Spare in der Zeit - oder - rette sich, wer kann

(c) sigurt funk

Zugegeben viele Betriebe, große Handelshäuser, vor allem aber junge EPU (Einpersonenunternehmen) haben es nicht leicht in diesen Tagen. Die Kunden fehlen. Viele Unternehmen brauchen - wie auch Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz entweder ganz verloren haben oder auf Teilzeit gesetzt sind, staatliche Unterstützung. Die geforderte physische Distanz beim Einkaufen initiierte ein Ausweichen auf online-Bestellungen bei internationalen Handelsketten wie Amazon, die hier zu Lande kaum bis gar nicht besteuert werden. Das ist der falsche Weg.

Ich bin sehr dafür, lokale Betriebe zu unterstützen, regional einzukaufen – nicht nur jetzt, sondern immer, vor allem, um den unsinnigen LKW-Verkehr zu vermindern, der die Waren kreuz und quer durch Eurpa karrt, aber dennoch frage ich mich, was die Betriebe, wie Kastner und Öhler und andere „Große“, die nach einer Woche „eingeschränkten Betriebs“ bereits von Konkurs sprechen, wohl mit ihren seit Jahren steuerfrei gestellten Investitionsrücklagen gemacht haben. Ich glaube nicht, dass die amtierende Regierung einen Antrag würde verhindern wollen, der das Ziel verfolgt, diese Rücklagen nun zur Abdeckung des Umsatzentganges zu aktivieren. Eine solche Verordnung zu erlassen, wäre eine Frage von Stunden. Und - wurden keine Gewinne angespart?

Dass der ÖVP-Mannschaft innerhalb der Regierung eine solche Maßnahme nicht selbst einfällt, wundert mich nicht, gehören die Betroffenen doch zu ihrer bevorzugten Klientel. Dass auch die (linken) Grünen eine solche Idee nicht hervorbringen, wundert mich schon.

Und dann sollte man auch über den Begriff „‚verantwortungsvolle Unternehmensführung“ sprechen:

Mit welch geringem Verantwortungsbewusstsein agierten hochbezahlte Betriebsführer, die in den letzten Jahren bei relativ guter Konjunktur für ihre Unternehmen keinerlei Rücklagen für den Notfall gebildet haben? Die Unternehmen leben nun notgedrungen, „von der Hand in den Mund“. Eine verantwortungsbewusste Hausfrau denkt weiter.

Jetzt rächt es sich anscheinend, die Gewinne der vielen guten Jahre rücksichtslos und restlos den „share-holdern“ ausgeliefert zu haben, anstatt wenigstens mit einem Auge auch die Eigenkapitalausstattung im Blick zu haben.

Das sollte man bei dem Lamento, das sich allerorten erhebt, auch bedenken. Um so mehr, als wieder einmal genau die in der ersten Reihe stehen, wenn es um Förderungen geht, die sonst so gerne den „Marktmechanismen“ das Wort reden. Ihnen sei ins Stammbuch geschrieben, dass man den Untergang der finanzschwachen Unternehmen, die nicht anständig vorgesorgt haben, auch gesunde Marktbereinigung nennen könnte.

Wenn wir nicht aufpassen, nützen geschickte Taktiker die Krise ausschließlich dazu, sich wieder einmal am „Selbstbedienungsladen Österreich“ zu bedienen.

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Bernhard Juranek

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