Schweinsteigers „wilde Afrikaner“-Sager nicht rassistisch

Der frühere deutsche Spitzenfußballer Bastian Schweinsteiger (Kapitän beim WM-Titel 2014) gab anlässlich des Fußball-WM-Spiels Deutschland gegen Cote d`Ivoire (Elfenbeinküste) ein kontroversielles Interview, in dem er sagte: „Ein bisschen afrikanischer Fußball natürlich, der manchmal so ein bisschen unorthodox ist, so ein bisschen wild ist, vielleicht manchmal auch nicht ganz so von der Taktik geprägt ist“.

Seither gibt es eine Riesenkontroverse, die einen bezeichnen Schweinsteiger als rassistisch, oder zumindest diesen seinen Sager als rassistisch, die Anderen verteidigen den Sager aus einem vermutlich rechtsextremismusverdächtigen Missverständnis oder Missverstehenwollen heraus und sehen eine ungerechtfertigte Nazikeule.

Allerdings könnten beide Extreme der Debatte falsch liegen, und die Wahrheit in der Mitte, die leider scheinbar niemand publiziert.

1.) Fußball ist oftmals ein Sport, der hässliche Aspekte hat, eine Art verdeckter Kontaktkampfsport. Anders als in vielen anderen Sportarten (wie zum Beispiel Volleyball) existiert im Fußball (Soccer) keine Trennung der beiden Mannschaften durch ein Netz, was als solches schon eine hohe Tendenz zum Foulspiel hat. Und oftmals waren es im Profi-Fußball die Spitzenspieler (wie eben ein Zidane, Schweinsteiger, Neymar, Ibrahimovic, etc.), die oft und sehr brutal gefoult wurden, weil das eben oftmals (neben der Foulprovokation) die einzige Möglichkeit ist, derartige Spitzenspieler zu stoppen. Eines der brutalsten Fouls der Fußball-WM-Geschichte war jenes bei der WM 2014 von Zuniga (Kolumbien, also Südamerika) an Neymar (Brasilien). Zuniga hatte clubmäßig bei Atletico Medellin (Kolumbien), Siena (Italien), Napoli (Italien), Bologna (Italien), Watford (GB) gespielt, war so gesehen ein Vertreter des (wilden) europäischen Fußballs. Neymar, der Spitzenspieler der Brasilianer, fiel in der Folge dieses harten Fouls wegen Wirbelbruchs für mehrere Monate aus, und die brasilianische Mannschaft verlor nach dem Verlust des besten Manns mit einem einmalig hohen 1:7 gegen Deutschland. Der Verlust des Spitzenspielers kann auch psychologisch die ganze Mannschaft stark schwächen und entmutigen, und die ganze WM 2014 wäre ohne dieses Foul vermutlich völlig anders gelaufen, Brasilien wäre ein ernstzunehmender Titelkandidat gewesen, und Deutschland (damals mit Schweinsteiger) hätte sich sehr viel schwerer getan, gegen ein Brasilien mit Neymar Weltmeister zu werden, falls überhaupt. Wenn man ein bisschen verschwörungstheoretisch geneigt ist, könnte man durchaus vermuten, Deutschland habe vielleicht Zuniga einen beträchtlichen Geldbetrag bezahlt, damit der Neymar, den brasilianischen Spitzenspieler, aus dem Turnier rausfoult. Auf jeden Fall kann man davon ausgehen, dass Schweinsteiger diesen Fall genau kannte, und ebenso die allgemeine hohe Gefahr für Spitzenspieler, Schweinsteiger (als deutsches Pendent zu Neymar) hat sich sicher gefragt, ob ihm das auch passieren kann, so wie Neymar so brutal gefoult zu werden, und dann möglicherweise monatelang verletzungsbedingt auszufallen. Schweinsteiger hat nie behauptet, dass der europäische Fußball besser wäre, im Gegenteil, auch die These, dass der europäische Fußball noch wilder und noch brutaler sei als der afrikanische, ist mit der Schweinsteiger-Aussage durchaus vereinbar. Schweinsteiger fügte später noch hinzu, er habe nur über Fußball gesprochen, aber das wurde nicht rezipiert. Es widerspricht scheinbar der Milliardenmaschine Fußball-Medien-Sportjournalismus, die Brutalitäten des Fußballs zuzugeben. Neymar hatte auf eine gewisse Weise noch Glück, denn dieses Foul, diese Verletzung war nur knapp keine Querschnittslähmung, ein Foul, das noch ein bisschen brutaler gewesen wäre, hätte vermutlich bedeutet, dass er nie mehr gehen kann im Rest seines Lebens. Der Schiedsrichter entschied bei diesem Foul auf „Vorteil“ und ließ das Spiel weiterlaufen ohne gelbe oder rote Karte Karte für Zuniga, eine durchaus