Von Narrativen und ihren unerwarteten Folgen I

Sind erst einmal Begriffe wie „Massentierhaltung“ und „Klimawandel“ alltäglich und in den Medien, so lassen sie sich nur mit großer Mühe aus dem gesellschaftlichen Gedächtnis entfernen. Die Begriffe, bei denen es sich wie hier um Vorwürfe handelt, sind mit Fakten nicht zu widerlegen. Die Meinungsführerschaft kann mit Fakten nicht zurückgeholt werden. Solche Begriffe haben einen religiösen Beigeschmack. Der Klimawandel-Gegner wird zum Klimaleugner, den der göttliche Bann trifft.

Die Energiebranche, die ihren realen Zustand zu verteidigen versucht und Kritik selbstbewusst durch Fakten zurechtrückt, verliert die Meinungsführerschaft an selbsternannten Umweltorganisationen, die staatlich oder privat unterstützt oder von Konkurrenzfirmen bezahlt werden. Um Erfolg zu haben, muss man mit den Bürgern über ihre Wünsche und Vorstellung sprechen und auf diese eingehen. Theoretisch sollen Fakten die Kritik aushöhlen, doch der Willen der Bürger hebelt die Fakten aus. Die Masse ist beratungsresistent.

Wenn man erfolgreich sein will, darf man den Ist-Zustand nicht verteidigen oder im Präsens sprechen, sondern muss im Futur von der Zukunft schwärmen, die man dem Willen der Masse/Bürger/Verbraucher vorgibt anzupassen. Antwortet man auf Fakten mit Kritik, so nimmt der Angesprochene dies als Lobbyarbeit und Lüge wahr. Diskussionen zwischen Ideologie und Fakten sind nutzlos, ja falsch. Die Gegenseite widerlegt die richtigen Argumente mit eigenen Fakten, die irrelevant bis falsch sind. Das führt zu einer Verhärtung, wobei man schnell alleine steht, wenn sich Kritiker, NGOs, „aufgeklärte“ Bürger und Medien vereinigen.

Der Verweis auf Tatsachen führt seltenst zu der gewünschten Meinungsänderung. Der Autoritätsverlust der Fakten beruht darauf, dass sich heutzutage jeder auf Fakten beruft, die er irgendwo, meist in Wikipedia zufällig aufgestöbert hat, ohne sich nicht einmal oberflächlich in die Materie einzuarbeiten. Meinungen werden zu Fakten. Zeigt ein Faktencheck dennoch ein unpassendes Ergebnis, so wird er als ideologisch/wirtschaftlich bedingte Lüge betrachtet. Nicht einmal das Verständnis wissenschaftlicher Zusammenhänge garantiert eine Meinungsänderung, s. Glyphosat.

Was ist zu tun?

Die besten Erfolge bringt die Annahme und Übernahme des Verhaltens der bezahlten Interessensorganisationen (Beispiel: Umweltorganisation) und anderen NGOs. Man muss sich auf die Sichtweise und die Sorgen des Bürgers/Verbrauchers/Friedensaktivisten/etc. einlassen. Man muss sich bewusst sein, dass identische Fakten unterschiedlich ausgelegt werden. Eine Verringerung des Ozonloches wird von der Industrie als Erfolg gewertet, von Umweltorganisationen als Beweis angesehen, dass die Industrie für das Ozonloch verantwortlich ist. In diesem Fall handelt es sich auf beiden Seiten um Fakten. Die erfreuliche Meldung nützt jedoch nur den Kritikern.

Deshalb ist es unbedingt notwendig, das Verhalten der bezahlten Interessensorganisationen nachzuahmen. Fakten werden in Geschichten eingebunden! Passende (und unpassende) Beispielen belegten die Behauptung! Es ist die hohe Kunst des Narrativs! Keine Aufzählung nüchterner Fakten, sondern Geschichten, die dem einfachen Gemüt ein Verständnis entlocken, ohne dass der Mensch sich unterfordert fühlt. Das Vorgehen erinnert zwar an Propaganda, man muss trotzdem auf eine saubere Argumentation achten! Auch muss das Narrativ glaubwürdig klingen, weshalb Wiederholungen nützlich und empfehlenswert sind.

Wenn der angesprochene Zuhörer von etwas fest überzeugt ist, und ist dieses Etwas noch so aberwitzig, so nützt auch die beste Demagogie nicht. Möglicherweise werden unerwünschte Konsequenzen abgemildert. Wenn der Bürger den Klimawandel vehement ablehnt, so können ihn keine Fakten zur Vernunft bewegen. Deshalb muss die Kommunikation im reisten Sinn des Wortes zuvorkommend sein. Begriffe, die sich in den individuellen Gehirnen fest eingefressen haben, dürfen nicht angeschnitten werden. Bezahlte „Aktivisten“ sind nicht an Lösungen interessiert, weil ihnen dadurch die materielle Grundlage entzogen werden würde. Wenn man die Wortwahl anprangert, so gilt man als reaktionär, da man sich verteidigt. Der Zuhörer, der gewonnen werden soll, fühlt sich gemaßregelt. Auf solche „Diskussionen“ zu entgegnen, ist kontraproduktiv. Nicht über Worte, über Inhalte wird diskutiert!

Besser ist es, den belasteten Begriff mit neuem Inhalt zu füllen.

