Donald Trump zeigt ein wiederkehrendes Muster: Er ist politisch nicht in der Lage, Vereinbarungen stabil zu halten. Das saudische Atomabkommen liefert ein aktuelles Beispiel. Am Mittwoch unterzeichnen die USA ein ziviles Nuklearabkommen mit Saudi‑Arabien – eine „jahrzehntelange, milliardenschwere Partnerschaft“, wie Washington es nennt. Doch nur 24 Stunden später hängt Trump einseitig eine neue Bedingung an, die nie Teil des Abkommens war: Riad müsse das Abraham‑Abkommen unterzeichnen und Israel anerkennen. Kein Anruf, keine Konsultation, kein diplomatischer Prozess – nur ein Social‑Media‑Post, der den Partner brüskiert, dem er gerade erst die Hand geschüttelt hat.
Dieses Abkommen ist von Anfang an tot. Mohammed bin Salman hat wiederholt erklärt, zuletzt offiziell, dass es ohne einen unabhängigen palästinensischen Staat mit Ostjerusalem als Hauptstadt keine Normalisierung geben wird. Das saudische Außenministerium bezeichnete diese Position als „nicht verhandelbar“. Trump fordert also eine Voraussetzung, von der Washington wissen müsste, dass sie niemals erfüllt wird.
Dieses Muster zeigt sich auch bei anderen Fällen: Zollvereinbarungen, die er nach Unterzeichnung wieder infrage stellt; Waffenstillstände, die er ankündigt und anschließend selbst unterminiert; diplomatische Memoranden, die er als lose Skizzen behandelt. Eine Supermacht, die ihre eigene Unterschrift innerhalb eines Tages relativiert, erzeugt nicht Stärke, sondern Unsicherheit.
Die zentrale Frage lautet: Was ist eine amerikanische Unterschrift wert, wenn sie nicht einmal 24 Stunden Bestand hat?
Macht ohne Beständigkeit wird zur Haftung. Ein Staat, der Vereinbarungen nicht einhält und die roten Linien seiner Partner ignoriert, kann keine regelbasierte Ordnung führen. Er kann nur Druck ausüben, bis andere Staaten aufhören zu unterschreiben.