Bleibt man beim eher simplen links/rechts Spektrum im Bereich der Politik, so muss als erstes festgehalten werden, dass zwischen links und rechts eine ganze Menge Mitte zu finden ist. Ob die Mitte ein Pol für sich sei oder man von gemäßigt rechts auf gemäßigt links umspringt, ist eine andere Debatte.

Es lässt sich aber kaum abstreiten, dass es sich in der Sache nicht um eine ganz oder gar nicht Angelegenheit handelt sondern um einen fließenden Übergang, so ist jemand der zwar für Homosexuellenehe eintritt, aber die Bahn vollständig privatisieren will wohl ein Mensch der Mitte.

Wenn es eine Mitte gibt, die vom Rest unterscheidbar ist, dann gibt es auch Ränder die vom Mainstream unterscheidbar sind.

Ränder haben die unangenehme Eigenheit etwas aus der Balance zu sein. Für Jemanden in der Mitte gibt es immer die Möglichkeit zu pendeln, ist man schon im Extrem wird das schwierig. Extremisten neigen dazu jede Verhandlung als Zeitverschwendung zu sehen und wollen alle ihre Forderungen umgesetzt sehen. Im Zweifesfall mittels Gewalt. Kompromiss ist keiner ihrer Stärken. Aber genau das ist ihre Stärke: es macht sie für einen gewissen Menschenschlag äußerst interessant.

Vor allem für den 16 Jährigen der sich auf einer A4 Seite zusammengeschrieben hat wie die Welt besser funktionieren würde.

Obwohl sowohl der rechte als auch der linke Flügel im Jahrhundert der Ideologien Millionen von Menschen umgebracht hat, hat nur der rechte Flügel definiert was zu rechts ist. Im wesentlichen ist das die Idee dass es Herren und Sklavenrassen gäbe und es in der Natur der Sache läge dass die einen über die anderen herrschen können, müssen und oder sollen. „genetische Überlegenheit“ ist das Schlagwort.

Die wenigen Verfechter (zb R. Spencer) dieser Ideologie werden von Linken gern als Beispiel für rechte Verkommenheit vorgeführt, von der zurechnungsfähigen Rechten (die die Mehrheit der Rechten stellt) aber ebenso verlacht.

Auch wenn die Linke gerne von Rassismus spricht und sich nicht davor scheut das Wort munter umzudefinieren, so ist etwa die Kritik an einer schneeweißen konvertierten Muslima rassistisch, ist das Thema im rechten Spektrum im Grunde erledigt. Die Rechte hat eine Grenze gezogen. Stolz auf seine Rasse zu sein ist für den rechten in Ordnung, einen Herrschaftsanspruch daraus abzuleiten aber nicht.

Wo ist die Grenze auf der linken Seite? Die Linke hat niemals den Versuch unternommen zu definieren was zu viel ist. Das mag im Wesentlichen daran liegen dass sie ihre Anführer eher unter den Extremen auswählen und für diese gibt es eben nicht ‚zu links‘.

Egal wie viele Millionen Menschen wegen linker Gleichmacherei und Umverteilung sterben, man sucht niemals den Fehler bei sich.

Ich schlage vor dass die Grenze die Ansicht ist dass alle Menschen völlig gleich sind und bei Gleichbehandlung zum gleichen Resultat kommen. Das Stichwort hier lautet „equity“. Equality, also die Idee dass alle gleich behandelt werden sollen und möglichst gleiche Chancen haben sich zu entfalten, ist eine legitime Ansicht.

Sie ist aus Sicht eines Zentristen genauso beknackt wie die Idee dass man stolz auf seine Rasse sein könnte, aber es kann nicht jeder pragmatischer Zentrist sein. Leben und leben lassen.

So lange die Linke nicht ihren Rand ins gleiche Eck stellt wie es die rechte getan hat, wird sie ein Problem mit diesem Rand haben. Die rechte wird im Moment verflixt rasch modern und es wird die Linke sein die die kommenden Jahrzehnte in der Defensive spielen wird müssen.

Will die Linke verhindern dass ‚links‘ zu einem Mainstreamschimpfwort wird, muss sie sich von den radikalen Elementen, also jenen Menschen die Equity fordern, scharf distanzieren.

Tut sie das nicht wird das Pendel weit in die andere Richtung schwingen.

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