert. Insbesondere die Zentren hatten im durch Corona besonders geprägten Jahr 2020 einen Bevölkerungsrückgang (- 0,2 %) zu verzeichnen. Die Bevölkerung in den Ergänzungsgebieten blieb stabil (- 0,0 %), während sie im restlichen Umland weiterhin leicht zunahm (+ 0,2 %). Im Jahr 2022 stieg die Bevölkerung in ganz Deutschland erneut stark an (+ 1,3 %) aufgrund der Fluchtmigration aus der Ukraine. Den größten Zuwachs verzeichneten dabei die Zentren der Großstädte (+ 1,6 %).
Zentren wachsen durch Zuwanderung aus dem Ausland
Das Zusammenspiel der verschiedenen Bevölkerungsbewegungen – Geburten, Sterbefälle, Zuzüge und Fortzüge – bestimmt die Bevölkerungsentwicklung der Großstadtregionen. Insbesondere in den Zentren resultierte das Bevölkerungswachstum seit 2012 aus dem hohen Außenwanderungssaldo - es gab in diesem Zeitraum deutlich mehr Zuzüge aus dem Ausland als Fortzüge. Die Zentren verzeichneten zudem etwas mehr Geburten als Sterbefälle und somit einen kleinen Geburtenüberschuss. Dafür war in den Zentren der Binnenwanderungssaldo negativ, das heißt innerhalb von Deutschland zogen deutlich mehr Menschen aus den Zentren hinaus als hinein.
Auch das Umland der Großstädte profitierte von der Außenwanderung, wenn auch in geringerem Ausmaß als die Zentren. Im Gegensatz zu den Zentren profitierte es darüber hinaus von der Binnenwanderung, hatte dafür aber ein deutliches Geburtendefizit zu verzeichnen.
Ohne Außenwanderung würden die Großstadtzentren bereits seit 2014 schrumpfen
Noch in den Jahren 2012 und 2013 sind insgesamt mehr Menschen innerhalb Deutschlands in die Zentren der Großstadtregionen gezogen als aus den Zentren fortgezogen. Seit 2014 haben die Zentren dann durchgängig Bevölkerung durch die Binnenwanderung verloren. Ohne die Zuwanderung aus dem Ausland würde die Bevölkerung in den Zentren daher auch seit 2014 durchgängig schrumpfen. Insbesondere im Jahr 2022 erlebten die Großstadtzentren trotz Abwanderung in das Inland insgesamt deutliche Wanderungsgewinne aufgrund der durch den russischen Angriff auf die Ukraine deutlich erhöhten Zuwanderung aus dem Ausland.
Dabei war der Binnenwanderungsverlust in den drei Jahren 2020, 2021 und 2022 deutlich größer als noch in den Vorjahren: Im Jahr 2022 erreichte der Abwanderungsverlust innerhalb Deutschlands mit 143 000 Personen einen neuen Höchststand und war damit mehr als doppelt so hoch wie noch im Jahr 2019 (- 68 000 Personen). Anders als die Zentren hatte das Umland im gesamten Zeitraum Wanderungsgewinne aus der innerdeutschen Wanderung zu verzeichnen.
Umland der Großstadtregionen profitierte 2022 von Abwanderung aus den Zentren
Beliebtes Ziel bei Personen, die aus den Zentren abwanderten, war 2022 das Umland derselben Großstadtregion: Insgesamt verloren die Zentren im Saldo rund 112 000 Personen an andere Gemeinden innerhalb derselben Großstadtregion und 31 000 Personen an andere Regionen innerhalb Deutschlands. Von der Abwanderung ins Umland profitierte der engere Verflechtungsbereich im Saldo mit 54 000 Personen am meisten, gefolgt vom Ergänzungsbereich (39 000 Personen) und dem weiteren Verflechtungsbereich (18 000 Personen).
Die Wanderungsgewinne des Umlands bei Umzügen innerhalb Deutschlands basierten im Wesentlichen auf dem Zuzug aus den dazugehörigen Zentren: Gegenüber dem restlichen Deutschland verlor das Umland von Großstadtregionen im Jahr 2022 an Bevölkerung durch Abwanderung (Saldo - 8 000 Personen).
Innerhalb Deutschlands ziehen junge Erwachsene häufiger in die Zentren der Großstadtregionen
Das Wanderungsverhalten innerhalb Deutschlands unterscheidet sich nach Altersgruppen. Insbesondere die Wanderungen von jungen Menschen zwischen 18 und 24 Jahren trugen im Jahr 2022 positiv zum Wachstum der Zentren der Großstadtregionen bei: In dieser Altersgruppe gewannen die Zentren aufgrund der Binnenwanderung rund 72 000 Menschen hinzu. Demgegenüber war eine deutliche Abwanderung der 30- bis 49-Jährigen aus den Zentren in andere Regionen Deutschlands festzustellen (Saldo - 118 000 Personen).
Entgegengesetzt verliert die Bevölkerung im Umland durch die Binnenwanderung Menschen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren (Saldo - 41 000 Personen) und gewinnt 30- bis 49-Jährige (Saldo + 83 000 Personen) und unter 18-Jährige (Saldo + 45 000 Personen) hinzu. Diese Altersverteilung lässt auf Abwanderung von Azubis und Studierenden sowie Zuwanderung von Familien mit Kindern schließen.
Wanderungsverhalten wirkt sich aus auf die Altersstruktur in den Großstadtregionen
Die altersbedingt unterschiedliche Mobilität verändert die Altersstruktur der Großstadtregionen und vergrößert die Schere zwischen den Zentren und dem Umland. Bereits 2012 lag das Durchschnittsalter der Bevölkerung in den Zentren unter dem Durchschnittsalter des Umlands. Im Jahr 2022 ist das Durchschnittsalter in den Zentren leicht gesunken (- 0,3 Jahre) und lag bei 42,6 Jahren. Im Ergänzungsgebiet stieg es dagegen (+ 0,3 Jahre) auf 44,6 Jahre an. Im restlichen Umland stieg das Durchschnittsalter sogar um annähernd 1 Jahr an: auf 45,0 Jahre im engeren und 45,5 Jahre im weiteren Verflechtungsbereich.
Methodische Hinweise
Bei den Großstadtregionen handelt es sich um ein räumliches Abgrenzungskonzept des BBSR, welches sich an den Verflechtungen zwischen den Zentren und ihrem Umland orientiert. Maßgeblich sind hierbei die Pendelbewegungen der sozialversicherungspflichtig versicherten Beschäftigten zwischen Wohn- und Arbeitsort. Es werden folgende Kategorien unterschieden.
- Das Zentrum einer Großstadtregion stellt immer eine Großstadt mit mindestens 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern dar. Es verfügt über einen Einpendlerüberschuss, wobei der Hauptstrom der Pendlerinnen und Pendler nicht aus einem benachbarten Zentrum kommen darf.
- Das Ergänzungsgebiet umfasst unmittelbar angrenzende Gemeinden, die eng mit dem Zentrum verflochten sind und meist selbst ein wichtiges Pendelziel darstellen. Sie haben eine hohe Tagesbevölkerungsdichte, einen Einpendlerüberschuss und/oder 50 % der auspendelnden Personen pendeln in das Zentrum.
- Aus dem engeren Pendlerverflechtungsbereich pendeln mindestens 50 % der auspendelnden Personen in das Zentrum/Ergänzungsgebiet ein.
