Ärzte brauchen mehr Zeit für Patienten!

Dies ist ein Versuch, etwas klarzustellen, das meiner Meinung nach falsch transportiert wird: In den Medien wird derzeit viel über das gar nicht mehr so neue Arbeitszeitgesetz für Ärzte geschrieben. Vieles wird aber auch nicht gesagt. Es wird Stimmung gemacht und das meist gegen die ach so unersättlichen „Götter in Weiß“. Das Weiß ist längst zu einem Grau verkommen, hat längst an Strahlkraft verloren, zumindest in den Augen der Bevölkerung. Ein Imagewandel, an dem die Vorgeneration der Weißmantelträger wohl nicht ganz unschuldig war. „Ich hau’ euch in die Pfanne bis das Fett spritzt“, tönt ein Landespolitiker am Verhandlungstisch über Gehaltsanpassungen mit Vertretern der Ärzteschaft – weit sind wir verkommen! Seit zwölf Jahren schreibt uns die EU Einschränkung bei den maximalen Ärztearbeitszeiten vor, ignoriert haben die Verantwortlichen die Planung und Umsetzung, reagieren müssen sie nun 5 nach 12. Die Senkung der maximal erlaubten Arbeitszeiten für Ärzte trifft unser Gesundheitssystem nun quasi wie ein Tsunami, von dem man 12 Jahre lang wusste und dann trotzdem im Liegestuhl liegend vom Strand aus zugesehen hat, wie er auf denselbigen zurollt. Flusch... weggespült.

Wie ist das bloß passiert?

Die Entlohnung von den in Krankenhäusern tätigen Ärzten hat sich in Österreich folgendermaßen entwickelt: Im europäischen Vergleich gibt es in Österreich unterdurchschnittliche Grundgehälter für die regulären 40 Stunden pro Woche. Diese wurden mit verhältnismäßig hoher Bezahlung von Nachtdienststunden und Überstundenabgeltung versucht wett zu machen. Nicht dumm, brachte man doch so auf jeden Fall die Ärzte dazu, auch bis zu 80 Stunden pro Woche zu arbeiten.

Einen Pferdefuß hat das Ganze freilich. Was, wenn nun diese Mehrstunden einfach nicht mehr erlaubt sind? Tja was schon, dann bekommt dieser spitzenverdienende Arzt von heute auf morgen einfach 1000 Euro netto weniger im Monat. Ist ja nur knapp ein Drittel seines gewohnten Einkommens, auf Basis dessen er sein Leben und das seiner Familie geplant hat. Natürlich tönt jetzt jeder: „Ist ja okay, immerhin arbeiten die ja jetzt auch weniger Stunden, wozu überhaupt die Aufregung?!“

Was die Ärzte wollen?

Lediglich eine seit Jahren überfällige Anpassung der Grundgehälter an europäisches Niveau, um durch eine  „zwangsverordnete“ Arbeitsstundenreduktion nicht überproportionale Gehaltseinbußen erleiden zu müssen, von der man bereits seit 12 Jahren gewusst hat, dass sie kommen wird. Metaller würden streiken, die Hochöfen würden stehen, die nächste Lohnerhöhung wäre schnell erreicht. Aber Ärzte können die Maschinen nicht so einfach abdrehen und stehen lassen. Abdrehen und stehen lassen bedeutet den Tod und das ist die Wahrheit. Die Politik weiß das, benutzt das, überstrapaziert das. Zu lange schon wird an der Moralschraube gedreht!

Ums weniger Arbeiten geht’s hier keinem Arzt. Ob man es glaubt oder nicht, die meisten Ärzte arbeiten gerne länger – ihrer Ausbildung und der Patienten wegen.

Klar ist es von Vorteil, wenn Ärzte ausgeruht und topfit für ihre Patienten da sind, aber vor allem junge Kollegen fragen sich: Wie kann man in 48 Stunden das Gleiche lernen, was ältere Kollegen in 60 Stunden erlernt haben? Und weniger Arbeitszeit bedeutet auch weniger Zeit für die Patienten  und längere Wartezeiten, nur so, läuft uns und unserem Gesundheitssystem die „Zeit“ nicht davon.

Lasst doch die Ärzte tun, was sie tun sollten, nämlich Zeit mit den Patienten verbringen! Mit ihnen reden, ihnen zuhören, sie menschlich zu behandeln, anstatt die knappe Zeit mit Papier- , Computerarbeit und Administration zu verbringen. Ich fürchte nur, trotz aller Warnglocken sitzen wir bereits wieder am Strand und blicken einem sich in der Ferne ach so herrlich aufbäumendem Tsunami entgegen, während wir den nächsten Schluck von unserer eiskalten Pina Colada nehmen.... Flusch!

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