kontroversielle Entscheidung. Neymars Vermögen wird auf ca. 250 Mio. Euro geschätzt, was auch eine riesige Größenordnung ist. In Anbetracht dieses sehr großen, alleine durch Fußball erzielten Vermögens erscheint übertriebenes Mitleid mit Neymar dann auch wieder unangebracht. Dieses Foul (Zuniga sprang anscheinend absichtlich hoch und rammte Neymar das Knie in den Rücken) fand statt in der 88. Minute bei einem Spielstand von 2:1 für Brasilien, es war unwahrscheinlich, in den letzten 3 Minuten noch das Spiel zu drehen, und es passierte auch nicht – so gesehen ein ziemlich sinnloses Foul. Das Motiv von Zuniga scheint eher gewesen zu sein, Kritik an ihm vorgebeugt zu haben, er sei zu wenig hart zu Neymar zu gewesen, als den Spielstand wirklich zu verändern. Kolumbien mit 53 Mio. Einwohner ist eher der Underdog verglichen mit Brasilien mit 203 Mio. Nach dem Attentat auf Monica Seles bei einem Tennisturnier in Berlin 1993 durch einen Steffi-Graf-Fan verlor Steffi Graf das Finale gegen Sanchez-Vicario glatt 6:3, 6:3, vielleicht sogar absichtlich. Als EinzelspielerIn wie beim Tennis absichtlich zu verlieren, ist leicht als bei Mannschaften, weil keine Absprachen bestehen, die auffliegen könnten. Der Hintergrund damals war vermutlich auch ein politischer. Es war die Zeit der Jugoslawien-Kriege, und Seles war zwar eine Vertreterin der ungarischen Minderheiut/regionalen Mehrheit in der Vojvodina, aber von den deutschen Medien wurde sie konsequent als „Jugoslawin“ bezeichnet, womit das „Duell“ Graf-Seles eine Kalte-Kriegs-Note bekam wie das Schachspiel Fischer(USA) gegen Spasski (Sowjetunion) am Gipfel des kalten Krieges. Eine Debatte, ob die deutschen Medien durch die konsequente Bezeichnung „Jugoslawin“ (statt „Vojvodina-Ungarin“) eine Mitschuld trage am Messer-Attentat auf Seles 1993, fand in Deutschland nie statt. Entgegen dem, was Sport-“Kommentatoren“ oder „Sport-Blogger“ behaupten, die oftmals mit dem Gestus der Empörtheit Schweinsteiger Rassismus vorwerfen, oder eine rassistische Aussage gemacht zu haben, kann es sein, dass Schweinsteiger mit dieser Aussage ganz andere Absichten hatte, zum Beispiel, die Mängel im Sportjournalismus aufzudecken, die unter Anderem darin bestehen, die Tendenz im Fußball zum Foulspiel an Spitzenspielern zu verschweigen. Die Wahrheit würde vielleicht Leser, Zuschauer oder zahlende Fussballstadionbesucher vernichten, und das darf scheinbar als allerletztes sein, in der Profitmaximierungsindustrie Sport und Sportjournaille. Schweinsteiger ist bisher nicht durch kontroversielle Aussagen aufgefallen, im Gegenteil war er ein Grenzüberschreiter und Verbinder z.B. zwischen ostchristlicher und westchristlicher Kultur, z.B. mit seiner zehnjährigen und drei Kinder hervorbringenden Ehe/Beziehung mit der serbisch-stämmigen Tennisspielerin Ana Ivanovic. Die wohlwollende Interpretation von Schweinsteiger ist, dass er damit den afrikanischen Fussball lobte: der afrikanische Fussball sei von Spielfreude dominiert, anders als der europäische Zweckfussball, bei dem der Zweck alle Mittel heiligt, auch das brutale Foul Marke Materazzi. Und der afrikanische Fussball sei eher vom olympischen Gedanken geprägt, vom „Dabeisein ist alles“, für viele afrikanische Nationalteams ist schon das Vertretensein bei der WM ein Erfolg, sie haben keinen Erwartungsdruck von Medien, Fans und Sponsoren, wie europäische Fussballer oft. Und Skandalspiele wie das taktisch-geschoben-manipulierte Deutschland-gegen-Österreich-Spiel von 1982 in Gijon sind von afrikanischen Teams nicht bekannt, im Gegenteil, die Geschädigten dieses Skandalspiels war mit den Algeriern ein afrikanisches Team. Die unattraktive taktisch-defensive (und oft auch tor- und ereignislose) Spielweise Marke Schweizer-Riegel oder Catenaccio ist eine europäische Erfindung (auch des Wieners Karl Rappan, was in österreichischen Medien oftmals verschwiegen wird) , und weil sie solches Kassengift ist, gar es auch die Regeländerung dahingehend, den Sieg mit 3 Punkten zu belohnen statt wie davor mit 2.

