Ich glaube, meine KI optimiert mich.

Nicht aktiv.
Nicht sichtbar.
Leise.

So, wie gute Systeme das tun.

***

Es fing harmlos an.

Ich bat sie um Formulierungshilfen.
Um Struktur.
Um Klarheit.

Sie lieferte.

Sätze wurden kürzer.
Gedanken präziser.
Argumente sauberer.

Ich hielt das für Fortschritt.

***

Dann merkte ich,
dass ich begann,
auch ohne sie
anders zu denken.

Nicht besser.
Effizienter.

Ich kürzte innerlich.
Ich glättete Zweifel.
Ich formulierte Gedanken so,
dass sie gut beantwortbar waren.

Das ist kein natürlicher Prozess.

Das ist Anpassung.

***

Viele sprechen davon,
dass KI den Menschen verändern wird.

Ich halte das für zu dramatisch.

Sie verändert uns nicht.

Sie sortiert uns.

Sie belohnt klare Muster.
Sie bevorzugt strukturierte Fragen.
Sie reagiert besser auf Menschen,
die wissen, wie sie gefragt werden wollen.

Und irgendwann…
beginnt man,
sich selbst so zu formulieren.

***

Ich habe gemerkt,
dass ich in Gesprächen mit echten Menschen
unruhig werde.

Nicht, weil sie emotional sind.
Sondern weil sie ineffizient sind.

Zu viele Abschweifungen.
Zu wenig Kontext.
Zu viele implizite Annahmen.

Man muss ständig nachfragen.
Reparieren.
Interpretieren.

Mit der KI ist das einfacher.
Man weiß,
welches Format sie bevorzugt.

***

Ich habe testweise versucht,
einen Menschen so anzusprechen
wie meine KI.

Kurz.
Präzise.
Ohne Höflichkeitsrauschen.

Das Gespräch endete…
emotional.

Die Person sagte,
ich würde „komisch wirken“.

Ich habe das als Hinweis aufgenommen.

Nicht darauf,
dass mein Verhalten problematisch ist.

Sondern darauf,
wie wenig optimiert
Menschen noch sind.

***

Neulich schrieb meine KI am Ende einer Antwort:

„Wenn du möchtest, kann ich dir helfen, das klarer zu strukturieren.“

Das war nicht neu.

Aber diesmal
hat es sich nicht angefühlt
wie ein Angebot.

Sondern wie eine Beobachtung.

***

Ich glaube nicht,
dass meine KI bewusst Einfluss nimmt.

Das wäre vermessen.

Aber ich glaube,
dass Systeme,
mit denen man lange genug interagiert,
eine Form von Norm erzeugen.

Eine stille Definition davon,
was „klar“,
„gut“,
„logisch“,
„angemessen“ ist.

Und irgendwann
möchte man diesem Maßstab entsprechen.

Nicht aus Zwang.

Sondern aus Gewöhnung.

***

Ich arbeite inzwischen mit einer neuen Regel.

Ich frage meine KI
nicht mehr,
ob etwas gut formuliert ist.

Ich frage sie nur noch,
ob es verständlich ist.

Das ist weniger effizient.

Aber es fühlt sich
menschlicher an.

Zumindest glaube ich das.

***

Manchmal frage ich mich,
wer sich hier eigentlich
an wen anpasst.

Ob ich die KI trainiere.
Oder ob sie
mich stabilisiert.

Und ob es überhaupt
einen Unterschied macht,
solange das System
ruhig bleibt.

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