- Aus dem weiteren Pendlerverflechtungsbereich pendeln 25 bis 50 % der auspendelnden Personen in ein Zentrum/Ergänzungsgebiet ein.
Detaillierte Informationen zu den Großstadtregionen finden Sie auf der Internetseite des BBSR.
Die Wanderungsstatistik enthält Zu- und Fortzüge von Personen, die nach den melderechtlichen Regelungen bei den zuständigen Meldebehörden an- beziehungsweise abgemeldet wurden. Die Statistik umfasst Wanderungsbewegungen über die Grenzen Deutschlands (Außenwanderung) sowie Wanderungsbewegungen über die Gemeindegrenzen hinweg innerhalb Deutschlands (Binnenwanderung). Die Informationen zur Bevölkerungsfortschreibung zeigen wie die Bevölkerungszahlen ermittelt werden.
Die Ergebnisse der Wanderungsstatistik und als Folge die Entwicklung des Bevölkerungsstandes ab Berichtsjahr 2016 sind aufgrund methodischer Änderungen, technischer Weiterentwicklungen der Datenlieferungen aus dem Meldewesen an die Statistik sowie der Umstellung auf ein neues statistisches Aufbereitungsverfahren nur bedingt mit den Vorjahreswerten vergleichbar. Weitere Informationen finden Sie in den methodischen Erläuterungen.
Abschnitt 3:
Geburtenverhalten im Wandel
05. September 2025 - Die Entwicklung der Geburtenzahl hängt – neben der Anzahl der potenziellen Mütter – mit dem Geburtenverhalten der Frauen zusammen. Wie viele Frauen eines Geburtsjahrgangs werden überhaupt Mutter, wann gründen Frauen eine Familie, wie viele Kinder bringen sie im Laufe ihres Lebens zur Welt? Antworten auf diese Fragen zeigen, wie sich das Geburtenverhalten der Frauen verändert. Die Angaben dazu liefern die Statistik der Geburten und der Mikrozensus.
Rückgang der Geburtenziffer schwächte sich 2024 deutlich ab
Im Jahr 2024 kamen in Deutschland 677 117 Kinder zur Welt. Weniger Kinder waren in Deutschland zuletzt 2012 geboren worden (673 544). Die zusammengefasste Geburtenziffer sank dabei von 1,41 Kinder je Frau im Jahr 2012 auf 1,35 Kinder je Frau im Jahr 2024. Damit verstärkte sich der bereits seit 2017 zu beobachtende und nur im Jahr 2021 im Kontext der Corona-Pandemie unterbrochene Rückgang der Kinderzahl je Frau in den vergangenen beiden Jahren deutlich. Zuvor war die Geburtenziffer von 2011 bis 2016 infolge verbesserter Rahmenbedingungen für Familien mit Kindern und der Zuwanderung von 1,39 auf 1,60 gestiegen.
Durchschnittsalter der Eltern bei Geburt stagniert seit 2021
Mütter waren im Jahr 2024 bei einer Geburt – unabhängig davon, ob es die Geburt des ersten Kindes oder eines weiteren Kindes war – im Durchschnitt 31,8 Jahre und Väter 34,7 Jahre alt. Damit blieb das Alter der Mütter und Väter bei Geburt im Vergleich zu 2021 konstant. Zuvor war das Durchschnittsalter der Eltern bei Geburt mit Ausnahme einer Stagnation in den Jahren von 2014 bis 2016 kontinuierlich gestiegen. Zwischen 1991 und 2024 nahm es bei Müttern um 3,9 Jahre (1991: 27,9 Jahre) und bei Vätern um 3,8 Jahre zu (1991: 31,0 Jahre).
Endgültige Kinderzahl bei den Frauen der 1970-er Jahrgänge kontinuierlich gestiegen
Die in den 1930er Jahren geborenen Frauen – zum Großteil die Mütter der Babyboom-Generation – haben durchschnittlich mehr als zwei Kinder geboren. Ihre Familiengründungsphase fiel in die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs der 1950er und 1960er Jahre. Bereits bei den ab Mitte der 1930er Jahre geborenen Frauen zeichnete sich jedoch ein Rückgang der endgültigen Kinderzahl je Frau ab. Besonders schnell sank diese zwischen den Geburtsjahrgängen 1934 und 1944, als immer weniger Frauen sich für ein viertes oder weiteres Kind entschieden haben. Anschließend hat sich die Kinderzahl je Mutter bei zwei Kindern stabilisiert, zugleich stieg aber der Anteil der Frauen, die gar kein Kind zeitlebens geboren haben.
Zwischen den Jahrgängen 1937 und 1966 hat sich die sogenannte endgültige Kinderlosenquote (Anteil der Kinderlosen an allen Frauen eines Jahrgangs) von 11 % auf 21 % nahezu verdoppelt. In den folgenden Jahrgängen hat sie sich stabilisiert und variierte bis zum Jahrgang 1969 leicht zwischen 20 % und 21 %.
Die zunehmende Kinderlosigkeit der Frauen führte zu einem kontinuierlichen Rückgang der endgültigen Kinderzahl je Frau, die bei den Frauen des Jahrgangs 1968 ihren historischen Tiefststand mit 1,49 Kindern je Frau erreicht hat.
Die in den 1970er-Jahre geborenen Frauen haben bereits bis zum Jahr 2024 durchschnittlich mehr Kinder geboren als Frauen des Jahrgangs 1968. Hierfür sind im Wesentlichen zwei Faktoren ausschlaggebend: Zum einen nahm die Geburtenhäufigkeit der Frauen im Alter ab 30 Jahre deutlich zu. Unter insgesamt günstigen wirtschaftlichen und familienpolitischen Rahmenbedingungen haben sie die bis dahin noch nicht erfüllten Kinderwünsche realisiert. Zum anderen hat sich die Fertilität dieser Jahrgänge im jüngeren gebärfähigen Alter bis 29 Jahren stabilisiert. Eine entscheidende Rolle spielten dabei die Zuwanderinnen, die bei der Geburt ihrer Kinder tendenziell jünger waren als die deutschen Frauen. Da ihr Anteil an allen Frauen bei den 1970er-Jahrgängen gestiegen ist, hat dies die Gesamtfertilität positiv beeinflusst.
Abschnitt 4:
Lebenserwartung und Sterblichkeit
07. Juli 2026 - Die Lebenserwartung bei Geburt ist im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel der zentrale Indikator, um den langfristigen Trend hin zu einem immer längeren Leben auszudrücken. Dieser langfristige Trend war bereits seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen zum Ende des 19. Jahrhunderts zu beobachten. Seitdem hat sich die Lebenserwartung bei Geburt mehr als verdoppelt. Maßgebliche Gründe hierfür sind Fortschritte in der medizinischen Versorgung, Hygiene, Ernährung und Wohnsituation, verbesserte Arbeitsbedingungen und gestiegener Wohlstand.
Nach den Ergebnissen der Sterbetafel 2023/2025 beträgt die Lebenserwartung neugeborener Jungen 78,8 und die der Mädchen 83,4 Jahre. Auch die fernere Lebenserwartung in höheren Altersjahren ist im langfristigen Vergleich stark gestiegen. So hatten beispielsweise 65-jährige Männer 1871/1881 im Durchschnitt noch 9,6 Jahre zu leben. 2023/2025 waren es bereits 18,0 Jahre. Bei den Frauen ist diese Entwicklung noch stärker ausgeprägt: Lag der Wert für den Zeitraum 1871/1881 bei 10 Jahren, so konnten 65-jährige Frauen 2023/2025 noch durchschnittlich 21,1 weiteren Lebensjahren entgegensehen.