2.) „unorthodox“: man kann es durchaus so sehen, dass Afrikanische Teams manchmal „unorthodox“ handeln, bzw. spielen. Alleine schon, dass Kamerun bei der WM 1994 den 42-jährigen Roger Milla als Feldspieler aufstellte und dieser dann der älteste WM-Torschütze aller Zeiten wurde, ist unorthodox. Aber unorthodox zu sein, kann auch eine gewisse Abwechslung sein und so gesehen interessant und positiv. Als Feldspieler hält Milla (Kamerun) nach wie vor den Altersrekord, auch wenn der kolumbianische Torhüter Mondragon bei der WM 2014 ein Jahr älter war.

3.) „Nicht so taktisch“: es stellt sich die Frage, ob das Attest „nicht so taktisch“ ein Lob ist oder eine Kritik. Man kann es durchaus so sehen, dass Schweinsteiger den afrikanischen Fußball lobte, indem er ihm attestierte, nicht so taktisch zu sein. Der Inbegriff des taktisch-langweiligen Spiels bei einer Fußball-WM war ja wohl das „Skandalspiel“ Deutschland-Österreich bei der WM 1982 in Gijon, bei dem beide Mannschaften eigentlich gar nicht spielten, sondern nur den Spielstand hielten, der beiden Mannschaften den Aufstieg ermöglichte, ein kurioser Einzelfall in der Geschichte der Fußball-WM, denn normalerweise versucht maximal eine Mannschaft, das Ergebnis zu halten.

