"Papa, wie findest eigentlich Du Hesse?"

Von Poesie und "Poesie"

„Papa, wie findest eigentlich Du Hesse?“

Die Problem ist weniger, was man auf diese Frage seiner heranwachsenden Tochter antwortet, als vielmehr wie.

Denn wer erinnerst sich nicht an sich selbst, als er 14, 15, 16 oder 17 Jahre alt war?

Als man in der Poesie, oder dem, was man dafür hielt, rettende Strohhalme für das unsichere, sich erfindende „Ich“ fand?

Darf man dem, was man heute als jugendliche Schwärmerei abtut, ein kaltes „bullshit“ entgegensetzen?

Als Versuch einer Antwort:

„Durch das Jahr — nach und (nicht nur) mit Hesse

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Herr Hesse rudert übern See

holt aus der Schweiz sein Gemü-se.

Gebrochen ist das klirrend Eis,

nur der Säntis* ist noch weiss.

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Der Frühling, er ist nicht mehr weit,

das Land legt an sein buntes Kleid.

Allerorts Geburt und Werden,

es regt der Wurm sich in der Erden.

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Man ahnt`s: der holde Frühling lenzt,

bald man sich mit Veilchen kränzt.

Kuss und Kosen, Schmatz und Schatz,

in meinem Herzen ist Dein Platz.

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Meine warmgespielte Geige

hängen werd`ich in die Zweige

der schlummernd` mondbekränzten Bäume.

Tief das Atmen güldner Träume.

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Schon zuckt`s in meiner rechten Hand.

Mein Dichterherz, es ward`entbrannt

nach des Hesse`s trefflich Reimen.

Auf diesem Humus muss es keimen.

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Und müh`mich um des Verses Kraft

Uff — noch einer ist geschafft.

So reim` ich denn das Herz auf Schmerz,

ernst ist der Drang, kein Raum für Scherz.

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Denn in meiner Brust erglüht

ein banges Dichterwehe.

Und werde bald dies` Liedes müd`,

da ich die Welt doch düstrer sehe.

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Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,

folg` ich der Vögel wundervollen Flügen.

Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,

entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.

Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.

Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.

Es schwankt der rote Wein an rost`gen Gittern….

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Herbst, kühle mir das heisse Herz,

dass es gelinder schlage

und still durch güldne Tage

hinüberspiele winterwärts.

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Und wer`s am Schluss noch nicht erkannt,

dem häng` ich mit der warnend` Hand

noch dran den hochmoralisch` Schluss,

weil jeder es begreifen muss:

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Die Freude ist von kurzer Dauer,

denn der Verfall liegt auf der Lauer.

Und in des kommend` Winters Ruh

machen auch wir die Augen zu.“

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* höchste vom Bodensee aus zu sehende Bergspitze der Voralpen

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Gedanke 1: Trenne die „Knittelverse“ von denen Hesses, oder:

Welche Verse sind von Hesse?

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Gedanke 2: Welche Verse sind weder geknittelt und / oder n i c h t von Hesse, oder:

Wo „verstecken“ sich die Verse eines guten Autors?

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Gedanke 3: Welche Kritik an Hesses Dichtkunst hörst Du aus der vorliegenden „Komposition“ heraus?

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Gedanke 4: Nimm ein Blatt Papier und einen Stift — und dann schreibst Du….

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Silvia Jelincic

Silvia Jelincic bewertete diesen Eintrag 04.12.2016 22:46:04

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