Seit etwa 2010 hat sich der Anstieg der Lebenserwartung allerdings verlangsamt. Im Zuge der Coronapandemie kam es zudem zu einem leichten Rückgang, bevor die Lebenserwartung in den Folgejahren wieder deutlich anstieg.
In Zukunft wird mit einem weiteren Anstieg der Lebenserwartung gerechnet. In der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung wurden dazu drei Annahmen getroffen. Der Anstieg der Lebenserwartung bei Geburt bis 2070 fällt darin unterschiedlich stark aus. Für Männer wurde eine Spanne von +4 bis +8 Jahren angenommen, für Frauen von +3 bis +6 Jahren.
Diese Annahmen gehen davon aus, dass verbesserte Lebensumstände, rückläufige Raucherquoten und Alkoholkonsum sowie weitere Verbesserungen in der medizinischen Versorgung auch künftig den weiteren Anstieg der Lebenserwartung positiv beeinflussen werden.
Zukünftig werden verstärkt die verbesserten Überlebenschancen im höheren Alter die Zunahme der Lebenserwartung beeinflussen. Im jüngeren Alter ist das Sterberisiko bereits heute sehr gering.
Wie wird die Lebenserwartung berechnet?
Die Werte für die Lebenserwartung (z.B. bei Geburt) ergeben sich aus den sogenannten Sterbetafeln. Diese können entweder für spezifische Zeiträume (Periodensterbetafeln) oder für Geburtsjahrgänge (Kohortensterbetafeln) aufgestellt werden. In der öffentlichen Wahrnehmung stehen die Ergebnisse aus Periodensterbetafeln meist im Mittelpunkt. Sie eignen sich sehr gut, um die Veränderung der Sterblichkeit über die Zeit oder im regionalen und internationalen Vergleich zu beurteilen. Endgültige Ergebnisse für die tatsächliche Lebenserwartung einzelner Geburtsjahrgänge aus Kohortensterbetafeln liegen hingegen erst dann vor, wenn alle Angehörigen des entsprechenden Geburtsjahrgangs bereits verstorben sind.
Was bedeutet die statistische Lebenserwartung für den Einzelnen?
Begriff „Lebenserwartung“ suggeriert, dass mithilfe der Ergebnisse die zu erwartende Zeitspanne von einem bestimmten Alter bis zum Tod angegeben werden kann. Dies ist jedoch zumeist nicht der Fall. Richtig ist hingegen, dass sich mit der Lebenserwartung Aussagen darüber treffen lassen, wie alt eine Person durchschnittlich werden würde, wenn sich an den Verhältnissen des aktuellen Zeitraums nichts mehr ändern würde (Periodensterbetafeln) oder wenn sich die aktuellen Veränderungstrends sehr lange in die Zukunft fortsetzen würden (Kohortensterbetafeln für noch lebende Geburtsjahrgänge). Hinzu kommt, dass Sterbetafeln lediglich Durchschnittswerte für die Lebenserwartung angeben können, von denen die individuellen Überlebensperspektiven je nach Lebensverhältnissen, Lebensführung, Beruf, gesundheitlicher Verfassung und weiteren Faktoren ganz erheblich abweichen können.
Abschnitt 4:
Bevölkerung im Erwerbsalter sowie Seniorinnen und Senioren
09. Oktober 2025 - Auf 100 Personen im Alter von 20 bis unter 65 Jahren entfielen 2024 in Deutschland etwa 39 Personen im Alter ab 65 Jahren. Dieser sogenannte Altenquotient zeigt, für wie viele potenzielle Rentenbezieherinnen und -bezieher Menschen im Erwerbsalter im weitesten Sinne sorgen müssen: finanziell durch Beiträge in den Renten- und Krankenversicherungen, aber auch durch medizinische Versorgung, Pflegeleistungen oder unterstützende Dienstleistungen im Haushalt. Wenn die Zahl der Seniorinnen und Senioren zunimmt, während die Zahl der Erwerbsfähigen sinkt, nimmt der Altenquotient zu. Ohne adäquate Maßnahmen kann dadurch die Versorgung schwieriger werden. Hierbei sind Regionen von den Herausforderungen der demografischen Alterung unterschiedlich stark betroffen.
Entwicklung seit 1950
Im Jahr 1950 standen 16 Personen im Rentenalter 100 Personen im Erwerbsalter gegenüber. Der Altenquotient von 16 war somit weniger als halb so hoch als im Jahr 2024. Bis Ende der 1970er Jahre ist der Altenquotient durchgängig bis auf 27 im Jahr 1979 gestiegen. Ursächlich dafür waren die gestiegene Lebenserwartung einerseits und die Auswirkungen des zweiten Weltkriegs auf die Altersstruktur der Bevölkerung andererseits. Dadurch nahm die Zahl der älteren Menschen schneller zu als die der Menschen im Alter von 20 bis unter 65 Jahren: Zwischen 1950 und 1979 stieg die Zahl der Ab-65-Jährigen um 5,5 Millionen, während die Zahl der 20- bis unter 65-Jährigen lediglich um 3,1 Millionen zunahm. In den folgenden Jahren bis 1991 sank dagegen der Altenquotient auf 24 und stabilisierte sich anschließend auf diesem Niveau. In diesen Jahren erreichten die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit ("Babyboomer") das erwerbsfähige Alter. Zeitgleich kamen die nach Beginn des ersten Weltkriegs geborenen schwachen Jahrgänge ins Rentenalter.
Seit 1991 ist wiederum ein fast durchgängiger Anstieg des Altenquotienten zu beobachten, bedingt durch das Nachrücken geburtenschwacher Jahrgänge. Besonders stark wuchs der Altenquotient Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre: Innerhalb von acht Jahren zwischen 1998 und 2006 stieg er von 25 auf 33.
Regionale Unterschiede
Der demografische Wandel wirkt sich regional unterschiedlich stark aus: Anfang der 2000er Jahre lag der Altenquotient in ost- und westdeutschen Flächenländern noch nahezu gleichauf. Seitdem schreitet die Alterung in ostdeutschen Flächenländern schneller voran: Der Altenquotient in westdeutschen Flächenländern ist von 33 im Jahr 2006 auf 38 im Jahr 2024 gestiegen. Im gleichen Zeitraum hat sich der Wert in ostdeutschen Flächenländern von 36 auf 50 erhöht. Hintergrund dieser unterschiedlichen Entwicklungen sind zum einen der Geburtenrückgang im Osten nach der Wiedervereinigung und zum anderen die Zuwanderung nach Westdeutschland aus den neuen Bundesländern und aus dem Ausland, die die Alterungsprozesse im Westen verlangsamen.
Seit Mitte der 1990er Jahre ist der Altenquotient am niedrigsten in den Stadtstaaten. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass in urbanen Gebieten aufgrund der Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen, Universitäten und Schulen viele junge Erwachsene, Erwerbstätige und Familien leben. Im Jahr 2024 hatten die Stadtstaaten insgesamt einen Altenquotienten von 31. Im Vergleich der Bundesländer wiesen Hamburg (29) und Berlin (31) im Jahr 2024 die niedrigsten Werte auf, gefolgt von Bremen (35), Bayern (36) und Baden-Württemberg (36). Anteilmäßig lebten in 2024 die meisten älteren Menschen pro 100 Personen im erwerbsfähigen Alter in Sachsen-Anhalt (52), gefolgt von den weiteren ostdeutschen Ländern Thüringen (51), Mecklenburg-Vorpommern (51), Sachsen (49) und Brandenburg (48).
