Nein, ich habe sie nicht abonniert. So wie meine Eltern früher, als sie regelmäßig am Freitag im Briefkasten lag und ich am frühen Samstagnachmittag Tag für Tag durchblätterte auf der Suche nach für einen Jugendlichen interessante Fernseh- und Radiosendungen. Damals war es kein Bildungsfernsehen, was ich mir mit roten Stift anstrich, sondern amerikanische Krimi- und Westernserien. Daktari am Samstag und natürlich Bonanza am Sonntag. Höhepunkte waren eine Zeitlang „High Chaparral“, „Rauchende Colts“ oder „Der Kommissar“ mit Erik Ode und seiner unvermeidlichen Sekretärin Frl. Rehbein. Doch mit fortschreitendem Wechsel von der Kindheit zur Jugend wurden die Radiosendungen interessanter. Jeden Tag gab es irgendeinen Radiokanal, der eine Musiksendung nach meinem Geschmack brachte – erst Hitparaden und später dann vor allem Sendungen mit progressiver Rockmusik – und die ich mit der von meinem Vater selbst hergestellten einfachen 1-m-Zimmerantenne problemlos empfangen konnte. Was waren das für wunderbare Zeiten! Das Tonband nahm alles auf, was gerade neu auf den Musikmarkt kam. Und unsere Fernsehzeitung – nein, es war nicht die „Hör zu“, der „Gong“ oder „TV Hören und sehen“, sondern irgendeine andere – brachte mir Woche für Woche die Informationen, was es zu gucken, zu hören und mitzuschneiden galt.
Und so blättere ich noch heute Woche für Woche durch eine Fernsehzeitung. Gut, inzwischen geniere ich mich etwas, wenn ich beim Zeitschriftenhändler meines Vertrauens zur „Funk Uhr“ greife. Man könnte mich für einen angestaubten Ewiggestrigen halten, der noch nichts mitbekommen hat von Netflix, RTL+, Disney+ oder Amazon Prime Video. Wenn ich doch wenigstens „TV World“ oder „TV Spielfilm Digital XXL“ kaufen würde. Aber doch bitte nicht „Die Funk Uhr“. Wie das schon klingt! Und so tarne ich beim Herausgehen den wöchentlichen Kauf meiner altmodischen Begierde stets mit einer überregionalen Tageszeitung, die ich geschickt darumwickle…
Der Grund für die Fortführung meiner jahrzehntelangen Gewohnheit liegt heute nicht mehr in erster Linie im Fernsehprogramm – Krimis bin ich längst entwachsen, von Western ganz zu schweigen. Es geht mir um die Radiosender, denen ich doch immer wieder mal eine interessante Musiksendung entnehmen kann, die ich dann – ganz modern – digital auf meinem Rechner „mitschneide“.
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Kurze Rede langer Sinn: Am vergangenen Freitag blätterte ich wie gewohnt durch die neue Fernsehzeitung, als ich erstaunt bemerkte, dass am Samstag, den 29. August, im „Zeitzeichen“ des WDR und im „Kalenderblatt“ vom Deutschlandradio fast zeitgleich an Musikereignisse erinnert wurde, was in diesen beiden Kalendarien der Zeitgeschichte äußerst selten, wenn überhaupt, vorkommt. Am 29. August 1966 spielten THE BEATLES in San Francisco ihr letztes öffentliches Live-Konzert (das überraschende Rooftop-Konzert am 30.1.1969 war das allerletzte, aber kein öffentliches Konzert, auch wenn Passanten in der Nähe es mithören konnten.). Und am selbigen 29. August, nur im Jahre 1951, landete der Countrysänger HANK WILLIAMS mit „Hey Good Lookin'“ auf Platz 1 der Country-Charts und an der Spitze seiner Karriere.
FUNK UHR • Heft 34/2026 • Radioprogramm vom 29.8.26 (Ausschnitt) • Foto: Hochwald
Nun mag man einwenden: Zwei beliebige Musikereignisse, die 15 Jahre auseinanderliegen und nur zufällig am gleichen Tag dieser Jahre stattfinden. Na und? Und ob! Ich fing nämlich an, nach weiteren Musikereignissen zu suchen, die ebenfalls an einem 29. August stattfanden. Und wurde natürlich fündig. Heraus kam ein „Stichwort 29.8. Kalenderblatt-Potpourri“ an musikalischen Geschehnissen, an die ich im Folgenden erinnern möchte. Gehen wir dabei chronologisch vor.
29. August 1920: Geburts-Tag von CHARLIE PARKER
Charlie Parker spielte Altsaxophon und war in der Mitte der 1940er Jahre einer der Begründer des Bebop, einer für damalige Verhältnisse revolutionär-moderne Form des Jazz. Er spielte oft mit dem Trompeter Dizzy Gillespie zusammen und war in dieser Zeit Mentor von Miles Davis, der seine Karriere in der Band von Parker und Gillespie begann.