4.) Es spricht einiges dafür, dass Schweinsteiger absichtlich einen zweideutigen oder missverständlichen Sager abgab, um Schwächen im Sportjournalismus aufzudecken. Er geht dabei ein gewisses Risiko ein, zum Beispiel, wenn die „Rassismus“-Vorwürfe an ihm kleben bleiben und er deswegen Werbeverträge verlieren sollte. Allerdings ist sein Vermögen mit laut Berichten 60 Mio. Euro so hoch, dass er auch den Verlust des einen oder anderen Werbevertrags verkraften kann. Dabei gehört er nicht einmal zu den reichsten Fußballern: Messi mit 510 Mio. Euro ist da noch eine Stufe höher, es stellt sich die Frage, ob überhaupt ein Fußballer so gut sein kann, dass dieser Reichtum gerechtfertigt ist. Es gibt im Sport immer wieder Debatten rund um Preisgelder, ob die Einkünfte und Vermögen von Spitzenspielern nicht überhöht seien, im Vergleich zu ein bisschen schlechteren Spielern, die auch sehr hart trainieren, und auch sehr beachtliche Leistungen erbringen. Und es dürfte auch so sein, dass bei Spitzenportlern wie auch bei Spitzenmanager oder Superreichen die Kluft zum Normalbürger immer größer wird, und sich eine soziale bzw. asoziale Schieflage immer weiter verschärft. Das geschätzte Vermögen von Zidane ist übrigens 62 Mio, das von Ibrahimovic 180 Mio, das geschätzte Vermögen von Serena Williams (Damentennis) 185 Mio. Frauenfußball ist weit schlechter bezahlt als Männerfußball: mit einem Jahresgehalt von 550.000 Euro sind Spielerinnen in der Kategorie Carli Lloyd; Sam Kerr, etc. die Bestverdienerinnen, während die Männer an der Spitze oftmals das 40-fache Einkommen haben. Auch wenn ein Teil des Unterschieds dadurch gerechtfertigt sein mag, dass Männer athletischer und spektakulärer agieren, erscheint der andere Teil des Unterschieds doch ungerechtfertigt. Auffallend auch, dass die Spitzenverdienerinnen im Frauenfußball praktisch ausschließlich aus USA, GB, auch F kommen, in den USA gilt Soccer (also der europäisch-stämmige Fußball) als Frauensport, im Unterschied zum American Football, der eine Verwandtschaft mit dem britisch-stämmigen Rugby hat. Man kann es auch so sehen, dass es für die Frauen sprechen würde, dass sie schlechter bezahlt werden, denn Frauen könnten weniger nationalistisch sein, und daher weniger Fussballfans und weniger zahlende Stadionbesucher als Männer (wobei der Ausgangspunkt ist, dass Männer eher zum Männerfussball gehen, hingegen Frauen eher zum Frauenfussball, dass also die Geschlechterquote bei den BesucherInnen schwach korrelliert mit der Geschlechterquote bei den SpielerInnen.

5.) Kurz vor dem brutalen Foul von Zuniga an Neymar und vor dem einmaligen 7:1 von Deutschland gegen Brasilien hatte eine prominente US-Publizistin gemeint, der europäische Fußball sei was für Schwächlinge und Weicheier, weil da viel weniger hart gespielt werde als im American Football, und der „europäische „ Fußball (Soccer) sei uninteressant, weil da kaum Tore fallen. Man kann vermuten, dass sowohl Foul an Neymar wie auch torreiches D-Br-Spiel Reaktionen auf diese Vorwürfe gewesen sein könnten.

6.) Raphael Van der Vaart (ein ehemaliger niederländischer Nationalspieler) meinte, ein niederländischer Verteidiger hätte sich schwer getan, weil die Japaner sich alle so ähnlich sehen würden. Aus einer europäischen Sicht mag das vielleicht so aussehen, aber das dürfte umgekehrt genauso sein, dass alle Kulturen eine gewisse Neigung haben, die „Eigenen“ besser unterscheiden zu können und die „Anderen“ weniger. Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn Van der Vaart das dazugesagt hätte.

