Eigentlich wollte ich mich hinsetzen und einen Text über Alltagsrassismus schreiben, doch auf dem Weg nach Hause habe ich eine Situation beobachtet, die mich zwingt, die Thematik in eine etwas drastischere Richtung zu lenken. Dafür schildere ich kurz das Geschehene:

Hamburg, Barmbek, Bushaltestelle.

Feierabend; ich warte auf den Bus, der mich nach Hause fährt.

Der Bus fährt endlich vor und ich reihe mich ein in die Menge von Menschen, die in den selben Bus will.

Ein oder zwei Meter von mir entfernt stehen ein Mann und eine Frau; vermutlich ein Paar.

Eine andere Frau geht an den Beiden vorbei und rempelt, wahrscheinlich aus Versehen, die Frau an.

Die Frau sagt daraufhin zu ihrem Freund/Mann:"Ey, was rempelt sie mich an?!"

Er(laut): "Fotze!"

Doch es ist nicht diese unverhältnismäßige Reaktion, die mich in Aufruhr gebracht hat, sondern folgender Satz ihrerseits:

"Soll sie doch eine Ausländerin anrempeln und nicht mich!"

Diese Anekdote könnte man eigentlich so schon stehen lassen, um zum Nachdenken anzuregen, doch ich werde mal einen Versuch starten trotz meiner Empörung ein paar Worte zu finden.

1. Aus meiner Heimatstadt, die eine Kleinstadt mit 8.000 Leutchen ist, ist mir Rassismus und auch "Alltagsrassismus" wohl bekannt; und dass auch in einer weltoffenen Großstadt wie Hamburg intolerante Idioten herumlaufen, überrascht mich jetzt auch nicht gänzlich, doch so etwas habe ich vorher noch nicht erlebt. Weder in meiner Heimatstadt, noch in Hamburg, noch sonst wo.

2. Empörung beschreibt eigentlich nicht mal ansatzweise, was gerade in mir vorging. Hauptsächlich bin ich traurig über das Fehlen von Menschlichkeit; sowohl bei diesem Paar, aber auch im Allgemeinen. Denn mit welcher Begründung hat ein Ausländer/eine Ausländerin es mehr verdient angerempelt zu werden? Es gibt keine; und auch der Frau wäre mit Sicherheit kein einziges valides Argument eingefallen. Und genauso ist es doch immer bei der Ausländer- und Flüchtlingsthematik: Viel Gepöbel, wenig Grips und keine Menschlichkeit.

3. Jeder, der der Meinung ist, Ausländer seien der Sand im sozialen Getriebe unserer Gesellschaft, sollte vielleicht mal in Erwägung ziehen, dass intolerante Idioten und Rassisten das Problem sind.

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