Der Titel „Ornithology“ spielt auf den Spitznamen „Bird“ von Parker an. Entsprechend hieß auch der legendäre Club in New York, in dem Parker mit seinem Quintett regelmäßig auftrat, „Birdland“ und ihm zu Ehren entstand später der Song „Lullaby of Birdland.“
• CHARLIE PARKER: „Ornithology“ • 1946 • 2:58
29. August 1924: Geburts-Tag der Jazz- und Blues-Sängerin DINAH WASHINGTON
Zu dieser Frau habe ich eine besondere Beziehung, denn meine erste Jazz-CD, die ich mir vor Jahrzehnten kaufte, war von Dinah Washington. Ihre Musik hat mir also quasi den langen und mitunter mühsamen Weg durch die Jazzgeschichte eröffnet und geebnet.
Nachdem sie bereits mit Rhythm ’n’ Blues Erfolge feierte (z.B. mit „Trouble in Mind“), machte sie mit der folgenden Swing-Nummer auch im Jazz Karriere.
• DINAH WASHINGTON: „What Difference A Day Makes“ • 1959 • 2:29
Vielen ist dieser Song sicherlich in einer Disco-Fassung von Ester Philips aus den 1970ern bekannter.
29. August 1942: Geburts-Tag von STERLING MORRISON, Gitarrist und Mitbegründer der VELVET UNDERGROUND
Stichworte: Andy Warhol – Banane – Lou Reed & John Cale – „Waiting For My Man“
• THE VELVET UNDERGROUND: „Rock’n’Roll • Album: „Live MCMXCIII“ • 6:19
Dieser Live-Song stammt von der Reunion-Tour der Velvets im Jahr 1993. Man achte auf das Gitarren-Solo von Sterling Morrison („Killer solo by Sterl“, wie ein YT-Kommentar feststellt).
29. August 1951: HANK WILLIAMS mit „Hey Good Lookin'“ auf Platz 1 der Charts
Die Bedeutung von Hank Williams als Countrysänger und Songschreiber kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Manche Kritiker bezeichnen ihn als ersten Rockstar überhaupt. Am 29.8.1951 gelangt Hank Williams mit „Hey Good Lookin'“ auf Platz 1 der Country-Charts. Es war nicht sein erster Nr. 1-Hit, aber jetzt war er auf dem Höhepunkt seiner leider viel zu kurzen Karriere. Aufgrund gesundheitlicher und psychischer Probleme, Alkohol und Schmerzmittel starb er in der Neujahrsnacht am 1. Januar 1953 auf dem Rücksitz seines Wagens auf dem Weg zu einem Auftritt.
„No matter how I struggle and strive, I’ll never get out of this world alive”
• HANK WILLIAMS: „Hey Good Lookin’“ • 1951 • 1:55
29. August 1958: Geburts-Tag von MICHAEL JACKSON
Iss klar: Jackson Five • Moonwalk • Thriller • Neverland-Ranch • Black & White
• MICHAEL JACKSON: „Black or White“ • 1991 • Album „Dangerous“ • 3:09
29. August 1958: CLIFF RICHARD veröffentlicht seine Debüt-Single „Move It“
Das Lied gilt als erster britischer Rock’n’Roll-Titel überhaupt. „Congratulations“, Cliff!
• CLIFF RICHARD & The SHADOWS: „Move It“ (The Cliff Richard Show, 19.03.1960) • 2:32
29. August 1964: ROY ORBISON veröffentlicht die Single „Oh, Pretty Woman“
Roy spielte den Song auch in dem legendären Comeback-Konzert 1987 in einem Nachtclub in Los Angeles („Black & White Night“), ein Jahr vor seinem plötzlichen Tod.
Auf der Bühne sind zu sehen und zu hören: Bruce Springsteen, Elvis Costello, Jackson Brown, Tom Waits, T-Bone Burnett u.a. Hier die über 6-minütige Live-Verson mit einem fantastischen Gitarrensolo:
29. August 1966: THE BEATLES geben ihr letztes öffentliche Konzert
Das Konzert im Candlestick Park in San Francisco vor etwa 25.000 Zuhörern dauerte ca. 30 Minuten. Dann war Schluss.
Stark verwackelt, zusammengeschnitten und schlechter Sound – aber ein Zeitdokument!
29. August 1991: Ein Radiosender spielt das Album „Nevermind“ von NIRVANA vor der offiziellen Veröffentlichung in voller Länge im Radio.
29. August 1994: OASIS veröffentlicht ihr Debütalbum „Definitely Maybe“ in Großbritannien.
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Ich kein Zahlenmystiker, aber…
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Zwischen 1920 (Parker) und 1994 (Oasis) liegen 74 Jahre.
29 + 8 ergeben 37.
37 ist exakt die Hälfte von 74. Das kann kein Zufall sein…
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Daher habe ich vorsichtshalber diesen Blog um 8:29 Uhr online gestellt, um die Zahlengötter zu besänftigen. Ok, das ist zwar einen Tag zu früh, aber – Zahlenmystik hin oder her – lieber zu früh als zu spät oder gar nicht…
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