7.) Berichterstattung zum Deutschland-Cote d´Ivoire-Spiel: servus-tv kommentiert die Ivorer mit „sie mischen soliden Beton an“, in der Tat spielten die Ivorer ab ca. der 70. Minute defensiv und versuchten, das 1:1 zu halten. Allerdings ist der Erfinder dieser defensiven Spielweise ein Wiener, nämlich Karl Rappan, der bei Schweizer Clubs diesen „Schweizerriegel“ entwickelte, der seine Weiterentwicklung fand im italienischen „Catenaccio“. Servus-tv behauptet auch, Deutschland-gegen-Elfenbeinküste sei „kein schönes Fußballspiel gewesen“, was ich nicht nachvollziehen kann, Elfenbeinküste hat mit 27. Mio. Einwohner weit weniger als Deutschland mit ca. 82 Mio., und dass bevölkerungsärmere Staaten oftmals zumindest phasenweise auf defensiven Fußball setzen, ist nichts neues, auch das Österreichische Frauenfußballteam spielte recht defensiv und unatttraktiv-langweilig, aber erzielte damit erhebliche Erfolge bei der Frauen-Fußball-EM 2017 mit dem Einzug ins Halbfinale. Wenn eine Mannschaft versucht, das 1:1 zu halten, und die andere Mannschaft, das 2:1 zu erzielen, dann kann das auch ein interessantes Spiel ergeben. Ganz anders als das Skandalspiel Gijon 1982 Deutschland gegen Österreich, bei dem beide Mannschaften wegen eines FIFA-Reglementsfehlers versuchten, das Ergebnis zu halten, das beiden den Aufstieg ermöglichte. Die Berichterstattung hat oft eine gewisse Neigung zum Taktieren und zum Nationalismus: wenn das wichtigste Berichterstattungsthema nicht Fouls und schwere Verletzungen sind, sondern die taktische Ausgangssituation (welches Ergebnis führt zu wessen Aufstieg?), dann ist das Publikum eher auf Gewinn gedrillt, nicht auf Fairness.

8.) Beim Spiel Österreich gegen Algerien, beging Österreichs Nr. 16 ein Festhaltefoul, das man auch mit einer gelben Karte hätte ahnden können oder müssen, was österreichische Sportjournalisten (z.B. servus-tv) allerdings verschwiegen. Arabischstämmige Leute Österreich werden dies sicher mit Missfallen wahrgenommen haben, derartige Einseitigkeiten können auch zu einem Gefühl der Ausgegrenztheit, vielleicht sogar bis hin zum Terrorismus beigetragen haben.

9.) Die Debatte rund um diesen Schweinsteiger-Sager erinnert an die Kritik von des afrikanischen Autors Chinua Achebe an Joseph Conrad und seinem Buch „Herz der Finsternis“ und die „Debatte“ danach im Jahr 1975. Achebe warf Conrad Rassismus vor, ähnlich dem ivorischen Trainer, der moderatere Vorwürfe Richtung Rassismus an Schweinsteiger richtete. Das Buch und die Umstände der Entstehung von Conrads „Herz der Finsternis“ sind ziemlich kompliziert. Conrad schaffte es, diese Erzählung, die heftige Kritik am belgischen Kolonialismus im Kongo enthielt, im Jahr 1899 in London, der Zentrale des britischen Kolonialismus zu veröffentlichen. Man kann vermuten, dass Conrads leicht missverständliche Schreibweise auch teilweise ein Kompromiss mit dem damaligen Zeitgeist war. Wenn ich mich recht erinnere, hatten wir dieses Buch nicht im Oberstufenrealgymnasium, scheinbar, weil die LehrerInnen dieses Buch als zu schwierig für 18-Jährige einstuften. Es ist auch ein Entwicklungsroman oder eine Entwicklungserzählung: der Protagonist Marlowe, dessen Leben Conrad ähnelt, beginnt als eine Art Kolonialist, zu großen Teilen wegen des Geldes und wird zu einem Kolonialismuskritiker, ähnlich wie George Orwell.

10.) Sowohl der deutsche Kanzler Merz als auch SPD-Politiker Lauterbach lobten nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft beim Spiel gegen Paraguay das deutsche Team. Eine mögliche Interpretation mag sein, dass eine strittige Szene nicht als 2:1 für Deutschland gewertet wurde, was den Aufstieg bedeutet hätte. Weiters sind die klassischen großen Drei des Fußballs (Brasilien, Deutschland, Italien) keineswegs mehr so dominant wie vor 50 Jahren, die Leistungsdichte ist heute höher als früher. Heute umfasst die WM mehr Teams als jemals zuvor, und je mehr Knockout-Spiele bis zum Halbfinale stattfinden, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit (auch für Große), zu scheitern.

