Will die EU einen russischen oder ukrainischen Sieg im Krieg?

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Von rechter Seite wird immer wieder behauptet, die EU sei eine Pro-Selenskij-Kriegspartei, und würde viel zu viel Ukrainehilfe leisten.

Aber einige sehr wesentliche Aspekte werden dabei von praktisch allen Parteien oder Medien, auch rechten oder rechtsextremen, verschwiegen bzw. vertuscht:

Die Ukraine hatte laut Berichten von Anfang 2022 an ein Wehrpflichtantrittsalter für Männer von 25 Jahren, was sehr hoch ist im internationalen Vergleich.

Die Ukraine hat keine Wehrpflicht für Frauen, was aus mehreren Gründen seltsam und untypisch ist für kriegsführende Staaten, speziell in diesem Fall.

Die Ukraine war 2020 eines der drei Länder weltweit mit den höchsten Frauenüberschüssen. D.h. eine Wehrpflicht für Frauen hätte hier zahlreiche Kämpferinnen gebracht.

In den letzten vier Jahren des Krieges sind hunderttausende oder Millionen wehrpflichtige ukrainische Männer in den Westen geflohen, oftmals vor der Wehrpflicht geflohen, sozusagen.

Und die Ukraine hatte praktisch permanent substanziellen Mangel an Soldaten, praktisch permanent ausgedünnte Fronten oder Frontabschnitte. Man kann mit Waffen und Zahlungen alleine keinen Krieg gewinnen, man braucht ausreichend Kämpfer und Kämpferinnen.

Wie soll die Ukraine ohne ausreichend Männer, Kämpfer, oder mit viel zuwenig Kämpferinnen und Kämpfern einen Krieg gewinnen, noch dazu gegen ein Land wie Russland, das eine dreimalsogroße Bevölkerung hat?

Der Westen, also insbesondere die baltischen Staaten, Polen, Schweden, Finnland, Deutschland, aber auch in geringerem Umfang Österreich praktizierten im Ukrainekrieg eine großzügige "Flüchtlingsaufnahme", bzw. "Wehrpflichtigenaufnahme" mit zahlreichen Leistungen, die es der Ukraine sehr erschwerte, in diesem Krieg erfolgreich zu sein.

Nur ganz wenige Leute haben das kritisiert:

z.B. der US-amerikanische Colonel (Oberst) Douglas MacGregor, der gleichzeitig Politikwissenschafter ist.

zumindest Verständnis zeigte der österreichische Brigadier Walter Feichtinger (auch Politikwissenschafter) in Bezug auf die Forderung von Ukraine-Präsident Selenskij, der Westen solle mehr unternehmen, damit ukrainische Wehrpflichtflüchtige, bzw. "Fahnenflüchtige" zurückkehren.

In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich auch die Frage, ob die Kriegspropaganda eines riesengroßen Teils der EU-Medien nur Geschäftemacherei für die Waffenindustrie war, während gleichzeitig die Siegeschancen der Ukraine im Krieg wegen Soldatenmangel, der auch noch von den EU-Staaten verschlimmert wurde, sehr schlecht waren.

ntv-Bericht von Kavita Sharma über "Fahnenflucht als Riesenproblem der ukrainischen Armee"

SPD-Politiker Ralf Stegner über die Dominanz der Waffenindustrie

Haben uns praktisch alle Medien des Westens 4 Jahre lang verschwiegen, dass die Waffenlieferungen und Zahlungen an die Ukraine eigentlich ziemlich sinnarm sind, wenn die EU gleichzeitig Hunderttausende oder Millionen ukrainischer Wehrpflichtiger aufnimmt, und privilegiert versorgt ?

Gab es Drängen von EU-Politik dahingehend, die Wehrpflicht in der Ukraine auf Frauen auszudehnen, oder das laut Berichten praktische Wehrpflichtalter von den (im Vergleich hohen) 25 Jahren zu senken ?

