Hermann Nitsch feiert heute seinen 80er! Alle Medien schreiben drüber. Einer seiner besten Freunde, der Künstler Alfred Biber, feierte vor sechs Jahren seinen 70er, kein einziges Printmedium hat darüber berichtet. Vor fünf Jahren, am 3. September 2018, ist Alfred Biber verstorben. „Der Standard“ hat darüber eine Kurzmeldung gebracht. Immerhin.

Alfred Biber gehörte zur antiquierten Gattung der Künstler aus Berufung. Er hat seinen Beruf in der Werbebranche an den Nagel gehängt um seiner Berufung zu folgen. Für so eine Entscheidung gibt es selten einen zureichenden Grund, aber rückblickend wird man sicher viele unzureichende Gründe finden. Einer davon heißt Hermann Nitsch.

Nitsch wird’s nicht freuen, als „unzureichender Grund für Alfred Biber“ in die Geschichte einzugehen, und Biber war der erste, der sich gegen diese respektlose Einschätzung verwehrt hat. Doch als Galerist von Alfred Biber sei mir dieser kleine Seitenhieb auf einen Künstler erlaubt, aus dessen Schatten Biber nie richtig hervortreten konnte. Mit Nitsch verbindet Biber eine langjährige, künstlerische Freundschaft. Trotzdem – oder deswegen? - konnte er nie an die Markt-Erfolge seines Freundes anschließen.

Würden Kritiker und Kuratoren bei Alfred Biber einmal genauer hinschauen, so müssten sie entdecken, dass sein Leitmotiv „Übermalungen eigener Arbeiten“ zu einer Zeit, als Malerei - unter anderem von Peter Weibel - für tot erklärt wurde, eine Entscheidung war, gegen den Strom zu schwimmen. Bis zur Wahrnehmungsgrenze der Insider und des Kunstpublikums gelangte aber nur Arnulf Rainer, dessen Übermalungen schnell in den Mainstream der „gefragtesten“ und „angesagtesten“ Künstler der Zeit aufgenommen wurden. „Rainers Kunst der Aneignung sucht bis heute Ihresgleichen“, schreibt die Kunstzeitung in ihrer Ausgabe 9/2014. Da hat der Autor wohl nicht viel Zeit auf die Suche verschwendet.

Übermalung ist nicht gleich Übermalung, wie Wolfgang Denk bemerkt hat: "Alfred Bibers Arbeiten sind bi-polare Bilder, oder sind es bi-polare Übermalungen von Bildern, oder sind es multi-polare Übermalungen von bipolaren Übermalungen von Bildern? Befragt man das Werk Bibers, fällt einem eine Interpretation besonders ins Auge, nämlich dass dort scheinbar grundlegend verschiedene Rhythmen zu einem spannungsvollen Ganzen verbunden sind. Bibers Bilder wirken obsessiv und ruhig zugleich, geplant und voll von kontrolliertem Chaos."

Zu der Zeit, als Malerei wieder salonfähig wurde, hat Biber mit der konsequenten Weiterentwicklung seiner multipolaren Bilder bereits einen genuinen Beitrag zur Entwicklung der Malerei des 20. Jahrhunderts geleistet, während Aktionisten und Konzeptualisten die (Öl-)Farbe wieder entdeckten, weil sie damit die Marktnachfrage leichter bedienen konnten als mit Aktionsrelikten. Alfred Biber ist deshalb für mich als Maler interessanter und gewichtiger als Hermann Nitsch. Und um Dimensionen interessanter als viele andere Namen, die ich nicht für nennenswert halte.

Soviel lässt sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts bereits sagen: auch im 20. Jahrhundert war die Malerei noch die wichtigste Ausdrucksform der bildenden Kunst. Dem entsprechend ist Bibers Beitrag zur Entwicklung der Malerei des 20. Jahrhunderts eine künstlerische Leistung, die Beachtung verdient – auch in den Museen dieser Welt!

Marlon Traber www.kunstsammler.at

Drei Werke von Alfred Biber, u.a. Ecce Homo, Öl, Acryl auf Brikonit, 140x200 cm, 1989, sind in der Ausstellung PARALLELAKTION KUNST 2018, die am Montag, 3. September 2018 eröffnet wird, zu sehen. Ort: der Kunstraum in den Ringstrassen Galerien, 1010 Wien, Kärntnerring 11-13 / 144

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