Von Narrativen und ihren unerwarteten Folgen II

Narrative sind also Geschichten mit eingebundenen Fakten. Die Geschichten sind subjektive Betrachtungen, entziehen sich somit einer objektiven Beurteilung und der Wahrheit. Hier ein politisches Beispiel, das uns aufhorchen lässt.

Es heißt, so das Narrativ, dass im Kampf um Aleppo Krankenhäuser bombardiert werden. Das Narrativ darf der Realität entsprechen. Da es hier nur um Narrative und deren Folgen geht, spielt der Wahrheitsgehalt des einzelnen Narrativs keine Rolle, so zynisch es auch klingen mag.

Die Bewohner der zerstörten Stadt klagen in ihrem Narrativ die Assad’sche syrische und die russische Luftwaffe an, die Krankenhäuser von oben zu zerstören. Dadurch sterben viele Patienten, Ärzte und vor allem Kinder. Das Narrativ soll der Welt beweisen, dass Assad und Putin Kriegsverbrecher sind. Wie die Welt reagiert, ist bekannt und braucht nicht weiter erläutert zu werden.

Die Russen leugnen dieses Narrativ. Sie behaupten, dass ihre Luftwaffe keine Krankenhäuser angreift. Somit widerspricht das russische Narrativ dem der Bewohner Aleppos. Wir könnten nun zur Tagesordnung schreiten, als wäre nichts geschehen.

Es besteht die Möglichkeit, dass die Bewohner Aleppos lügen und die Russen die Wahrheit sagen. Möglich, dass alle Krankenhausärzte von Aleppo nach Deutschland ausgewandert sind, da die deutsche Willkommenskultur sich nach syrischen Ärzten sehnt. Diese Peinlichkeit soll durch ein Bombardement aus der Luft verdrängt werden.

Doch es besteht auch die Möglichkeit, dass die Bewohner Aleppos die Wahrheit sagen und die Russen lügen. Warum die Russen in diesem Fall lügen, liegt auf der Hand: Sie wollen keine Kriegsverbrecher sein. Doch warum zerstören die Russen Krankenhäuser?

Um die Bevölkerung zu demoralisieren. Ob das damit gelingt, ist äußerst fraglich. Doch es geht auch nicht um die beabsichtigten Erfolge. Eine logische Antwort ist, dass die Russen nicht befürchten, Kriegsverbrechen angeklagt zu werden. Um diese These zu belegen, muss man im Denken der Welt über den Nahen Osten bewandt sein.

Der letzte richtige Gazakrieg zwischen Israel und der Palästinensische Entität an den Gestaden des Mittelmeeres findet vor mehr als zwei Jahren statt. Die Terrororganisation Hamas, die dort über ihre Araber nach einer demokratischen Wahl „regiert“, klagt in einem Narrativ die Juden bei der Welt an, die Krankenhäuser zu beschießen. Da die Hamas den Zement benötigt, um unterirdische Tunnels nach Israel zu sichern, um die Juden um den Gazastreifen herum zu überfallen, zu verschleppen oder zu ermorden, bleibt kein Zement übrig, um Schutzräume für die Zivilbevölkerung zu bauen. Deshalb begeben sich im Kriegsfall mit Israel die einfachen Bewohner des Gazastreifens in den Schutz eines Krankenhauses, da sie davon ausgehen, dass die Juden das Krankenhaus nicht angreifen werden.

Dummerweise glauben genau dies auch die vom Gazastreifenvolk gewählten Terroristen. Sie verschanzen sich in Krankenhäuser und beschießen von dort aus Israel und seine Verteidigungsarmee. Die Gegenreaktion ist vorstellbar und kein Kriegsverbrechen! Das Kriegsverbrechen liegt offiziell auf Seiten der Hamas, doch darum geht es hier im Narrativ nicht.

Die Welt und die UNO freuen sich über den Beschuss des Gazastreifen-Krankenhauses, da sie nun den Juden ein Kriegsverbrechen unterschieben können. Mit großem Getöse wird ein israelkritischer Jude aufgetrieben, der Israel verurteilen soll. Im Prozess wird Israel verurteilt, die USA verhindern Schlimmeres durch ihr Eingreifen. Bei einer Revision des Verfahrens kommt die Wahrheit des jüdischen Narrativs ans Licht und Israel wird freigesprochen. Die Hamas wird verwarnt. Doch nach so langer Zeit nach einem unbedeutenden Krieg interessiert sich niemand mehr dafür. Es bleibt das Terroristen-Narrativ der Hamas im Weltgedächtnis, dass Israel ein Krankenhaus beschossen hat und deshalb die Juden Kriegsverbrecher sind.

Auch Putin und seine Russen schätzen dieses Hamas-Narrativ. Wenn nur die von aller Welt verhassten Juden straflos ein Kriegsverbrechen in Form einer Krankenhausbeschießung begehen dürfen, warum dürfen die von aller Welt geliebten Russen es den verhassten Juden nicht gleichtun? Auch Assad erwartet aus demselben Grund einen Freispruch. Denn nicht nur die Russen sind in Deutschland bei Pegida, AfD und den Linken beliebt, sondern auch die Syrer, die mit Willkommensgeschenken von den Deutschen überhäuft werden!

Und so werden wegen den Narrativen alle Krankenhäuser in Aleppo zerstört – oder auch nicht.

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fischundfleisch

fischundfleisch bewertete diesen Eintrag 18.10.2016 22:29:02

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