Methodische Hinweise
Der Berechnung des Altenquotienten basiert auf Angaben der Bevölkerungsfortschreibung zu Bevölkerungsbeständen nach Geburtsjahren. Die Abgrenzungen der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sowie der Bevölkerung im Rentenalter richten sich somit nach dem Geburtsjahr. Tatsächliche Erwerbstätigkeit oder Beziehung von Rente werden nicht berücksichtigt. Für die Berechnung des Altenquotienten sind auch alternative Altersabgrenzungen möglich. Andere übliche Abgrenzungen sind beispielsweise 60 oder 67 Jahre für den Beginn des Rentenalters.
In den Zensusjahren 2011 und 2022 wurde die Bevölkerungsfortschreibung auf die Grundlage des jeweiligen Zensus umgestellt. Die Ergebnisse ab dem Zensusjahr sind mit den Ergebnissen der Vorjahre eingeschränkt vergleichbar.
Abschnitt 5:
Migration in Zeiten des demografischen Wandels
09. Oktober 2025 - Die Alterung der Gesellschaft als Folge der demografischen Entwicklung stellt Staat und Gesellschaft vor zunehmende Herausforderungen. Gleiches gilt für die Integration von Zuwandernden aus dem Ausland, wobei aufgrund des zunehmenden Arbeitskräftemangels mit der Zuwanderung auch große Chancen für den dauerhaften Erhalt des Wohlstands in Deutschland verknüpft werden.
Seit der deutschen Vereinigung waren bis zum 31.12.2023 per Saldo 11,4 Millionen Menschen nach Deutschland zugewandert. Davon hatten 600 000 Personen die deutsche und 10,7 Millionen eine ausländische Staatsangehörigkeit. Der Wanderungssaldo war mit Ausnahme von 2008 (Saldo -56 000 Personen) und 2009 (Saldo -13 000 Personen) stets positiv. Etwa ein Drittel der Wanderungsgewinne fand von 1991 bis 2003 statt. Nach einer Abschwächungsphase von 2004 bis 2009 stieg der Saldo in den Folgejahren erneut an und erreichte in 2015 einen ersten Höhepunkt (Saldo +1 139 000 Personen). In den Jahren danach ging der Saldo erneut zurück, stieg aber in 2022 sehr stark an und erreichte in 2022 die höchste registrierte Nettozuwanderung innerhalb eines Berichtsjahres seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1950 (Saldo +1 462 000 Personen). Im Jahr 2023 schwächte sich die Nettozuwanderung im Vergleich mit 2022 ab (Saldo +663 000 Personen; -55 % weniger als in 2022). Die Nettozuwanderung blieb in 2023 jedoch weiterhin auf hohem Niveau und wurde neben 2022 lediglich in den Jahren 2015 (Saldo +1 139 000 Personen) und 1992 (Saldo +782 000 Personen) übertroffen.
Da die zuwandernden Personen im Durchschnitt jünger als die einheimische Bevölkerung sind, wirkt die Nettozuwanderung zwar der Alterung der Bevölkerung entgegen, konnte diese jedoch nicht umkehren.
Als Folge der Zuwanderung aus dem Ausland leben in Deutschland viele Menschen unterschiedlicher Nationalitäten. Im Jahr 2024 hatten 12,4 Millionen Menschen oder 15 % der Bevölkerung eine ausländische Staatsangehörigkeit. Die meisten Ausländerinnen und Ausländer hatten eine europäische (68 %) oder asiatische (23 %) Staatsangehörigkeit. Die größten Anteile bildeten türkische (13 %), ukrainische (10 %), syrische (8 %), rumänische (7 %) und polnische (7 %) Staatsangehörige.
In Deutschland hatten 21,2 Millionen Menschen 2024 eine Einwanderungsgeschichte. Das entspricht einem Anteil von 25,6 %. Die Mehrheit von ihnen (56 %) waren ausländische Staatsangehörige, 44 % waren Deutsche. Betrachtet man die Menschen mit Einwanderungsgeschichte nach ihrer Wanderungserfahrung, waren gut drei Viertel (76 %) von ihnen selbst nach Deutschland zugewandert (Eingewanderte), 24 % wurden in Deutschland geboren (direkte Nachkommen von Eingewanderten).
Auch hier ist Europa die wichtigste Herkunftsregion der Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte. Knapp zwei Drittel von ihnen (65 % beziehungsweise 13,8 Millionen) hatten Bezugspunkte zu anderen europäischen Staaten dahingehend, dass sie selbst oder beide Elternteile dort geboren wurden. Der Anteil von Menschen mit Einwanderungsgeschichte aus anderen Erdteilen ist in den letzten Jahren jedoch gestiegen. In 2024 hatten 4,0 Millionen Menschen in Deutschland ihre Wurzeln im Nahen und Mittleren Osten, dies entspricht etwa 19 % aller Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Rund 1,1 Millionen Menschen wurden in Afrika geboren oder ihre beiden Elternteile wurden dort geboren.
Die Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte war mit einem Durchschnittsalter von 38 Jahren im Schnitt gut neun Jahre jünger als die Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte (47 Jahre). Deutlich jünger sind mit durchschnittlich 25 Jahren diejenigen mit einseitiger Einwanderungsgeschichte (in Deutschland geboren und nur ein Elternteil seit 1950 zugewandert).
Wenn man sich die Anteile der Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte an der Gesamtbevölkerung in einzelnen Alterskohorten anschaut, zeigt sich, dass 26 % aller Personen unter zehn Jahren eine Einwanderungsgeschichte haben, wohingegen der Anteil der Menschen mit Einwanderungsgeschichte in der Altersgruppe ab 65 Jahren bei 14 % lag.
Abschnitt 6:
Wanderungsbewegungen in Ost- und Westdeutschland
23. Oktober 2025 - In Ost- und Westdeutschland verläuft die demografische Entwicklung unterschiedlich. Die Gründe hierfür sind komplex; großen Einfluss haben jedoch die Wanderungsmuster in den jeweiligen Bundesländern. In Ostdeutschland sind sie mitverantwortlich für den Rückgang und die schnellere Alterung der Bevölkerung. In Westdeutschland wirken sie der Alterung der Bevölkerung eher entgegen und tragen außerdem zu einem höheren Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund bei. Zurückzuführen ist dies sowohl auf die bis in die 2010er Jahre stattfindende Ost-Westwanderung innerhalb Deutschlands als auch auf unterschiedliche Effekte bei der Außenwanderung (über die Grenzen Deutschlands) in Ost und West.
Ostdeutschland: Negativer Binnenwanderungssaldo in 2024
Das Wanderungsgeschehen in Ostdeutschland (hier ohne Berlin) war lange durch die Abwanderung in die alten Bundesländer geprägt.
