SPÖ-Kanzlerkandidatin (nun eigentlich vielleicht besser Ex-Kanzlerkandidatin) Rendi-Wagner wurde dabei erwischt, in einem Nobelrestaurant in Saint Tropez zu urlauben.

Anschliessend ging natürlich das Rauschen im Blätterwald ebenso wie die das Geraune in den sozialen Medien, die allzuoft asoziale Medien sind, hoch.

Es sei unsensibel, so zu urlauben, insbesondere für eine Sozialdemokratin. Wie soll man arme Leute als Wähler ansprechen, wenn man in einem sehr teuren Nobellokal konsumiert ?

In der Tat war die Kritik berechtigt, und dieser Vorfall dürfte Rendis Chancen, tatsächlich diesmal Kanzlerin zu werden, so ziemlich auf Null gesenkt haben (außer vielleicht, Sebastian Kurz wird dabei erwischt, wie er versucht, einen Mord zu begehen, was eher sehr unwahrscheinlich ist, oder etwas Ähnlichem).

Aber interessant sind auch die Aspekte, die alle Medien und Parteien nicht sehen:

1.) praktisch zeitgleich mit Rendis Nobelurlaub in Saint Tropez gab es das Attentat auf Obdachlose am Wiener Rathausplatz, um das Rendi sich eigentlich hätte kümmern müssen, statt in Saint Tropez zu urlauben.

2.) Warum um Himmels willen muss es denn ausgerechnet Frankreich sein ? Gerade der Brexit könnte einen riesigen Machtzuwachs für Frankreich bringen, das nach einem Brexit ein Vetomonopol erhalten könnte: weil nach dem Brexit, dem Austritt Großbritanniens aus der EU Frankreich das einzige EU-Land ist, das einen ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat mit Vetorecht hat, kann Frankreich nach dem Brexit mit eben diesem Vetorecht jede EU-Politik (die den UNO-Sicherheitsrat beinhält) blockieren, die ihm mißfällt und kann damit praktisch im Alleingang in vielen Fragen die EU-Politik bestimmen.

Wenn schon Nobelurlaub, dann bitte in Italien, Spanien, Portugal, an der englischen Südküste oder an der dalmatinischen Küste oder in jedem anderen nicht-französischen Land, Frau Rendi-Wagner !

Aber man kann ihr diese Unsensibiliät nicht einmal vorwerfen, weil sie dem Rest von Österreich ja auch nicht auffällt, kein Medium, kein Politiker kritisiert das.

Wohl auch, weil die österreichische Politik und die österreichischen Medien durch die Wahlaltersenkung (2006 oder so) kräftig verdummt und infantilisiert wurden, wohl deswegen, weil Österreich als neutralitätsverdummtes Land ohnehin glaubt, es sei aussenpolitisch alles wurscht.

Wenn Rendi-Wagner wenigstens vorher gefordert hätte, dass Frankreich seinen ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat an die EU übertragen müsse (so wie die frühere Aussenministerin und EU-Aussenkommissarin Benita Ferrero-Waldner das vor 15 oder 20 Jahren forderte), bevor sie in Saint Tropez nobelurlaubt, dann wäre das weniger schlimm gewesen.

Aber so ist das nicht nur eine klasseninadäquate Urlaubskleinstaffäre, sondern auch ein Totalversagen der gesamten politisch-medialen Klasse Österreichs.

CC / Oktobersonne https://de.wikipedia.org/wiki/Benita_Ferrero-Waldner#/media/Datei:BenitaFerrero-Waldner2017L1110082_%283%29.jpg

Anders als SPÖ-Ex-Kanzlerkandidatin Rendi-Wagner (SPÖ) hatte die frühere Aussenministerin Benita Ferrero-Waldner aussenpolitisches Gespür, als sie anders als Rendi-Wagner vorschlug, das französische Vetorecht im UNO-Sicherheitsrat zu europäisieren.

Und ebenfalls eine lobende Erwähnung verdient der Politikwissenschafter John Mearsheimer, der in seinem Buch "Why leaders lie" (deutscher Titel: Lüge - vom Wert der Unwahrheit) sinngemäß und überspitzt behauptete, einfache Bürger und Medien seien aussenpolitische Trottel und daher unfähig zu erkennen, was wichtig ist und was nicht.

Frankreich ist nach meinem gegenwärtigen Informationsstand das einzige EU-Mitgliedsland, das das Rahmenabkommen zum Schutz nationaler Minderheiten nicht ratifiziert hat (in Frankreich kämen hierfür z.B. Bretonen, Basken, Elsass-Lothringen-Deutsche und Normandiebewohner in Frage).

Und einer der Gründe dafür ist die französische Sprachpolitik: ähnlich, wie George Pompidou (französischer Präsident 1969 bis 1974) das vorschlug, will Frankreich die EU dominieren und die Französische Sprache als EU-Hauptsprache etablieren, wozu es eben durch den auch und insbesondere von Frankreich betriebenen Brexit gute Chancen hat.

Das heisst allerdings für den Rest von Europa nichts Gutes: wenn die französische Diktatur sich durchsetzt, dann werden wir künftig "Ordinateur" sagen müssen und nicht mehr "Computer" sagen dürfen, dann werden wir künftig "Ordinateur portable" sagen müssen und nicht mehr "Laptop".

Auch deswegen, weil Rendi-Wagner oder der SPÖ-Wahlkampfmanager so blöd war, einen Urlaub ausgerechnet in einem Nobellokal in Saint Tropez für gut zu befinden, ohne vorher die Europäisierung des ständigen französischen Sitzes im UNO-Sicherheitsrat zu verlangen.

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