Warum Geld im Kapitalismus nicht wichtig ist

Fragt man Personen mit einer eher sozialistischen Weltsicht wie sie die Problem der Welt lösen würden, so läuft es immer irgendwie auf Geld hinaus. Man müsse denen mehr Geld geben, denen etwas wegnehmen und außerdem und überhaupt gibt’s ja genügend Geld, es hätten ja nur die Falschen. Auf jede Entgegnung wird einem dann zurückgeworfen dass sie ja für die Menschen wären und ihre Kritiker fürs Geld.

Genau das Gegenteil ist wahr.

Der Kapitalismus braucht kein Geld.

"Kapital" ist ja kein Synonym für Geld. Geld ist nur ein Werkzeug um Information zu vermitteln.

Im Kapitalismus, also einem System in dem jeder einer Transaktion zustimmen muss damit sie zulässig ist, gibt es Personen die mehr haben als andere. Im Kapitalismus gibt es nur einen einzigen Weg um legitim an Geld zu kommen: jemand muss es einen freiwillig(!) geben. Das kann durch Handel passieren oder durch ein Geschenk.

Die einzige Möglichkeit Geld zu verlieren ist wieder es freiwillig herzugeben, entweder als Handel oder als Geschenk. (wir ignorieren die Möglichkeit des „ich verliere eine Geldmünze auf der Straße“ für heute)

Im Falle des Handels bedeutet das dass wir Geld bekommen wenn wir für einen anderen einen subjektiv wahrgenommenen Nutzen stiften. Die Menge des Geldes ist Verhandlungssache. Der gleiche Teppich kann 10 oder eine Million Euro kosten. Ob er „das wert ist“ entscheidet der Käufer.

Wenn man seine Arbeit zu billig verkauft und für die Dinge die man haben will zu viel zahlt dann hat man weniger als man haben könnte. Das ist aber im Kapitalismus nicht das Problem der Allgemeinheit sondern der Person die die Entscheidungen trifft. Wir nennen das "Eigenverantwortung".

Personen die es schaffen mehr einzunehmen als auszugeben haben einen Überschuss und Menschen die mehr ausgeben als sie einnehmen haben ein Defizit. Die einen werden daher reich, die anderen werden so arm. Das Problem ist aber eben nicht dass die Armen „kein Geld hätten“ sondern das Problem ist dass sie entweder zu wenige Dinge tun die ihre Mitmenschen als „nützlich“ empfinden oder sie zu viel für Dinge ausgeben die sie konsumieren.

Das Geld zeigt das Problem nur auf. (Aus dem gleichen Grund sind wir nicht zu schnell nur weil der Tacho eine zu hohe Zahl zeigt, wir sind zu schnell weil wir zu viel Gas geben. Die Lösung ist also nicht den Tacho zu verändern.)

Und hier beginnt die Sache unangenehm zu werden. Der Kapitalismus sagt uns recht schonungslos was unsere Arbeit wert ist und diese Information ist mitunter schwer zu verdauen. Dass ein Profifußballer in zwei Stunden mehr Werte schaffen kann als ich in einem Jahr fühlt sich wie ein Schlag ins Gesicht an. Was tut der schon? Der läuft einem Ball nach und zieht sich sein Leiberl über den Kopf wenn er den blöden Ball in ein Tor getreten hat während ich hier das System erhalte. Ist das fair?

Die Antwort ist: ja.

Es fühlt sich nicht so an aber dieser Vollathlet schafft mit seiner Vorführung für so viele Menschen einen kleinen Nutzen dass sein Gehalt rechtfertigbar ist, auch wenn es sich nicht (für mich) nicht so anfühlt.

Auch die Idee dass man mit Geld nur mehr Geld zugetragen bekommt ist nicht korrekt. Die Devidende einer Aktie etwa bedeutet dass man mit einem Einsatz von 1000€ bei 3% (und dort spielt sich die Realität ab) im Jahr 30€ verdient. Und dann kommt noch Staat und Bank und es bleiben 25€ übrig. Es dauert also 40 Jahre bis man 1000€ verdient hat und man nicht mehr Gefahr läuft mehr zu verlieren als man gewonnen hat. Das ist kein Gratisbier. Auch das ist Arbeit.

Welchen Nutzen stiftet man aber mit dem Kauf einer Aktie?

Man vermittelt dem Markt wo man subjektiv Wert sieht. Wenn ich etwa meine dass Disney dumme Entscheidungen trifft und ich daher meine Disney Aktien verkaufe (und der Wert der Disneyaktie daher fällt), dann weiß Disney dass sie was falsch machen. Das führt dann üblicherweise zu einer Kurskorrektur was zu besseren Produkten führt, denn der Investor schaut üblicherweise ob die Firma in die er investiert Dinge macht die der Markt will, denn so macht die Firma Geld und zahlt ihm eine Rendite.

Auch der Aktienkäufer schafft also Nutzen und zwar für die Firma und den Konsumenten.

Kapitalismus zeigt uns also gnadenlos ob wir Nutzen stiften oder nicht. Und genau das wollen wir aber in Wirklichkeit nicht so genau wissen. Jeder will glauben dass er unverzichtbar ist aber in Wirklichkeit ist es eben so dass manche unserer Mitmenschen mehr nehmen als geben und andere mehr geben als nehmen und in beiden Situationen gibt es Fälle wo das mehr als ungerecht wirkt. Und diese Ungerechtigkeit kann man kompensieren indem man schenkt, indem man Leuten die zu wenig haben etwas gibt. Auch das ist Teil des Kapitalismus.

Wer aber bleibt dann noch übrig?

Übrig bleiben Menschen die nichts Nützliches für ihre Mitmenschen tun und denen auch niemand bereit ist unter die Arme zu greifen und zu helfen.

Der Kapitalismus ist gnadenlos in seiner Deutlichkeit. Ich denke dass ihn das so verhasst macht. Das Geld ist aber nicht das Problem an der Sache sondern die schlichte Wahrheit dass es Menschen gibt die mehr geben als nehmen und solche die es andersherum tun und nicht einsehen wollen dass sie etwas ändern sollten.

Es eben einfacher zu behaupten dass die Welt das Problem sei und sich ändern sollte als aus der Information etwas zu machen und sich zu verbessern.

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Tourix

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