Als BürgerInnen und ZahlerInnen haben wir das Recht auf Transparenz, das Recht, zu erfahren, ob wir hier im Interesse der Waffen- und Rüstungsindustrie von den herrschenden Industrie-verbündeten Medien massiv belogen wurden.

Und sollen die EU-Staaten nun nach 4 Jahren Versäumnissen massive Anstrengungen unternehmen, um ukrainische wehrpflichtige Männer, und vielleicht auch Frauen in die Ukraine zurückzuschicken, um die Siegeschancen der Ukraine zu erhöhen ?

Und im Übrigen war der NATO-Gipfel in Bukarest 2008, bei dem die NATO eine widersprüchliche, und als Kriegsprovokation betrachtbare Position einnahm, speziell in bezug auf die Ukraine und Georgien, vermutlich der größte Fehler in der Geschichte der NATO.

Diese unklare und widersprüchliche Position der EU, dass sie einerseits Waffen und Zahlungen an die Ukraine leistet und sie so stärkt, aber andererseits die Ukraine durch Wehrpflichtigendiebstahl massiv schwächt, kann man auch als eine Form der Neutralität betrachten. So gesehen praktiziert die EU die Neutralität, während die FPÖ der Regierung fälschlicherweise vorwirft, die Neutralität in Bezug auf den Ukrainekrieg zu verletzen. Dass ausgerechnet die FPÖ bzw. ihr Vorsitzender Kickl, die/der neutralitätsbrecherisch durch Glorifizierung des als Kriegsverbrechers angeklagten Netanjahu und der Aufnahme des Likud als Beobachter in die sogenannte "Patrioten"-Fraktion auffiel, sich nun als Gralshüter der Neutralität aufspielt, kann man als Ironie der Geschichte betrachten.

Der frühere US-Präsident Dwight D. Eisenhower (selbst Weltkriegsgeneral und deutschstämmig, wie der Name schon anklingen läßt, ein moderater Republikaner) hielt so ziemlich um 1960 eine in die Geschichte eingegangene Rede, in der er einerseits eine starke Armee betonte, aber andererseits vor dem "militärisch-industriellen Komplex" warnte, und vor dessen Verselbständigung, Eisenhower warnte auch davor, dass der "militärisch-industrielle Komplex" zu große Teile des Bruttonationalprodukts auffressen könnte, und dass der militärisch-industrielle Komplex die Demokratie aushebeln könnte. Es stellt sich die Frage, ob heute nicht ähnliche Prozesse im Gang sein könnten, auch in der EU.

Während dem Republikaner Eisenhower hatten die USA Berichten zufolge übrigens einen 90%-Spitzensteuersatz, der sich auf eine einzige Person bezog: Rockefeller.

Artikel über Ukraine-Armee und Wehrpflicht

Die Frage "Aufgeben und sich der Diktatur unterwerfen oder riskanten Krieg führen gegen einen Feind?" ist ein uraltes Thema der Geschichte und der Kunst. Letztlich läuft auch der Monolog von Shakespeares Hamlet "Ist es edler, die Schläge des Schicksals zu erdulden oder sich gegen die Ungerechtigkeiten des Lebens zu wehren? " genau auf diese Frage hinaus.

Der SPÖ-nahe Jurist Hans Kelsen, der ca. 1919 eine Zeitlang Verfassungsgerichtshofmitglied war, und dem die SPÖ ca. 1929 eine neuerliche Entsendung in den VfGH anbot, der an der österreichischen Verfassung mitarbeitete, auch wenn die Weite umstritten ist, vertrat die geupgradete Auffassung, dass die Position, es bestehe eine Pflicht, für seine Nation, seine Union oder seine Demokratie sein Leben zu opfern, quasi gleichberechtigt sei neben der Position, dass der Wert des individuellen Lebens über allem stehe, und dass es beim Vergleich zwischen diesen beiden Wertesystemen keine rational-wissenschaftliche Entscheidungsgrundlage und Priorisierung geben kann.

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Matt Elger

Matt Elger bewertete diesen Eintrag 21.02.2026 22:10:40

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