Ihr wart gewarnt. Wer nach der zweiten schweren Energiekrise innerhalb von nur vier Jahren noch immer überrascht vor den eigenen Rechnungen steht, hat den Schuss schlicht nicht gehört. Die Illusion einer unerschöpflichen und billigen Energieversorgung ist endgültig geplatzt, und die Realität holt uns mit voller Wucht ein.
Erinnern wir uns an das Jahr 2022: Damals versuchte Wladimir Putin, uns mit leergelaufenen Gasspeichern zu erpressen. Ein von langer Hand geplantes Manöver, das im Rückblick keinen Zweifel daran lässt, dass auch die Invasion in der Ukraine von langer Hand vorbereitet war. Damals hörte kaum jemand den Warnungen zu. Robert Habeck hat uns damals die kalten Wohnungen erspart, indem er die Gaslieferungen konsequent diversifizierte. Das war gewiss nicht billig, aber es hat das Schlimmste abgewendet.
Ganz anders stellt sich die Situation in diesem Jahr dar: Die Gasspeicher sind so leer wie noch nie zu diesem Zeitpunkt, und die Politik versagt auf ganzer Linie.
Ministerin Reiche redete sich erst den Mund fusselig, dass alles reichen werde, nur um dann diese Woche die Kehrwende zu vollziehen und panisch Speicheranordnungen zu erlassen. Jeder weiß, dass Energie im Sommer günstiger ist als im Herbst, doch man hoffte, die Preise würden entgegen jeglicher Logik im Herbst fallen. Welcher ökonomische Irrglaube treibt solche Blüten?
Glaubte man ernsthaft den Beteuerungen, ein drohender Konflikt im Nahen Osten würde spurlos vorübergehen? Nun ist die Straße von Hormus blockiert, die Handelswege sind abgeschnitten, und Saudi-Arabien hat die letzte entscheidende Pipeline verloren. Die Energiekrise verschärft sich rasant, und wir sollten besser die Kirchen mit viele Kerzen erleuchten, damit uns dieser Winter barmherzig bleibt.
Wer den politischen Beruhigungspillen vertraute und sich womöglich noch eine neue Öl- oder Gasheizung einbaute, hat jetzt Tränen in den Augen – doch das Mitleid hält sich in Grenzen.
Das Gleiche gilt für die automobile Fixierung auf den Verbrenner. Die Mär vom hocheffizienten Verbrenner, der magischerweise weniger verbraucht, ignoriert schlicht die Gesetze der Physik: Ein Auto braucht Benzin, und wer auf vermeintliche Technologieoffenheit pocht, merkt nun, dass die Rechnung nach oben hin völlig offen ist. Das ist die oft beschworene Eigenverantwortung, mit der sich viele freiwillig den Ölkonzernen ausliefern. Die Chance zum Umstieg auf das Elektroauto war da, doch sie wurde von den allermeisten verpasst.
Wenn die Politik nun ankündigt, Geringverdiener „entlassen“ zu wollen, oder wenn Friedrich Merz reflexartig nach einem Tankrabatt ruft, weiß man, dass die Alarmglocken schrill klingen, dass in Berlin die Kacke am Dampfen ist, dass der Regierung der Arsch auf Grundeis geht. Eine Mehrwertsteuersenkung beim Sprit bringt dem Autofahrer minimale Erleichterung, während die Konzerne Rekordgewinne einstreichen – alte neoliberale Rezepte für handgemachte Krisen. Wer sich nicht rechtzeitig den Öltank für den Winter füllte, ging dasselbe Risiko ein wie die Politik mit den leeren Gasvorräten, nur dass beim Öl die Rechnung sofort im Voraus kommt.
Der Strompreis wird langfristig etwas anziehen, doch hier gilt: Je mehr heimische erneuerbare Energien wir ausbauen, desto weniger schmerzhaft schlägt dieser Faktor zu Buche.
Wir überweisen starr über 80 Milliarden Euro pro Jahr für fossile Energielieferungen ins Ausland – unfassbare Summen, die hierzulande für die Zukunft hätten investiert werden können.
Kauft euch also schon mal warme Pullover, ihr fossilen Ignoranten, denn die Quittung für jahrelanges Wegschauen präsentieren uns Markt und Geopolitik jetzt ganz persönlich.