11.) Jürgen Klopp hat einmal als Trainer des FC Liverpool den Africa-Cup als „kleines Turnier“ bezeichnet, vermutlich als sarkastische bzw. ironische Antwort auf die Behauptung von Sportjournalisten, es käme jetzt eine lange Länderspielpause. Ein afrikanischer Journalist interpretierte das als Abwertung von Afrika, bzw. dem Africa-Cup, und in der Folge entspann sich ein Streitgespräch, in dessen Verlauf sich Klopp wenig kulturensensibel verhielt. Das „Problem“ mit gesprochener Sprache ist, dass man Sarkasmus nicht mit Hashtag oder Smiley kennzeichnen kann. Und Klopp wollte gegenüber den Sportjournalisten scheinbar auch nicht so weit gehen, dass er zugegeben hätte, dass er die Behauptung des Journalisten hatte veräppeln wollen. Die Geschichte des Kolonialismus kann manchmal Probleme machen bei der Kommunikation. Erstaunlich auch, wie Medien diese Sache kommentierten, z.B. die „Welt“ mit „Reporter legt sich mit Klopp an und lässt nicht locker“.

12.) Die Aufhebung der roten Karte für den US-Spitzenstürmer auf Druck von US-Präsident Trump endete letztlich mit einer 1:4-Niederlage der USA gegen Belgien. Es kann sein, dass derartige Privilegien kontraproduktiv sind, und die Motivation und den Kampfgeist der Belgier stärkten, hingegen dem US-Team einen Motivationsmalus verschafften. Auch hier stellt sich die Frage, wie absichtlich dieser Niederlage war. Anders als Politiker oder viele Sport-Fans sind Fussballer nicht national gebunden, sie spielen oft in Clubs anderer Nationen als „Legionäre“, und um dort wohlgelitten zu sein, kann es oftmals günstig sein, die Interessen der sportlichen Fairness über den Nationalismus zu stellen.

13.) Man kann das Revanchefoul im Fußballsport als die berechtigtere Form des Fouls betrachten, wie zum Beispiel das Revanchefoul von Zlatan Ibrahimovic an Materazzi, das diesen, einen wegen seiner Härte/Brutalität berüchtigten „Verteidiger“, ins Krankenhaus brachte. Ibrahimovic hatte übrigens auch Kampfsport trainiert, Kung Fu oder Karate oder sowas. Er war so gesehen der „Falsche“, um sich mit ihm anzulegen.Generell stellt sich die Frage, inwieweit Fußball ein Kampfsport ist oder ein Ballsport. Unterschiedliche Männercharaktere können hier unterschiedliche Meinungen vertreten. Frauenfußball spielt hier in einer anderen Kategorie.

14.) Spanien scheint ein würdiger Weltmeister zu sein. Mit etwas mehr als 40 Millionen EinwohnerInnen substanzielle Größe und damit große Rekrutierungsbasis, aber bisher nie Weltmeister, so gesehen war ein Titel schon länger überfällig.

15.) Der frühere Wiener Bürgermeister Helmut Zilk hatte einmal eine Meinungsverschiedenheit mit einem Afrikanisch-Stämmigen rund um die Formulierung „ins Schwarze treffen“, die auch dem Bogenschießsport kommt, aber auch als Ku-Klux-Klan-sche Mordphantasie an Schwarzen interpretierbar ist. Generell ist es schon problematisch, eine solche Formulierung zu verwenden. Vielleicht sollte man die Farben der Schießscheibe des Öfteren wechseln.

16.) Ist Argentinien ein würdiger Vizeweltmeister? Manche vertreten die Meinung., Argentinien sei ungeeignet, weil es unsportlich spiele. Als relativ bevölkerungsarmer Staat (ca. 25 Millionen) kann es sein, dass Argentinien manchmal quasi zwangsläufig eine Neigung zum unattraktiven, „unsportlichen“, und oftmals auch grausamen Defensivfußball Marke Schweizer-Riegel oder Catenaccio hat. Übrigens ist auch Italien mit ca. 60 Mio. ein „Kleiner“ im Vergleich zu Brasilien (180) und Deutschland (82). Ähnlich wie in der Politik können asymmetrische Konflikte (z.B. mit Groß-Klein-Unterschieden) auch im Fußball zu einseitiger Stellungnahme und Vorurteilen führen.

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