Wie politische Entscheidungen in Washington den Weg für 20.000 entkommene IS‑Angehörige ebneten

Zerfall einer Ordnung: Wie al‑Hol kollabierte

Als die kurdischen SDF das Lager al‑Hol noch kontrollierten, war die Lage prekär, aber stabil genug, um rund 24.000 Insassen – überwiegend Angehörige des IS – festzuhalten. Diese Stabilität beruhte jedoch auf einem Fundament, das von Anfang an brüchig war: Die Kurden konnten das Lager nur sichern, weil sie sich auf die militärische, logistische und politische Unterstützung der USA stützten. Ohne diese Rückendeckung wären sie kaum in der Lage gewesen, ein Areal dieser Größe und Gefährlichkeit zu kontrollieren.

Die SDF hatten sich über Jahre auf die militärische Präsenz und politische Rückendeckung der USA verlassen. Diese Unterstützung war nicht nur symbolisch, sondern strukturell entscheidend: Sie stabilisierte die Region, schützte die kurdische Selbstverwaltung vor Angriffen und ermöglichte die Bewachung großer IS‑Gefangenenpopulationen.

Seit seinem zweiten Amtsantritt forderte Trump die europäische Staaten wiederholt auf, ihre IS‑Bürger zurückzunehmen – ohne jedoch eine stabile Sicherheitsstruktur zu garantieren.

Das führte zu einer Situation, in der die Kurden mit tausenden ausländischen IS‑Angehörigen allein gelassen wurden. Trump wusste also ganz genau, was der Entzug seiner Unterstützung bedeutet:

Die Flucht zig-Tausender IS-KÄMPFER.

Das führte zu einer Situation, in der die Kurden mit tausenden ausländischen IS‑Angehörigen allein gelassen wurden.

Medienberichte beschreiben, dass Washington in den vergangenen Monaten Truppen verlegte, logistische Hilfe reduzierte und sicherheitspolitische Prioritäten verschob. Für die SDF bedeutete das, dass sie plötzlich ohne den Rückhalt dastanden, der jahrelang ihre Handlungsfähigkeit garantiert hatte.

Die US‑Politik unter Präsident Donald Trump hatte bereits zuvor die strategische Lage der Kurden geschwächt, doch nun traf sie die SDF in einem Moment, in dem sie ohnehin unter massivem Druck standen. Die Türkei verstärkte ihre Präsenz an der Grenze, die syrische Regierung drängte auf Rückeroberung kurdischer Gebiete, und die SDF mussten Truppen abziehen, um eigene Städte zu schützen. Die Bewachung von al‑Hol wurde dadurch immer dünner.

Als die SDF sich schließlich aus dem Lager zurückzogen, geschah dies ohne koordinierte Übergabe an syrische Regierungstruppen. Genau in diesem Machtvakuum kam es zu dem, was syrische Behörden später als „mass escape“ bezeichneten. Laut syrischem Innenministerium wurden mindestens 138 Durchbrüche in der Lagerumzäunung entdeckt. Tausende nutzten die chaotische Situation zur Flucht.

NBC News berichtet, dass das Lager rund 23.500 Menschen beherbergte und nach der Übernahme durch syrische Kräfte „mass escapes“ stattfanden.

Ya Libnan zitiert die Financial Times mit der Angabe, dass über 20.000 Insassen verschwunden seien – nahezu die gesamte Lagerbevölkerung.

Al Jazeera bestätigt ebenfalls massive Fluchten unmittelbar nach dem Rückzug der SDF.

Heute ist das Lager weitgehend aufgelöst, und Tausende ehemalige Insassen gelten als verschwunden.

Die syrischen Truppen trafen also erst ein, als der Kollaps bereits im Gange war. Sie fanden ein Lager vor, das „in unkoordiniert geöffneter Weise“ zurückgelassen worden war, wie das Innenministerium erklärte. Die Fluchten hatten da bereits stattgefunden – ein Prozess, der sich über Wochen hinzog und das Lager praktisch entleerte.

Die zentrale Frage lautet daher nicht, warum die syrischen Truppen das Lager nicht halten konnten, sondern warum die SDF es nicht länger halten konnten. Und hier führt die Spur unweigerlich zurück zur veränderten US‑Politik: Die Kurden verloren den Schutz, die Ressourcen und die internationale Rückendeckung, die sie jahrelang in die Lage versetzt hatten, al‑Hol zu kontrollieren. Die Entscheidungen der US‑Regierung unter Trump – von strategischen Rückzügen bis zur Reduktion operativer Unterstützung – schufen die Bedingungen, unter denen das Lager schließlich kollabierte.

Und wo sind sie jetzt?

Viele der Geflohenen aus al‑Hol haben sich in alle Richtungen verstreut, und ihr Verbleib bleibt weitgehend unklar. Ein großer Teil soll innerhalb Syriens untergetaucht sein – entweder in Gebieten unter Regierungskontrolle oder in schwer zugänglichen Regionen des Nordostens. Andere nutzten Schmuggelrouten in Richtung Türkei oder Irak, wo Sicherheitsbehörden eine mögliche Reorganisation von IS‑Zellen befürchten. Einzelne versuchten offenbar, über Damaskus oder Beirut in ihre Herkunftsländer auszureisen. Die syrische Regierung meldet zudem, einige Familien in andere Lager verlegt zu haben. Experten warnen, dass sich viele der Entkommenen erneut dem IS anschließen könnten; Schätzungen sprechen von rund 20.000 Personen, die nun frei unterwegs sind – ein erhebliches Sicherheitsrisiko.

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Dolm

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