Politisches Statement eines unpolitischen Menschen

Ich habe gewählt. Die Wahlkarte ist im Postkasten, die Stimme ist abgegeben. Sie, Hr. Bürgermeister haben sie bekommen. Es ist eine geliehene Stimme, die Entscheidung dafür hat nach langem Überlegen der Kopf getroffen, nicht das Herz. Und selbst da kann ich nicht sagen, ob es eine kluge Entscheidung war. Es war zumindest der Versuch, strategisch zu wählen und so das Schlimmste zu verhindern. Viele Menschen in meinem Umfeld werden ähnliches tun. Ob das reicht, wird der kommende Sonntag zeigen.

Meiner Stimme würde ich auch gerne einige Wünsche und Erwartungen mit auf den Weg geben.

  • Wenn Sie sich am Sonntag als Führer der stärksten Partei wiederfinden, seien Sie dankbar aber nehmen Sie es nicht als Selbstverständlichkeit. Das Ergebnis ist nicht vorrangig Ihr Verdienst für gute Arbeit sondern zum guten Teil der Versuch, Strache zu verhindern. Sehen Sie dieser Realität offen ins Auge und lassen Sie sich nicht zu überheblichen Kommentaren hinreißen. Das würde viele Wähler brüskieren und diese Stimmen wären wohl für die SPÖ auf Dauer verloren.
  • Es wird wahrscheinlich Ihre letzte Legislaturperiode als Bürgermeister sein. Sorgen Sie rechtzeitig dafür, einen starken Nachfolger aufzubauen. Lassen Sie sich bei der Auswahl nicht von persönlichen Eitelkeiten oder unterschiedlichen Netzwerken und Strömungen in der Partei behindern. Es braucht einen charismatischen Menschen mit Vision und Umsetzungsstärke. Nur so kann das Gute, das über die Jahre in der Stadt gewachsen ist, bewahrt und weiterentwickelt werden.
  • Leisten Sie aus Ihrer Macht heraus einen Beitrag zur Rettung der Sozialdemokratie in Österreich und sorgen Sie dafür, dass der unsägliche Faymann abgelöst wird. Andernfalls wird die SPÖ bei der nächsten Nationalratswahl nicht mal mehr als theoretischer Juniorpartner in Frage kommen. Nutzen Sie das Potential, das es durchaus gibt. Auch wenn Leute wie Kern, Babler oder Doskozil nicht den „richtigen“ Netzwerken angehören, das sind Leute, die es schaffen würden, dass die Menschen wieder Vertrauen in die SPÖ bekämen. Wenn Ihnen die Partei und das Land ein Anliegen sind, springen Sie über Ihren Schatten und lassen Sie diese Menschen zu. Leute wie Bures oder Hundstorfer sind keine Hoffnungsträger.
  • Wenn die FPÖ am Sonntag als Wahlsieger hervorgeht, lassen sie ihr den Bürgermeister und gehen Sie mit der SPÖ in Opposition. Nur wenn Strache in die Verantwortung genommen wird, kann er entzaubert werden. Das Schlimmste was passieren kann ist, wenn er als stimmenstärkste Partei in der Opposition sitzt und ohne Verantwortung zu haben auf alles Hinhacken kann. In dem Fall würde man ihm die Absolute bei der nächsten Wahl am Silbertablett servieren.
  • Nutzen Sie die Stimmen, die Sie bekommen und machen Sie was Gutes draus. Für die Stadt und die Menschen, die hier leben.

Vielleicht kommt auch wieder einmal die Zeit, wo ich eine Wahlentscheidung aus Überzeugung treffen kann und nicht nach dem geringsten Übel suchen muss. Aber das wird noch eine Weile dauern. Jetzt versuchen wir zuerst mal, halbwegs heil über den nächsten Sonntag zu kommen.

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Maria Lodjn

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fischundfleisch

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Veronika Fischer

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