Costa Rica: Spanisch lernen und Tiere pflegen im Proyecto Asis

Die in die Jahre gekommene Klammeraffen-Lady schiebt ihre kalte schwarze Hand ohne Scheu durch die Gitterstäbe und genießt es, dass sie von mir gestreichelt wird. Ich schaue in ihre ruhigen braunen Augen. Sie ist kein bisschen nervös und ist den Kontakt mit Menschen gewohnt. Leider.

Wie mag es wohl sein, ein Leben lang eingesperrt zu sein?

Alleine in Deutschland werden mehr als 30 Affenarten bei Privatleuten gehalten und wie Haustiere behandelt. Was in Deutschland im „artgerechten“ Gehege unter einigen Auflagen und mit einem Blick auf das Washingtoner und EU-Artenschutz-Übereinkommen teilweise erlaubt wird, ist in Costa Rica gänzlich verboten.

In Costa Rica teilt man die für mich richtige Auffassung, dass Wildtiere auch in die Wildnis gehören.

Doch immer noch kommt es vor, dass wilde Tiere auf den Schwarzmärkten Costa Ricas gehandelt und im Anschluss von Menschen in Käfigen gehalten werden.

Den beiden Klammeraffen im Proyecto Asis, die den ganzen Tag im Kreis durch das Gehege turnen, so dass einem beim bloßen Zuschauen schon schwindelig wird,  erging es ähnlich. Sie wurden von Menschen gefangen und als Haustiere gehalten. Irgendwann wurden die vermeintlichen Tierfreunde, welche die Nähe zu den gefangenen Tieren so schätzen, von Nachbarn verpfiffen. Doch da war es für die Klammeraffen leider schon zu spät – sie konnten nicht mehr in die freie Wildnis ausgesetzt werden. Ein Grund dafür ist, dass viele Affen bereits als Baby in menschliche Hände gelangen. So wachsen sie in einer völlig naturfernen Umgebung auf und lernen nie, wie ein Affe im Urwald überlebt.

Glücklicher ist die Situation bei einigen Papageien. Ihnen werden die Federn gestutzt, was sie zeitweise flugunfähig macht. Doch die Federn wachsen in den meisten Fällen nach. Im Proyecto Asis werden diese Tiere aufgepäppelt und schlussendlich wieder in die Freiheit entlassen.

Papageien, deren Flügel gebrochen oder irreversibel beschädigt wurden, können nie wieder in die Freiheit entlassen werden. Sie würden nur wenige Tage im Wald überleben.

Das Proyecto Asis wird damit für die Papageien zum Hospiz, in dem sie wohl behütet leben und gepflegt werden, ehe sie nach bis zu 140 Lebensjahren sterben: Und die Schuld daran trägt einzig und alleine der Mensch.

Gut, dass es Menschen gibt, die versuchen die Grausamkeiten ihrer Mitmenschen zu reparieren. Das Proyecto Asis kümmert sich um solche Tiere, päppelt sie auf und entlässt sie je nach Zustand wieder in die Wildnis.

Um das Projekt zu finanzieren, gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen werden für 29 US Dollar eineinhalbstündige Führungen angeboten und zum anderen kann man sich als Volontär für eine bestimmte Zeit für das Projekt verpflichten. Da man als Volontär bei spanischsprachigen Gastfamilien untergebracht ist, kommt man in die einzigartige Gelegenheit sein Spanisch aufzufrischen oder gar neu zu lernen.

Allerdings liegt der Wochenpreis für nur eine einzige Woche als Volontär inkl. Unterkunft und Vollverpflegung bei unglaublichen 630 US Dollar, was ungefähr dem Monatsverdienst eines durchschnittlichen Costa Ricaners entspricht.

4
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

Silvia Jelincic

Silvia Jelincic bewertete diesen Eintrag 14.12.2015 23:17:15

Spinnchen

Spinnchen bewertete diesen Eintrag 14.12.2015 23:17:15

irmi

irmi bewertete diesen Eintrag 14.12.2015 23:17:15

fischundfleisch

fischundfleisch bewertete diesen Eintrag 14.12.2015 23:17:15

1 Kommentare

Mehr von Steven Hille