Die Ereignisse in Ceuta seit gestern zeigen ein Muster, das Europa seit Jahren selbst erzeugt: Menschen wollen nicht dauerhaft bleiben, sie wollen rein und raus können, so wie früher. Dass inzwischen rund 38.000 Menschen freiwillig zurückgegangen sind, beweist genau das. Die meisten suchen keine „Einwanderung“, sondern Bewegungsfreiheit. Und genau diese Bewegungsfreiheit hat die EU abgeschafft – mit fatalen Folgen.
Früher kamen Menschen, arbeiteten und gingen – heute bleiben sie wegen EU‑Angst
Früher war die Lage grundlegend anders. Spanien hatte über Jahrzehnte eine offene Grenze für Erntehelfer und Saisonarbeiter aus Marokko. Die Menschen kamen für Wochen oder Monate, verdienten ein paar Pesos, halfen bei der Ernte, gingen zurück und kamen im nächsten Jahr wieder. Migration war ein zirkulärer Prozess, ein Pendeln, das allen Seiten nützte. Niemand klebte am Aufenthalt, weil niemand Angst haben musste, ausgeschlossen zu werden. Wer ging, konnte wiederkommen.
Die EU bekämpft Symptome, weil sie die funktionierende Lösung abgeschafft hat
Parallel dazu existierte in Europa – auch in Deutschland – das Botschaftsasyl. Verfolgte konnten in einer Botschaft einen Asylantrag stellen, ohne sich auf gefährliche Wege zu begeben. Das System hatte zwei entscheidende Vorteile:
Erstens wurden wirklich Verfolgte sichtbar, weil sie sich direkt an eine Botschaft wenden konnten. Dei Botschaft kannte die Verhältnisse im Land besser als das BAMF. Zweitens wussten alle anderen, dass ein Antrag ohne Verfolgungsgrund keinen Erfolg haben würde. Das nahm den Druck aus der Migration. Niemand riskierte sein Leben, wenn die Entscheidung ohnehin klar war. Dieses Botschaftsasyl wurde im Zuge von Schengen abgeschafft – und damit verschwand ein funktionierendes Ventil.
Europa sperrt die Flüchtlinge ein, wenn sie einmal den Kontinent erreicht haben.
Heute ist die Logik umgekehrt. Ein Asylantrag ist erst möglich, wenn man spanischen bzw. europäischen Boden erreicht. Nicht am Zaun, nicht an der Grenze, nicht in der Botschaft. Man muss physisch im Territorium stehen. Diese Regel erzeugt die Eskalation, die wir jetzt in Ceuta sehen. Menschen drängen nicht, weil sie bleiben wollen, sondern weil sie wissen: Nur wer den Boden erreicht, hat überhaupt ein Verfahren. Und wer einmal drin ist, bleibt – aus Angst, nie wieder legal einreisen zu dürfen.
Die 38.000 Rückkehrer zeigen die Wahrheit: Wenn man Menschen Bewegungsfreiheit lässt, bewegen sie sich. Wenn man sie einsperrt, bleiben sie. Ceuta ist kein Ausnahmefall, sondern der direkte Effekt einer Politik, die Rückkehr irrational macht und Aufenthalt rational.