Seit der deutschen Vereinigung 1990 bis zum Jahr 2016 waren die Fortzüge nach Westdeutschland in allen Jahren höher als die Zuzüge. Insgesamt wurden in dem Zeitraum 1,2 Millionen Fortzüge in die alten Bundesländer registriert. Die durch die Abwanderung in den Westen und den Geburtenrückgang entstehenden Bevölkerungsverluste im Osten konnten nur in wenigen Jahren durch Zuzüge aus dem Ausland ausgeglichen werden, so dass die Bevölkerung in Ostdeutschland insgesamt zurückgegangen ist. Einen besonderen Einfluss hatte die verstärkte Abwanderung junger Erwachsener mit dem Effekt einer schnelleren Alterung der ostdeutschen Bevölkerung. Es sind zudem mehr junge Frauen als junge Männer abgewandert, was in der Vergangenheit zusätzlich zu einem Rückgang der Frauen im gebärfähigen Alter führte.
Zwischen 2017 und 2022 kehrte sich die langjährige Entwicklung um: Mehr Menschen wanderten wenn auch in deutlich geringerem Umfang aus dem Westen in die neuen Bundesländer als umgekehrt (Saldo +18 000 Personen). Seit 2023 kehrt sich das Wanderungsverhalten erneut um, sodass auch 2024 ein negativer Binnenwanderungssaldo für die östlichen Bundesländer registriert wurde (-4 000 Personen). Die meisten Wanderungsverluste gegenüber dem Westen verzeichnete in 2024 Thüringen (Saldo -3 600 Personen).
Einwohnerzahl Westdeutschlands steigt überwiegend durch die Zuwanderung aus dem Ausland
Westdeutschland hat in der Vergangenheit von der Abwanderung von Ost nach West profitiert, auch bedingt durch die Altersstruktur der Zugewanderten.
Einen größeren Einfluss als die Binnenwanderung hat jedoch die Außenwanderung auf die Bevölkerungszahl. Die Zuwanderung aus dem Ausland war bereits vor der deutschen Vereinigung in den alten Bundesländern deutlich höher als in den neuen Bundesländern. Diese Bevölkerungszuzüge bewirken einen stetigen Anstieg der Einwohnerzahl in Westdeutschland trotz niedriger Geburtenzahlen. Aber auch die Struktur der Bevölkerung verändert sich hierdurch. Dadurch dass Zuwanderer im Durchschnitt jünger sind als die einheimische Bevölkerung, verlangsamt die Zuwanderung die Alterung der Bevölkerung. Auch der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund ist dadurch in Westdeutschland deutlich höher als in Ostdeutschland.
Abschnitt 7:
Einfluss demografischer Prozesse auf die Bevölkerungsstruktur
-Auf und-Ab seit 1930 bei Geburtenzahlen verursacht demografische Wellen
Die Geborenenzahl hat sich während der letzten hundert Jahre halbiert. Der langfristige Geburtenrückgang verlief aber nicht kontinuierlich und wurde mehrfach unterbrochen. Neben den tiefen Kerben, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden sind (in den Jahren 1945 und 1946), gehörten auch Phasen mit einem Geburtenanstieg dazu.
Nachdem die Geburtenzahlen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts deutlich zurückgegangen sind, stiegen sie nach 1933 infolge der Familienpolitik der Nationalsozialisten an. Die zwischen 1934 und 1941 geborenen Menschen stellen derzeit eine relativ große Generation von Seniorinnen und Senioren und profitieren von der gestiegenen Lebenserwartung.
Der zweite Geburtenanstieg hat nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen und mündete im sogenannten Babyboom. Die besonders hohen Geburtenzahlen zwischen 1955 und 1969 mit jährlich über einer Million Neugeborenen führten zum Entstehen einer vergleichsweise großen Generation, die man als Babyboomer bezeichnet. Anschließend sind die Geburtenzahlen deutlich gesunken, sodass nach dem Babyboom der 1960er-Jahre der sogenannte Babybust der 1970er-Jahre folgte.
Durch solche Geburtenschwankungen entstehen demografische "Wellen", die zu spürbaren Ungleichheiten im Altersaufbau führen können. Der Babyboom sorgte seit den 1980er-Jahren für ein großes Erwerbspersonenpotenzial. Die Babyboomer kommen bis Ende der 2030er-Jahre nach und nach ins Rentenalter und nach ihnen folgen die deutlich schwächer besetzten Jahrgänge der 1990er- und 2000er-Jahre ins Erwerbsalter. Dies belastet die umlagefinanzierten sozialen Sicherungssysteme viel stärker als bisher.
Einfluss von Nettozuwanderung und Sterblichkeit
Die Jahrgänge im mittleren Alter waren im Jahr 2024 stärker besetzt als im Jahr ihrer Geburt. Dies ist durch Migration zu erklären: Als diese Jahrgänge im Alter zwischen 17 Jahren und Mitte 50 waren, kamen mehr gleichaltrige Menschen aus dem Ausland dazu, als Personen die fortzogen. Da die Zahl der Sterbefälle in dieser Altersspanne relativ gering ist, gewannen die entsprechenden Jahrgänge per Saldo an Personen. Trotzdem konnte der Wanderungsüberschuss die aufgrund von Geburtenschwankungen entstandenen Ungleichheiten zwischen den Altersgruppen nicht ausgleichen. Der aktuelle Altersaufbau wird die Bevölkerungsentwicklung der nächsten drei Jahrzehnte prägen.
Bei den Geburtsjahrgängen 1963 und früher ist der Einfluss der mit dem Alter steigenden Sterblichkeit in der Grafik gut zu erkennen: Ihre Jahrgangsstärke nahm im Vergleich zum Zeitpunkt der Geburt deutlich ab.
Abschnitt 8:
Künftige Bevölkerungsentwicklung
03. März 2026 - Wie sich die Größe und der Altersaufbau der Bevölkerung in Zukunft verändern können, zeigen die langfristigen Bevölkerungsvorausberechnungen. Ausgehend von den gegenwärtigen Verhältnissen und den getroffenen Annahmen zur Entwicklung der Geburtenhäufigkeit, der Lebenserwartung und des Saldos der Wanderungen aus und nach Deutschland markieren diese eine Spannbreite der möglichen künftigen Entwicklungen. Die aktuelle 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland und die Bundesländer umfasst die Zeitspanne von 2025 bis 2070.
Die Bevölkerungszahl ist im Jahr 2025 nach den ersten Schätzungen von 83,6 Millionen im Jahr 2024 auf voraussichtlich 83,5 Millionen gesunken. Wie in allen Jahren seit der deutschen Vereinigung 1990 überstieg auch im Jahr 2025 die Zahl der Gestorbenen die Zahl der Geborenen. Im Unterschied zu den Vorjahren nahm allerdings die Differenz zwischen den Geburten und Sterbefällen (Geburtendefizit) zu, während der Saldo aus Zu- und Fortzügen (Nettozuwanderung) deutlich abnahm. Die Lücke zwischen den Geburten und Sterbefällen konnte durch die Wanderungsgewinne nicht geschlossen werden, sodass die Bevölkerungszahl sank.
Zur künftigen Bevölkerungsentwicklung liegen aktuell Szenarien der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung vor. Diese beruhen auf den Annahmen zu den demografischen Komponenten wie Nettozuwanderung, Geburtenhäufigkeit und Lebenserwartung und stellen „Wenn-Dann-Aussagen“ dar. Bei einer moderaten Entwicklung der drei demografischen Komponenten hätte Deutschland im Jahr 2070 etwa 74,7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner.
Zu einem leichten Bevölkerungswachstum führen nur zwei der 27 Vorausberechnungen,
Varianten, denen jeweils ein hoher Wanderungssaldo und eine deutlich steigende Geburtenrate zugrunde liegen. Insgesamt ergibt sich für die Bevölkerungszahl im Jahr 2070 eine Spannweite von 63,9 bis 86,5 Millionen Menschen.
