Asylethik und das deutsche Schiff „Alan Kurdi“

Ethik ist der Teilbereich der Philosophie, die sich mit dem menschlichen Handelns befasst. Im Zentrum der Ethik steht das moralische Handeln. Asyl ist die temporäre Aufnahme von Verfolgten. Die Asylethik befasst sich somit mit dem „richtigen“ Handeln von Menschen, die Asyl gewähren und von Menschen, die Asyl annehmen = Asylanten.

Ein Asylant (≈ Asylbewerber) ist eine Person, die in einem anderen Staat als dem ihrer Herkunft Asyl sucht und die Aufnahme und den Schutz vor politischer, religiöser oder sonstiger Verfolgung beantragt. Ein Flüchtling ist eine Person, die ihren Aufenthaltsort wegen politischer Zwangsmaßnahmen, Kriegen oder lebensbedrohlicher Notlagen verlässt. Nach dem Genfer Abkommen sind Flüchtlinge nur jene Personen, die ihr Land verlassen, weil sie in ihrem Herkunftsland aufgrund von Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe (Ethnie) oder politischer Überzeugung verfolgt werden. Ein Flüchtling, der seine Heimat (nur) wegen eines Krieges verlässt, ist völkerrechtlich kein Asylant. Für die Flucht ist es gleichgültig, ob sie zu Fuß, auf einem Boot oder im Flugzeug stattfindet.

Ein Migrant ist jemand, der ein- oder auswandert. Völkerrechtlich gelten Migranten als Flüchtlinge, deren Status durch die Genfer Flüchtlingskonvention geregelt wird. Migranten haben kein Recht auf Asyl. Der Staat, bei dem der Flüchtling um Asyl bittet, ist nach internationalen Regeln, die oft gebrochen werden, verpflichtet, Asylanten richtig einzuordnen.

Diese Definitionen erklären, warum es Spezialisten bedarf, um die Ankommenden in Migranten, Flüchtlingen und Asylanten einzuordnen. Um die Chancen auf Aufnahme in Deutschland zu erhöhen, wird der Einreisende zunächst um Asyl nachfragen. Kommt er damit durch, so erhält er viele Rechte und Vergünstigen, die ansonsten nicht einmal jedem deutschen Staatsbürger zustehen. Zudem hat er wenig Pflichten. Doch kaum ein um Asyl Bittender erhält ein „echtes“ Asyl. Die meisten Asylanten werden als Flüchtlinge klassifiziert, weil sie ihr Land wegen Krieg, Korruption oder Armut verlassen haben. Letztendlich ist der Flüchtlingsstatus dem Asyl-Status gleichwertig, da die Kriege, weshalb der Flüchtling seine Heimat verlässt, sich über mehrere Generationen ziehen. Wenn er sich ausreichend integriert und einige seiner Kinder in Deutschland geboren werden, besteht die begründete Aussicht, dass er die deutsche Staatsangehörigkeit erhält und somit Eingang in das begehrte deutsche Sozialsystem.

Die deutschen Sozialsysteme gilt weltweit als die hervorragendsten. Reine (Arbeits)migranten werden gewöhnlich je nach Bedarf und Können ausgewiesen. Die offene Aufnahme von Flüchtlingen durch Deutsche ist durch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges bedingt, die historisch noch nicht verdaut und somit nicht korrekt eingeordnet werden. An der Aufnahmeseite ist ethisch zu bemängeln, dass entsprechend dem Völkerrecht es sich bei Verfolgten nur um eine temporäre Aufnahme handelt. Diese darf entsprechend der Asylethik lebenslang erteilt werden, wenn die Verfolgten einen Gewinn oder ein Vorteil für das Aufnahmeland Deutschland darstellen. Hierbei sind Empfindlichkeiten, Tabus und Sorgen der bereits vorhandenen Bevölkerung zu berücksichtigen. Ein Anrecht auf ewiges Bleiberecht in Deutschland und anderswo erhält nur der entsprechende Staatsbürger.

Man kann den Einwandern vorwerfen, dass sie nur deshalb nach Deutschland gekommen sind, weil sie die deutschen Sozialsysteme ansprechen. Doch dies ist kein Vorwurf. Schuld an den deutschen Sozialsystemen sind nicht die Flüchtlinge! Sobald es post Coronam wirtschaftlich zu gravierenden Problemen kommt, werden die dann politisch Verantwortlichen als Erstes die Sozialsysteme derart stutzen, sodass in der Folge bedeutend weniger Migranten nach Deutschland kommen werden. Nur eine Minderheit der Zuwanderer bleibt in Deutschland, weil sie die deutsche Kultur anspricht.

Nun erkennen wir die tiefe Bedeutung der Asylethik. Ethik ist das menschliche moralische Handeln, welches nicht vom Himmel fällt. Die deutsche Asylethik basiert bisher hauptsächlich auf den verlorenen Zweiten Weltkrieg. Wäre der Zweite Weltkrieg anders ausgegangen, so hätten wir keine solch offene und fortschrittliche Asylethik. Die gesamtdeutsche Asylethik wäre ein Abklatsch der real existierenden DDR-Asylethik, auf deren Gebiet nach der Wiedervereinigung (!) Ausländerheime angezündet werden: Pogrom von Rostock-Lichtenhagen vom 22. und 26. August 1992 mit bis zu 3000 applaudierende einheimischen Zuschauern.

Die schlimmen wirtschaftlichen Verwerfungen durch das Corona-Virus werden zu politischen Unruhen führen, die von Politikern ausgehen, die die Not der post Coronam-Verarmten ausnutzen. Diese Politiker wird man nicht unbedingt im rechten Lager vorfinden. Für viele Politiker bietet das Corona-Virus die Chance, ihre Amtszeit und ihren Einfluss über Gebühr zu verlängern. Die Asylpolitik wird lediglich das zündete Fanal werden, sich von unliebsamen Zuwanderern zu trennen. Das Schicksal der Menschen auf der „Alan Kurdi“ ist ein Vorbote auf die post-biologische Zeitenwende. Zumindest werden die Diskussionen um den Klimawandel verstummen.

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philip.blake

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