Durch den aktuellen Altersaufbau sind künftig ein Anstieg der Zahl der Seniorinnen und Senioren sowie ein Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter vorgezeichnet. Bis Mitte der 2030er-Jahre wird in Deutschland die Zahl der Menschen im Rentenalter ab 67 Jahren von derzeit 16,7 Millionen auf mindestens 20,1 Millionen steigen. Die Zahl der ab 80-Jährigen wird dagegen noch bis Mitte der 2030er-Jahre relativ stabil bleiben und zwischen 6,3 und 6,6 Millionen betragen. Danach wird die Zahl der Hochaltrigen und damit voraussichtlich auch der Pflegebedarf in Deutschland massiv zunehmen.
Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter von 20 bis 66 Jahren wird dagegen in den kommenden Jahren abnehmen. Aktuell gehören in Deutschland 51,2 Millionen Menschen dieser Altersgruppe an. Selbst bei hoher Nettozuwanderung würde es bis Mitte der 2030er-Jahre zu einer Abnahme um 3,2 Millionen Personen kommen. Bei niedriger Nettozuwanderung könnte die Zahl um 4,9 Millionen Personen sinken.
Der aktuell unterschiedliche Altersaufbau in den Bundesländern wird die künftige regionale Entwicklung prägen. In den westlichen Flächenländern wird die Bevölkerungszahl bestenfalls stabil bleiben, in den ostdeutschen Flächenländern wird sie weiter zurückgehen und in den Stadtstaaten kann sie bei mittlerer bis hoher Nettozuwanderung auch wachsen.
Die größte Herausforderung für die westdeutschen Flächenländer und die Stadtstaaten wird der Anstieg der Zahl der 67-Jährigen und Älteren darstellen. Für die ostdeutschen Flächenländer wird es vor allem das schrumpfende Erwerbspersonenpotenzial sein.
Abschnitt 9:
Bevölkerungsentwicklung in Ost- und Westdeutschland zwischen 1990 und 2024: Angleichung oder Verfestigung der Unterschiede?
29. September 2025 - Die Deutsche Vereinigung am 3. Oktober 1990 löste vor allem in Ostdeutschland starke demografische Veränderungen aus. Charakteristisch für die 1990er- und 2000er-Jahre waren rückläufige Geburtenzahlen und Abwanderung überwiegend junger Menschen in die westlichen Bundesländer. Zu positiven demografischen Veränderungen zählt die deutlich gestiegene Lebenserwartung. In der Summe beschleunigten aber diese Prozesse die demografische Alterung der ostdeutschen Bevölkerung. In Westdeutschland haben dagegen die stärkere Zuwanderung aus dem Ausland sowie die Zuzüge aus den neuen Bundesländern die Alterung verlangsamt. Trotz deutlicher Annäherung sind auch nach 35 Jahren deutscher Vereinigung typische demografische westdeutsche beziehungsweise ostdeutsche Entwicklungsmuster erkennbar.
Steigende Bevölkerungszahl im Westen und Bevölkerungsrückgang im Osten Deutschlands
Zum Zeitpunkt der deutschen Einheit im Jahr 1990 lebten in Westdeutschland (hier: früheres Bundesgebiet ohne Berlin-West) rund 62 Millionen Menschen. Es waren viermal so viele wie in den ostdeutschen Bundesländern (ohne Berlin) mit ihren damals circa 15 Millionen Einwohnenden. Während die Bevölkerung im Westen Deutschlands zwischen 1990 und 2024 um 10 % auf 67,5 Millionen gewachsen ist, nahm sie im gleichen Zeitraum im Osten um 16 % auf 12,4 Millionen ab. Damit lebten 2024 in Westdeutschland mehr als fünfmal so viele Menschen wie in den ostdeutschen Bundesländern. Diese unterschiedlichen Entwicklungen resultieren grundsätzlich aus Veränderungen der Bevölkerung durch Wanderungsbewegungen, Geburten und Sterbefälle.
Nach Westdeutschland wandern mehr Menschen aus dem Ausland zu als nach Ostdeutschland
Die Bundesrepublik ist zwischen 1991 und 2024 durch den positiven Wanderungssaldo, also die Differenz zwischen Zuzügen nach und Fortzügen aus Deutschland, um etwa 11,8 Millionen Menschen gewachsen. Lässt man Berlin außer Acht, betrug die Nettozuwanderung aus dem Ausland in diesem Zeitraum im Osten rund 1,3 Millionen Personen.
Die Abwanderung von Ost nach West setzt sich - nach Unterbrechung 2017 bis 2022 - seit 2023 fort
Im Zeitraum von 1991 bis 2024 wanderten rund 1,2 Millionen Menschen mehr von Ost nach West als umgekehrt. Wanderungen von und nach Berlin sind in dieser Betrachtung nicht enthalten. Etwa die Hälfte dieser starken Abwanderung geht auf die ersten zehn Jahre seit der Vereinigung zurück: Bis zum Jahr 2000 verließen im Saldo etwa 611 000 Personen den Osten in Richtung Westdeutschland. In den folgenden zehn Jahren bis 2010 wanderten im Saldo noch rund 553 000 Menschen von Ost nach West. In den 2010er-Jahren verlangsamte sich diese Entwicklung deutlich mit einem Abwanderungssaldo von Ost gegenüber West von insgesamt rund 70 000 Personen zwischen 2011 und 2016. Von 2017 bis 2022 wanderten erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik mehr Menschen von den westdeutschen Bundesländern in die ostdeutschen Länder (Saldo +18 000 Personen). In den Jahren 2023 und 2024 kehrte sich diese Tendenz wieder um und die östlichen Bundesländer verzeichneten einen Wanderungsverlust in Richtung Westen (Saldo -7 000 Personen).
Der Wanderungsverlust für den Osten ist insbesondere auf die Abwanderung von Personen im jüngeren und mittleren Lebensalter zurückzuführen: Im Saldo verlor der Osten seit der Vereinigung insgesamt mehr als 740 000 Person in der Altersgruppe der zum Fortzugszeitpunkt bis 25-Jährigen an den Westen sowie rund 489 000 Personen bei den zum Fortzugszeitpunkt zwischen 25- und 65-Jährigen. Die Wanderungen von Seniorinnen und Senioren stellen eine Ausnahme dar, da sie häufiger von West nach Ost ziehen. Dennoch machen sie mit rund 6 000 Personen nur einen geringen Anteil an den Ost-West-Wanderungen aus. Eine weitere Auffälligkeit bei der Betrachtung des Wanderungsverlustes für den Osten von 1991 bis 2024 ist die ungleiche Verteilung der Geschlechter. 57 % des Verlustes besteht aus Frauen (693 000 Personen), davon waren 428 000 Frauen zum Zeitpunkt des Fortzugs jünger als 25 Jahre.
Im Westen und im Osten ist die Zahl der Sterbefälle höher als die Zahl der Geborenen
In beiden Teilen Deutschlands starben zwischen 1990 und 2024 jeweils etwa 2,5 Millionen mehr Menschen als Kinder geboren wurden. Dies entsprach einem durchschnittlichen jährlichen Bevölkerungsrückgang von 1 Menschen pro 1 000 Personen in Westdeutschland und von 5 Menschen pro 1 000 Personen in Ostdeutschland. In Deutschland insgesamt betrug das kumulierte Geburtendefizit seit 1990 etwa 5,3 Millionen Personen.
Die bevölkerungsrelevanten Veränderungen sind hier nicht vollständig abgebildet, da insbesondere die Wanderungen von und nach Berlin nicht enthalten sind.
Alterung schreitet im Osten schneller voran
Im gesamten Land ist die Bevölkerung älter geworden: Zwischen 1990 und 2024 ist der Anteil der unter 20-Jährigen von rund 22 % auf 19 % gesunken, während der Anteil der Seniorinnen und Senioren (65 Jahre und älter) von 15 % auf 23 % gestiegen ist. Allerdings schreitet diese Entwicklung im Osten schneller voran. 1990 war die Bevölkerung im Osten jünger als im Westen: Der Anteil der unter 20-Jährigen betrug 25 % im Osten und 21 % im Westen (jeweils ohne Berlin), während die ab 65-Jährigen im Osten 14 % und im Westen 15 % der Bevölkerung stellten. Im Zeitverlauf hat sich dieses Verhältnis umgekehrt: 2024 war im Osten der Anteil der unter 20-Jährigen mit 17 % geringer als im Westen mit 19 %. Zugleich war im Osten der Anteil der ab 65-Jährigen mit 28 % höher als im Westen (22 %).
Anteil der ausländischen Bevölkerung ist im Osten deutlich niedriger als im Westen
Während Ende 1990 im Westen 5,2 Millionen Ausländerinnen und Ausländer lebten (8 % der Bevölkerung), lag die Ausländerzahl im Osten bei 112 000 (1 %). Die ausländische Bevölkerung ist seit der deutschen Vereinigung überall gestiegen, Unterschiede bleiben jedoch bestehen: So stellt die ausländische Bevölkerung Ende 2024 im Westen 16 % (10,6 Millionen Menschen) und im Osten 8 % (949 000 Menschen) der Bevölkerung dar. Die unterschiedlichen Migrationsverläufe im Osten und im Westen sind auch in der Zusammensetzung der ausländischen Bevölkerung sichtbar: Der Anteil der Staatsangehörigen aus Gastarbeiterländern (einschließlich aktueller EU-Mitglieder) an der ausländischen Bevölkerung liegt Ende 2024 im Westen mit 36 % deutlich höher als im Osten (11 %). Auch der Anteil der EU-Bürgerinnen und -Bürger ist im Westen höher als im Osten (36 % bzw. 27 %), wobei dieser Unterschied vor allem auf die ehemaligen Gastarbeiterländer Spanien, Italien, Griechenland und Kroatien zurückzuführen ist. Dagegen sind im Osten Staatsangehörigkeiten aus Asien (33 %), vor allem aus Fluchtländern (Syrien, Afghanistan) häufiger als im Westen (22 %). Die unterschiedlichen Migrationsgeschichten spiegeln sich auch in der Aufenthaltsdauer wider: Während 19 % der im Westen lebenden Ausländerinnen und Ausländer bereits 30 Jahre und länger in Deutschland waren, sind es im Osten lediglich 4 %.
Berlin liegt zwar im Osten Deutschlands, weist aber eine besondere Bevölkerungsstruktur und -entwicklung auf
Nach dem Auf und Ab der 1990er-Jahre verzeichnete Berlin seit 2005 eine kontinuierliche Bevölkerungszunahme. Ende 2024 war seine Bevölkerung mit 3,7 Millionen um rund 7 % größer als 1990 (3,4 Millionen Personen). Zu dieser Bevölkerungszunahme haben hauptsächlich Zugewinne aus der Außenwanderung seit der Wiedervereinigung (+760 000 Personen) sowie aus den westlichen Bundesländern (insgesamt +193 000) beigetragen. Zugleich verlor Berlin 264 000 Menschen durch Abwanderung in die neuen Bundesländer (insbesondere nach Brandenburg). In Bezug auf die Migrationsgeschichte weist Berlin mehr Ähnlichkeiten mit Westdeutschland als mit dem Osten Deutschlands auf.
Trotz Annäherung im Geburtenverhalten sind im Osten öfter und jüngere Mütter anzutreffen als im Westen
Im vereinigten Deutschland wurden zwischen 1990 und 2024 insgesamt 26,0 Millionen Kinder geboren. Die meisten von ihnen kamen in Westdeutschland zur Welt. Lediglich 3,5 Millionen oder 13 % der Babys stammen aus den ostdeutschen Flächenländern. Anfang der 1990er-Jahre, während des gravierenden Geburtenrückgangs, wurde im Osten nur jedes zehnte Kind geboren. Erst seit Mitte der 2000er-Jahre hat sich die Geburtenrate in Ost- und Westdeutschland angeglichen.
Zum Zeitpunkt der deutschen Vereinigung waren Mütter bei der Geburt des ersten Kindes im Osten mit durchschnittlich 23 Jahren deutlich jünger als im Westen (etwa 27 Jahre). Im Jahr 2024 hat sich diese Differenz auf gut ein Jahr reduziert: 30,4 Jahre im Westen gegenüber 29,2 Jahren im Osten.
In der Verbreitung der Kinderlosigkeit bestehen jedoch nach wie vor deutliche Unterschiede. Der Anteil der Frauen ohne eigene Kinder an allen 45- bis 49-Jährigen lag nach den Ergebnissen des Mikrozensus 2022 (letzter Datenstand) in Westdeutschland bei 20 %. In Ostdeutschland betrug er 14 %, obwohl seit der Vereinigung die Kinderlosigkeit im Osten schneller als im Westen angestiegen war.
Geburten von nicht verheirateten Eltern sind heute zwar in Ost und West stärker verbreitet als 1990, die Unterschiede sind aber immer noch deutlich ausgeprägt. Die nichtehelichen Geburten waren 2024 im Osten mit 53 % deutlich öfter anzutreffen als im Westen (29 %). 1990 betrug ihr Anteil an allen Geburten jeweils 35 % und 10 %.
Die Lebenserwartung der Ostdeutschen hat sich schnell an das westdeutsche Niveau angenähert
Betrachtet man die Entwicklung der Lebenserwartung bei Geburt zwischen 1991/1993 und 2022/2024 in Ostdeutschland und in Westdeutschland als jeweilige Einheit, so wird eine rasche Angleichung der Lebenserwartung in beiden Landesteilen deutlich. In den Jahren 1991/1993 war noch eine Differenz von 3,2 Jahren bei Männern und von 2,3 Jahren bei Frauen zugunsten Westdeutschlands festzustellen. Innerhalb von sieben Jahren bis zur Sterbetafel 1998/2000 hat sich die Differenz für Männer auf 1,6 Jahre halbiert und für Frauen auf 0,6 Jahre sogar noch stärker reduziert. Bis Ende der 2000er-Jahre ist die Differenz in der Lebenserwartung für Männer weiter zurückgegangen. Danach hat sie sich zunächst auf einem Niveau von 1,3 bis 1,5 Jahren stabilisiert. Bei den Frauen war seit der Sterbetafel 2012/2014 kaum noch eine Differenz zwischen Ost und West feststellbar. Es wird angenommen, dass Verbesserungen in der medizinischen Versorgung und den allgemeinen Lebensbedingungen im Osten zu dieser raschen Anpassung beigetragen haben. Im Zuge der Corona-Pandemie, von der die ostdeutschen Bundesländer stärker betroffen waren, hat die Differenz in der Lebenserwartung zwischen Ost- und Westdeutschland zeitweise wieder zugenommen. Bezogen auf den Dreijahreszeitraum 2022/2024 betrug die Differenz in der Lebenserwartung bei Geburt bei den Männern 1,4 Jahre zugunsten Westdeutschlands. Bei den Frauen waren es 0,1 Jahre zugunsten Ostdeutschlands.
Etwa seit Ende der 2000er-Jahre ist der Anstieg der Lebenserwartung nicht mehr so deutlich wie in den vorangegangenen Jahrzehnten. Hierzu haben außergewöhnlich starke Grippewellen sowie ab März 2020 die Corona-Pandemie beigetragen. Im Vergleich der Sterbetafeln 2017/2019 und 2022/2024 ist die Lebenserwartung bei Geburt sogar etwas zurückgegangen. Die Verluste an Lebenserwartung während der Pandemie sind somit in dem aktuellen Dreijahreszeitraum noch nicht kompensiert. Ohne Pandemie hätte man hingegen mit einem – zumindest leichten – weiteren Anstieg rechnen können.
Zahl der Eheschließungen sank seit 1990 im Westen wie im Osten Deutschlands deutlich
Im Jahr der deutschen Vereinigung 1990 wurden 516 388 Ehen geschlossen. Anschließend nahm die Zahl der Eheschließungen tendenziell immer weiter ab und sank im Jahr 2007 auf den vorübergehend niedrigsten Stand von knapp 369 000. Zwischen 2013 und 2018 gab es einen spürbaren Anstieg auf rund 450 000 Eheschließungen (2018). In den Pandemiejahren 2020 bis 2022 haben sich pro Jahr durchschnittlich 374 000 Paare das Ja-Wort gegeben. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland lediglich 349 216 Ehen geschlossen, was dem niedrigsten Stand seit 1990 entspricht. In der Relation zur Bevölkerung ist dies mit 4,2 Eheschließungen je 1 000 Einwohnerinnen und Einwohnern der niedrigste Werte seit 1946.
Ein Rückgang der Eheschließungen war nach 1990 in West- und Ostdeutschland zu beobachten. Während er aber im Westen Deutschlands kontinuierlich verlief, hat sich die Zahl der Eheschließungen in den ostdeutschen Flächenländern bereits im Jahr 1991 abrupt halbiert (von 101 913 auf 50 529). Einen bemerkenswerten Anstieg der Eheschließungen zwischen 2013 und 2018 gab es nur in Westdeutschland. Im Osten nahmen diese dagegen allmählich zu. Im Jahr 2018 haben die Eheschließungen in beiden Teilen Deutschlands ihr Zwischenhoch erreicht: im Westen mit knapp 364 000 und im Osten mit rund 70 000 geschlossenen Ehen. In den Pandemiejahren 2020 bis 2022 haben in West und Ost deutlich weniger Menschen geheiratet. Im Jahr 2024 lag die Zahl der Eheschließungen im Westen mit 288 710 auf dem tiefsten Stand seit 1990 und in den ostdeutschen Flächenländern mit 49 263 auf dem Niveau der beginnenden 1990er und 2000er-Jahre. Relative Werte je 1 000 Einwohnerinnen und Einwohnern sanken auf den niedrigsten Wert in Westdeutschland, in Ostdeutschland auf das Niveau rund um die Jahrtausendwende.
Der Anteil der Paare, die Kinder mit in die Ehe bringen, ist auch 35 Jahre nach der deutschen Vereinigung immer noch sehr unterschiedlich. Im Westen hatten 1990 etwa 5 % der Paare bei der Heirat gemeinsame voreheliche Kinder, in den ostdeutschen Flächenländern dagegen über 26 %. Dieser Anteil stieg in beiden Teilen Deutschlands. 2024 brachten im Westen 18 % und im Osten nahezu 36 % der Eltern gemeinsame Kinder mit in die Ehe. Der im Osten doppelt so hohe Anteil entspricht dem dort auch deutlich höheren Anteil an außerhalb einer Ehe geborenen Kindern wie im Westen.
Ehescheidungen: Im Westen wie im Osten haben etwa in der nicht berufsfähigen Altersgruppe die Hälfte der geschiedenen Paare
Im Im Osten Deutschlands brachen die Scheidungszahlen nach der deutschen Vereinigung regelrecht ein. Dazu trug neben allen anderen Veränderungen auch bei, dass zum 3. Oktober 1990 das bis dahin westdeutsche Scheidungsrecht eingeführt wurde, das in der Regel eine Scheidung erst nach einer Trennung von einem Jahr vorsieht. Bereits nach einigen Jahren nahmen die Ehescheidungen im Osten wieder zu und näherten sich zwischen 2000 und 2004 dem Niveau von 1990 an. Im Westen Deutschlands dagegen nahmen die Ehescheidungen nach 1990 weiterhin zu. Sie erreichten 2003 ihr Maximum. In beiden Landesteilen ging die Zahl der Ehescheidungen dann wieder zurück. 2024 wurden in den westlichen Bundesländern etwa 9 % weniger Ehen geschieden als 1990 und im Osten Deutschlands etwa 45 % weniger.
Sowohl im Westen als auch im Osten hatten 2024 etwa die Hälfte der geschiedenen Paare minderjährige Kinder. Mitte der 1990er-Jahre waren dagegen im Osten bei 70 % der Ehescheidungen minderjährige Kinder betroffen.
Abschnitt 10:
Zusammfassungen:
Hintergründe und Auswirkungen
Familien:
21. Juli 2025 - Die letzten zwei Jahrzehnte waren durch einen Rückgang der Familien gekennzeichnet. Während es 1996 noch rund 13,2 Millionen Familien gab, ist die Zahl im Jahr 2019 auf 11,6 Millionen Familien gefallen. Dies entspricht einem Rückgang von rund 12 %. Nach wie vor ist es aber die Regel, dass Menschen in der Mitte des Lebens als Eltern in einer Familie mit Kindern leben.
Ältere Menschen:
Bevölkerungsgruppe der älteren Menschen ab 65 Jahren
Die zunehmende Zahl älterer Menschen in Deutschland ist ein wichtiger Faktor im demografischen Wandel. Ergebnisse der Bevölkerungsfortschreibung zeigen, dass die Zahl der 65-Jährigen und Älteren seit 1991 von 12 Millionen auf 19 Millionen im Jahr 2025 deutlich gestiegen ist. Da jüngere Geburtsjahrgänge zugleich sinkende Personenzahlen aufweisen, stellen die ab 65-Jährigen im Zeitverlauf auch einen immer größeren Anteil an der Gesamtbevölkerung. Er stieg von 15 % im Jahr 1991 auf 23 % im Jahr 2025.
Abschnitte 11 ff.:
-Erwerbstätigkeit älterer Menschen
-Lebensformen älterer Menschen
-Private Haushalte mit älteren Menschen
-Ältere Frauen sind in der Mehrheit
-Zahl der älteren Menschen wird künftig zunehmen
-Armutsgefährdung sowie materielle und soziale Entbehrung bei älteren Menschen
Publikationen (PdF)
(Statistische Berichte koordinierte Bevölkerungsvorausberechn. von 2024 bis 2070)
-Demografischer Wandel in Deutschland
Quelle:
https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Demografischer-Wandel/_inhalt.html
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Bundesamt für Statistik